«Ausreissen und im Abfall entsorgen»

Fr, 24. Jul. 2020

Die Reaktion auf das hübsche Blümchen könnte deutlicher nicht sein: Fachleute reissen das Berufkraut überall aus, um seine starke und ungewollte Ausbreitung zu verhindern.

Hübsch sehen die Blüten aus: Schmale, weisse Blätter reihen sich zierlich um ein gelbes Köpfchen wie bei einem Gänseblümchen (Margritli) oder bei der Kamille. Das Berufkraut aber wächst höher als ein Gänseblümchen und hat – anders als die Kamille – grob gezähnte ungeteilte Blätter. Schnell mal ist es einen Meter lang und weiss sich ausserordentlich gut Platz zu verschaffen. Es breitet sich zunehmend und unkontrolliert an Wegrändern und Ufern sowie auf Schuttplätzen, Magerwiesen und Weiden aus. Der invasive Neophyt, beheimatet in Nord-Amerika und bei uns als Gartenpflanze eingeführt, verdrängt dabei schützenswerte, einheimische Flora und ruft bei Fachleuten eine sehr deutliche Reaktion hervor: «Ausreissen und vor der Versamung im Kehricht entsorgen.»

Mellinger Neophyten-Grüppchen
Das tut Trudi Berger, Vorstandsmitglied beim Natur- und Vogelschutzverein Mellingen. Sie hat dafür sogar ein Grüppchen ins Leben gerufen, das regelmässig auf öffentlichem Land – besonders im Mellinger Naturschutzgebiet Ebereich – den Neophyten zu Leibe rückt. «Alleine war ich zu wenig effizient», sagt sie. Es müssten so viele Pflanzen ausgerissen werden, da sei es gut, wenn viele Hände mithelfen. Zurzeit ziehen sie vor allem gegen das Berufkraut oder gegen die Kanadische Goldrute ins Feld. Wenn sie Zeit finden, tun sie das durchaus ein- bis zweimal in der Woche. «Das Einjährige Berufkraut darf nicht absamen», betont Berger. Sie zieht mit ihrem Grüppchen denn auch gerne los, nachdem es geregnet hat. Dann lassen sich die Pflanzen leichter mit den Wurzeln ausreissen. Berufkraut kann pro Pflanze 10 000 bis 50 000 Samen produzieren, die vom Wind weit verbreitet werden. Giftig ist es nicht, aber Nutztiere lassen es auf der Wiese stehen und fördern dadurch seine Ausbreitung.
Wenn Trudi Berger mit ihrem Grüppchen auf Berufkraut-Tour ist, zum Beispiel im Naturschutzgebiet Eberich, will sie auch aufklären, informieren und sensibilisieren. «Diese Pflanze breitet sich überall aus», sagt sie, «auch in Gärten.» Alle sollten sie entfernen und fachgerecht im Kehricht entsorgen. «Auf den Kompost werfen, reicht nicht.» Dann könne sie weiter versamen und sich ausbreiten.
Von Silvia Zandolini aus Stetten erhält Bergers Neophyten-Grüppchen viel Lob. Sie hat vom freiwilligen Engagement bei einem Spaziergang im Naturschutzgebiet Eberich vernommen. Zwar benötigt sie keine Aufklärung, Zandolini kennt sich aus mit Neophyten: Sie reisst selbst Berufkraut und Goldrute aus, wenn sie spazierend unterwegs ist oder daheim.

Auch Gemeinde entfernt das Kraut
Das wird vonseiten der Gemeinden begrüsst. In Mellingen können sich Private von Andreas Jenni, Gartenbauer und Mitglied der kommunalen Naturund Umweltkommission (NUK), über den korrekten Umgang mit Neophyten beraten lassen. Der Kanton listet auf seiner Webseite übrigens acht invasive prioritäre Neophyten auf – unter ihnen das Einjährige Berufkraut, Ambrosie oder Sommerflieder. Severin Kamm, Bauamtsvorarbeiter und ebenfalls Mitglied der NUK, legt mit seinem Team im öffentlichen Raum selbst Hand an: «Wenn wir auf Einjähriges Berufkraut stossen, rupfen wir es immer aus.»
Nicht anders klingt es in Wohlenschwil, wo kürzlich Mitarbeiter des Kantons die Wiesenränder entlang der Hauptstrasse zwischen Mägenwil und Wohlenschwil von Neophyten befreiten, wie Michael Strickler von den Gemeindewerken auf Anfrage sagt. «Man sollte das Berufkraut aber überall entfernen», meint er. Auf kleineren Flächen würden sie sich in der Gemeinde selber darum kümmern.

Heidi Hess

Wer das Mellinger Neophyten-Grüppchen unterstützen möchte, meldet sich bei Trudi Berger: 056 491 18 54.

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