Was mach(t)en die Golfer bloss falsch?

Fr, 17. Jul. 2020

Am 16. Juni wurde mit «Golf Gnadenthal» ein weiteres Golfprojekt im Aargau versenkt, diesmal vom Grossen Rat. Schade, dass nicht die direkt betroffene Gemeinde Niederwil darüber entscheiden konnte.
Waren es emotionale Komponenten, die zu diesem Entscheid führten? Oder weshalb bekämpfte im Grossen Rat ausgerechnet ein Niederwiler Garagist (dessen Einnahmequelle mit Tankstelle und Garage gerade der Individualverkehr ist) dieses Projekt mit Argumenten von Anzahl Fahrten? Nun fahren die Golfer der östlichen Kantonshälfte weiterhin nach Oberentfelden, Frick, Otelfingen (ZH) oder in die Innerschweiz, statt Einnahmen in der Region zu generieren. Die Chance, circa zehn neue Arbeitsplätze für Fachleute zu schaffen (welche keinen höheren Bildungsabschluss benötigen), ist damit auch vergeben.
Ist Golfen nur etwas für Reiche, oder vergleichbar mit Skifahren, Reiten und Motorradfahren? Golfen mit der «Migros Golfcard» lässt sich kostenmässig mit Skifahren vergleichen. Die Kosten für Ausrüstung und «Greenfee» bzw. «Skipass» sind etwa gleich.
Haben die Golfer ein Imageproblem? Haftet dem Golfsport etwas Elitäres an? Tatsächlich gibt es im Aargau einen Golfclub mit «Bad»-Zusatz, über dessen absurde Eintrittsbedingungen die meisten Golfer nur schmunzeln können. Solche Clubs sind jedoch die Ausnahme. In den Golfclubhäusern in Frick, Entfelden, Otelfingen, Holzhäusern (ZG) oder Oberkirch (LU) sind Nichtgolfer, also auch Wanderer, Velofahrer etc. willkommen. Meine Frau und ich haben einen fixen Jahres-Termin, das ist der erste Freitag im Juli. Dann findet jeweils die «Freiamt Reusstal Golf-Trophy» im Golfclub Entfelden statt, wo gesellige und unkomplizierte Frauen und Männer aus dem Freiamt und Reusstal teilnehmen. Da spielt es keine Rolle, wer was hat und was ist.
Das Reusstal ist eine Pferde-Hochburg. Reiten ist ein schönes, aber auch nicht billiges Hobby mit ebenfalls beträchtlichem Landbedarf. Zählt man nur schon die Flächen der Pferdestallungen und Gehege zwischen Mellingen und Bremgarten zusammen, das sind weit mehr als die 34 Hektaren, die für den Golfplatz geplant waren. Im Gegensatz zu Golfplätzen sind uns Pferde vertraut und das Reiten wird nicht infrage gestellt. Im Bedarfsfall kann sowohl ein Golfplatz wie auch eine Pferdekoppel umgepflügt und landwirtschaftlich genutzt werden. Ob der besagte Golfplatz mit «Bad»- Zusatz im Zweiten Weltkrieg zu 100 Prozent für die von Bundesrat Wahlen initiierte «Anbauschlacht» für landwirtschaftliche Zwecke genutzt wurde, weiss ich nicht.
Die Hanf- und Rollrasenprodukte der Landwirte sollten nicht gegen den Landbedarf eines Golfplatzes ausgespielt werden, das dient der Sache nicht. Gemäss «Pro Natura» hat ein Golfplatz in Sachen Biodiversität jedoch einige Vorteile. Und: Im Gegensatz zu Pferden, gibt eine Golftasche kein Methan ab. Die Golfer der östlichen Kantonshälfte müssen nun leider auch in Zukunft den weiteren Anfahrtsweg auf sich nehmen und das Geld statt hier, halt dort ausgeben. Sicher hätten auch einige mit dem Golfen begonnen. Wie sagte doch ein Schützenkamerad zu mir: «Gäll, schribsch denn au en Läserbrief für de Golfplatz, i wetts nämli au mit Golfe probiere …».

Toni Rohrer, Nesselnbach

Toni Rohrer ist in Mellingen aufgewachsen und lebt heute in Nesselnbach.

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