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Impfen bleibt eine Übung in Geduld

Di, 12. Jan. 2021

Wenig Impfdosen, grosse Nachfrage – der Hausarzt hofft, dass der «Moderna»-Impfstoff bald zugelassen wird

Als er sich bei seinem Hausarzt meldete, waren sämtliche Impftermine bereits ausgebucht. Der 94-jährige Risikopatient kommt diese Woche an die Reihe. Geduld bleibt aber weiterhin gefragt.

Inzwischen hat er einen Impftermin erhalten. Einfach war das für den 94-Jährigen, der gemeinsam mit seiner Frau in Niederrohrdorf einen eigenen Haushalt führt, nicht. Dabei leidet der betagte Mann an Diabetes und zählt in doppelter Hinsicht zur Risikogruppe. Über 75-Jährige und Personen mit chronischen Vorerkrankungen werden bevorzugt geimpft. Anfang letzter Woche, zum Start der Impfkampagne im Aargau, hatte sich der Niederrohrdorfer bei seinem Hausarzt für die Vermittlung eines Impftermins gemeldet. Dieser konnte ihm zunächst nicht weiter helfen. Schliesslich gelang es einer Fachärztin, den 94-Jährigen für die Impfung anzumelden.

Der Impfstoff wird limitiert bleiben
Weil der verfügbare Impfstoff limitiert ist, sind auch die Terminangebote stark eingeschränkt, teilte das Gesundheitsdepartement Ende letzter Woche mit. «Die Nachfrage ist viel grösser als das Angebot an Impfdosen», sagt Michel Hassler, Leiter Kommunikation beim Gesundheitsdepartement. Dieses Grundproblem werde man nicht von heute auf morgen lösen. Weitere Lieferungen sind angekündigt, aber noch nicht bestätigt. Im Moment reichen die Imfpdosen für 2500 Personen pro Woche. Geimpft wird in den Impfzentren der Kantonsspitäler und mit mobilen Einheiten in den Alters- und Pflegeheimen. Weitere Spitäler werden folgen. Im Aargau wohnen rund 57 000 Personen, die 75 Jahre alt sind oder älter. Schätzungsweise 80 000 Personen sind jünger als 75 Jahre, leiden aber an chronischen Vorerkrankungen. Beide Personengruppen haben Priorität. Bevor es aber zu Hausbesuchen kommt, werden Bewohnerinnen und Bewohner in Alters- und Pflegezentren geimpft. Erst zu einem späteren Zeitpunkt wird auch eine Impfung durch Hausärzte oder Apotheker möglich sein.
Die Anmeldung erfolgt grundsätzlich übers Internet. Eine telefonische Anmeldung oder eine Anmeldung per E-Mail ist nicht möglich. Personen ohne Internetzugang sollten sich von ihrem Umfeld unterstützen lassen oder in dringenden Fällen die Hausärztin oder den Hausarzt um Unterstützung anfragen. Aufgrund des noch limitierten Impfstoffs ist aber Geduld gefragt. Ab dem 11. Januar werden täglich weitere mögliche Termine jeweils eine Woche im Voraus aufgeschaltet. Es ist aber weiterhin davon auszugehen, dass die Terminnachfrage das Angebot deutlich übersteigt.

Hausarzt wartet auf «Moderna»
Doktor Michael Niederegger, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin im Medical Center Rohrdorf in Oberrohrdorf, schildert die Situation aus der Sicht von Hausärztinnen und Hausärzten. Sie hätten die Informationen zur Impfkampagne und rund um das Anmeldeverfahren für Impftermine sehr kurzfristig vom Aargauer Ärzteverband erhalten. Laut Nadia Haller, Geschäftsführerin beim Ärzteverband wurden Hausarztpraxen kurz vor dem Jahreswechsel informiert. Auch die Informationsfristen, ergänzt sie, seien im Moment sehr knapp. Als Michael Niederegger am ersten Arbeitstag im neuen Jahr die Information erhielt, starteten am gleichen Tag, am 4. Januar, ab 8 Uhr auf den Webseiten der Kantonsspitäler Aarau und Baden die Anmeldungen, sofern man zu einer der Risikogruppen zählt. Das wurde genutzt. «Innert kürzester Zeit, bereits am Montagmittag, waren die meisten Termine für die letzte Woche vergeben», sagt der Arzt.
Zwangsläufig führe das bei Patienten, die sich über ihren Hausarzt anmelden wollten und nur in sehr eingeschränktem Ausmass einen Termin erhielten zu Unverständnis, bisweilen auch zu Unzufriedenheit. Die meisten Patienten würden Verständnis zeigen, wenn man sich etwas Zeit nehme, mit ihnen rede und den Sachverhalt erkläre. Es sei von vornherein klar gewesen, dass der Mangel an Impfdosen gross sei. Geduld sei nötig. Es sei eine enorme Leistung, in welcher Geschwindigkeit die Forschung Impfstoffe entwickeln konnte, sagt er. Aber es könne einfach nicht jeder gleich in den ersten zwei Wochen geimpft werden. Niederegger führt eine Warteliste mit Patienten, die prioritär geimpft werden sollen.
Michael Niederegger hofft ausserdem, dass der Impfstoff von Moderna möglichst schnell durch Swissmedic freigegeben wird, nachdem er in der EU bereits bewilligt ist. Mit diesem Impfstoff werde Impfen auch in einer Hausarztpraxis möglich. Laut neuesten Mitteilungen wird das bald der Fall sein.

Heidi Hess

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