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GASTKOLUMNE

Di, 23. Feb. 2021

Edith Saner aus Birmenstorf ist diplomierte Pflegefachfrau und diplomierte Betriebsausbilderin mit Masterabschluss in Coaching. Sie politisiert seit 20 Jahren. Zuerst auf kommunaler Ebene, seit sechs Jahren im Grossen Rat. Ausgleich dazu ist ihr Bewegung in der Natur.

Zeichen des Alters

Das Schuhgeschäft aus meiner Kinderzeit habe ich nicht nur bildlich vor mir sondern auch in der Nase. Eine Duftmischung aus feinem Leder und der Parfumnote der Geschäftsinhaberin, die immer gut gekleidet war und das schwarz gefärbte Haar aufgetürmt zu einem Chignon hatte, machte den Laden zu etwas Besonderem. Die Schuhe durften nur mit Hilfe eines Schuhlöffels anprobiert werden, damit die Lasche an der Ferse auf keinen Fall durch das Anziehen geknickt wurde. Ich war einerseits auf das Schuhanziehen und -probieren fixiert, aber noch viel mehr auf die hochgesteckten Haare der Ladenchefin. Ab und zu versuchte ich mir vorzustellen, wie sie sich wohl abends mit ihrem Chignon zum Schlafen legte. Wenn meine Mutter mehrere Schuhpaare kaufen musste, was ab und zu vorkam, gab es als Geschenk einen farbigen Schuhlöffel aus Plastik. Diesen mussten wir bei neuen Schuhen diszipliniert nutzen.
Laut Recherchen gibt es den Schuhlöffel seit dem 16. Jh. aus der Zeit der Renaissance. Damals erliess die Regierung ein Dekret, wonach es verboten war, breite Schuhe zu tragen. Der Wechsel zu schmalen Schuhen machte das Einsteigen schwieriger, vor allem mit der vielschichtigen Kleidung reicher Leute, die sich dadurch kaum richtig beugen konnten. Die Schuhlöffel waren meistens aus Horn gefertigt und hiessen «shoehorn». Zum Teil waren diese Schuhanzieher, wie der Schuhlöffel auch genannt wurde, reich verziert und ein Schmuckstück. Erst später wurde dieses praktische Hilfsgerät in verschiedensten Variationen und auch zu günstigeren Preisen hergestellt.
In unserem Haushalt gibt es aktuell keine Schuhlöffel. Wir sind so beweglich, dass wir uns beugen und mit den Fingern dafür sorgen, dass die Lasche bei der Ferse nicht einknickt. Nun bahnt sich aber eine Veränderung an. Wir kommen in eine Altersphase, wo unsere Besucherinnen und Besucher, die höflicherweise die Schuhe beim Eingang platzieren, nach einem Schuhlöffel fragen. Dieser sollte mind. 55 cm lang sein, damit beim Schuheinsteigen nur eine leichte Körperbeugung notwendig ist und somit ein Krachen von steifen Gelenken, die mögliche Auslösung eines Hexenschusses oder ein Sturz vermieden werden kann. Ich stelle mir nun seit einer Weile ernsthaft die Frage, ob ich einen altersgerechten Schuhlöffel anschaffen oder unseren Gästen ein Fitnessabonnement empfehlen soll.

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