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Wenn plötzlich ein Haus verschwindet

Di, 23. Feb. 2021

Mit «Mehrfamilienhaus mit Garten» ist das sechste Buch von Edith Nielsen Saad-Moor erschienen

Die Mellingerin beschreibt in ihrem jüngsten Buch, wie Zusammenleben geht. Auf unterhaltsame Weise schildert sie das Leben in einem Mehrfamilienhaus. – Bis das Haus eines Tages verschwindet.

Niemand wohnt alleine in einem Haus mit mehreren Wohnungen. Auch nicht in «Mehrfamilienhaus mit Garten», in welchem Zusammenleben zwischen zwei Buchdeckeln erzählt wird. In ihrem inzwischen sechsten Buch beschreibt Edith Nielsen das Leben auf vier Etagen in einem alten Patrizierhaus mit grossem Garten. Dieses Haus, sagt die Frau, die selber in der Mellinger Altstadt wohnt, stehe in der Schweiz, irgendwo im Mittelland. Von der Wohnung im Dachgeschoss bis ins Atelier im sous-Sol erweckt die Autorin ihre Figuren zum Leben.

Die Figuren stehen plötzlich da
Zum Beispiel Sophie Kern unter dem Dach, die sich auf ihrem Balkon nach fernen Kontinenten sehnt. Oder Carmela Buff, die im zweiten Stock versucht, das Krächzen ihres Aras mit dem Staubsauger zu übertönen. Und die Familie Wagner mit ihren Kindern Flipp und Charlotte im Parterre. – Toleranz und Freundschaft, Hilfsbereitschaft und Offenheit stehen im Zentrum der Geschichte. Dabei werde nichts erklärt, sagt Nielsen. «So, wie sich meine Figuren verhalten, erleben die Leserin oder der Leser Freundschaft oder Toleranz.» Ruhig spricht die Frau im obersten Stock in der Mellinger Bibliothek, fragt nach, erklärt und antwortet immer wieder mit einem Lächeln.
Sie blättert und verweist auf wichtige Stellen, auf den Aufbau ihrer «Unterhaltungsgeschichte mit Tiefgang», wie sie ihr Buch umschreibt. Dreiteilig ist es. Im ersten Teil werden die Personen vorgestellt, das Zusammenleben und die Gemeinschaft mit Witz geschildert. Zwar hat Edith Nielsen alle ihre Romanfiguren auf der ersten Seite ihres Buches aufgelistet und stellt sie auch gleich vor. «Damit sich die Lesenden einfacher zurecht finden», sagt sie. Sie selber aber brauche diese Liste nicht. «Die Figuren kommen zu mir, stehen plötzlich da». Und erhalten dann einen Platz in ihrer Geschichte – auch die vier Menschen aus Eritrea, die im Verlaufe des Buches im Mehrfamilienhaus einziehen. Nielsen nimmt sie mit, skizziert in ihrem Computer – bisweilen auch handschriftlich auf einem kleinen Notizblock – was ihre Figuren erleben, was sie bewegt oder, was ihr selber wichtig ist. So lässt sie etwa Carmela Buff sagen: «In den nächsten zwei, drei Jahrzehnten werden viel grössere Massen kommen; es könnten Abermillionen Menschen sein. Nicht über das Meer, sondern wegen dem Meer!» Es ist einer von vielen Sätzen, der auf aktuelle Probleme anspricht.

«Wir sind jetzt Flüchtlinge»
Im zweiten Teil des Buches verschwindet urplötzlich das Haus. Wie und warum soll hier nicht verraten werden. Das ist Edith Nielsen wichtig. Wer sollte noch lesen wollen, wenn die Geschichte schon bekannt ist? Im Roman aber führt dieses Ereignis zu einer Whatsapp-Mitteilung zwischen zwei Hausbewohnern, von denen einer gerade Tausende Kilometer entfernt ist: «Wir stehen alle unter Schock! Und wir stehen buchstäblich vor dem Nichts. – Wir sind jetzt Flüchtlinge.» Jederzeit könne etwas eintreffen, sagt Nielsen, das an die Vergänglichkeit des Lebens erinnere. Nichts sei selbstverständlich. Auch darum geht es in ihrem Buch.
Ohne Haus aber fehlt die Gemeinschaft. Den dritten Teil leitet Nielsen denn auch mit den Worten ein: «Falls es Sie interessiert, was aus den Bewohnern des verschwundenen Hauses geworden ist ... Ich weiss es nicht.» Dennoch lädt sie die Lesenden ein, in die Zukunft zu blicken. Fünfzehn Jahre später erzählen ihre Heldinnen und Helden vom Neuanfang. Nielsen sagt: «Vieles in meiner Erzählung beruht auf wahren Begebenheiten.» Zwar seien die Personen nicht real, manches Ereignis aber, das sie in «Mehrfamilienhaus mit Garten» beschreibe, habe sie selber erlebt.

Heidi Hess

«Mehrfamilienhaus mit Garten», erschienen im Eigenverlag, ist für 23 Franken bei nielsenmoor@bluewin.ch oder in Buchhandlungen erhältlich.

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