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Gratulationen, aber keine Feier zum 100-Jährigen

Fr, 16. Apr. 2021

Wasserfahren: Der Pontonierfahrverein Mellingen PFVM wurde heute vor 100 Jahren, am 16. April 1921, gegründet – Serie, Teil 1

Am 16. April 1921, also vor genau 100 Jahren, wurde im Restaurant Stadttörli der Pontonierfahrverein Mellingen PFVM gegründet. Für die Mellinger Pontoniere ist es ein Jubiläum, bei dem nicht so recht Freude aufkommen will. Das Jubiläumsfest war bereits bis ins Detail geplant. Doch Corona machte auch den Mellinger Pontonieren einen Strich durch die Rechnung.

Aufgrund der aktuellen Situation und der damit verbundenen Planungsunsicherheiten hat der Verein entschieden, auf sämtliche Jubiläumsaktivitäten zu verzichten. Dennoch möchte der Verein darüber berichten, wie es zur Gründung kam, wie sich der Verein über die Jahre entwickelt hat, welche Menschen den Verein geprägt haben und welche Höhen und Tiefen es im Laufe der Zeit gegeben hat. Pascal Graf ist dafür ins Vereinsarchiv gestiegen und hat in unendlicher Fleissarbeit die Grundlagen für diese Serie zusammengetragen, die über das Jahr verteilt im «Reussbote» erscheinen werden, So sehr Graf gesucht hat: Über die ersten 29 Jahre konnte er keine schriftlichen Aufzeichnungen mehr finden
Im Jahr 1963 hatte der damalige «Reussbote»-Verleger Albert Nüssli die ersten vier Jahrzehnte des Vereins recherchiert. Die fehlenden Daten suchte er in der Verbandszeitschrift «Der Pontonier» und in den «Reussbote»-Bänden bis 1949. Danach konnte er auf noch existierende Unterlagen zurückgreifen. Denn ab 1950 beginnt das noch vorhandene Protokollbuch, das mit der Generalversammlung vom 5. Juni 1976 endet. Anlässlich des 75-Jahr-Jubiläums hatte Albert Nüssli die weiteren Jahre aufgearbeitet. Ab 1977 sind die Protokolle mit Schreibmaschine, später mit Computer, auf lose Blätter geschrieben und in einem Ordner gesammelt worden.
Die letzten 25 Jahre wurden durch Pascal Graf aufgearbeitet, welche er selbst aktiv miterlebt hatte.

Die Ursprünge des Vereins
Durch ein Inserat im «Reussbote» wurde auf den 16. April 1921 zur Gründungsversammlung ins Restaurant Stadttörli eingeladen. Zehn Anwesende waren spontan zur Mitwirkung bereit und weitere zehn Männer folgten in den Tagen darauf. Nun konnten die Gründer das Gesuch um Beitritt zum 1893 gegründeten Schweizerischen Pontonierfahrverein stellen. Dies war nötig, denn nur Mitglieder dieses Verbandes erhielten von der Armee das zum Üben notwendige Schiffsmaterial samt Zubehör zur Verfügung gestellt. In der August-Ausgabe 1921 des Verbandsorgans «Pontonier» hiess der Zentralvorstand den Pontonierfahrverein Mellingen als 28. Sektion willkommen.

Die sieben Gründungsmitglieder
Doch um zu erfahren, weshalb im Frühjahr 1921 die sieben jungen Leute Emil Dürsteler, Johann Geissmann, Albert Halter, Josef Halter, Emil Hirt, Ernst Hirt und Werner Jehle im «Hirschen» zusammenkamen und sich rasch einig waren, in Mellingen einen Pontonierfahrverein zu gründen, muss die Zeit noch etwas mehr zurückgedreht werden.
1820 erfolgte die Aufstellung der ersten eidgenössischen Pontoniertrains und einer Kompanie Pontoniere. Die neue Militärorganisation von 1850 sah je drei Auszugs- und Reserve-Pontonierkompanien vor. Die Rekrutierung bot keine Schwierigkeiten. Auf Rhein, Aare, Reuss und Limmat herrschte damals noch reger Schiffsverkehr und so boten sich die versierten Schiffer, Flösser und Fischer an. Doch als die Eisenbahnen aufkamen, erhielt das Schiffer- und Flössergewerbe harte Konkurrenz. Die Zahl der Wasserfahrkundigen ging dadurch stetig zurück. Die Folge war, dass bald keine vorgebildeten Pontonierrekruten mehr zur Verfügung standen.
Die zur ausserdienstlichen Ertüchtigung gebildeten «Wehrvereine» wie Schützen, Turner, Radfahrer und Reiter erkannten, dass die Armee eine leistungsfähige Hilfstruppe zum Übersetzten der Flüsse brauchte.
Sie machten sich daher an die Gründung von Pontonierfahrvereinen, die jungen Männern die Vorkenntnisse im Flussfahren beibrachten und sie ausserdienstlich weiterbildeten. Darum war der Betrieb auch recht militärisch aufgezogen und alle Jahre erfolgte eine Inspektion durch einen Pontonier-Offizier. Pontonierfahrvereine entstanden ab 1877 in Bern, gefolgt von Zürich und Basel. Der Aargauische Genie-Unteroffiziersverein gründete Pontonierfahrvereine ab 1880 in Aarau, Aarburg, Klingnau und Bremgarten. Es folgten Baden, Brugg, im Reussgebiet Luzern und Ottenbach im Jahr 1888.

Warum nur so spät?
Doch weshalb wurde in Mellingen erst 1921 der Pontonierfahrverein gegründet? Das lag daran, dass in Mellingen die Verhältnisse besser waren. Der Waldertrag aus der «Risi» wurde auf dem Wasserweg zum Städtchen gebracht. Dort fand der Holzverkauf statt. Diese Holztransporte erforderten geübte Fahrer und an solchen fehlte es auch um die Jahrhundertwende in Mellingen nicht. Staatsbannwart Josef Meier war stets für tüchtigen Nachwuchs besorgt.
Zwei Mellinger waren aber dabei, als zu Beginn des 20. Jahrhunderts bei den grossen Manövern die Genietruppen im Reusstal in Büblikon eine Schiffsbrücke schlugen. Diese beiden Pontoniere waren im Zivilleben mit dem Holztransport in Mellingen beschäftigt. Staatsbannwart Josef Meier und Coiffeur Karl Steppacher der Ältere verstanden es ausgezeichnet, mit Ruder und Stachel auf der Reuss umzugehen.
Wenn sie auch nicht direkt zu den Initianten des Pontonierfahrvereins Mellingen gehörten, so gaben sie wohl indirekt Anstoss dazu, dass im Frühjahr 1921 der Pontonierfahrverein Mellingen gegründet wurde. Aus den Gründungsjahren sind zwar keine Schriftstücke mehr vorhanden. Dafür steht noch Bildmaterial zur Verfügung. (pg/bg)


Der Pontoniersport

Der Pontoniersport ist eine traditionelle Wassersportart der Schweiz. Er wird vom Eidg. Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) unterstützt. Bei diesem Sport wird hauptsächlich mit Übersetzbooten und Weidlingen auf Flüssen und Seen gerudert und gestachelt. Diese Sportart erfordert neben Kraft auch ein grosses Wissen über das Element Wasser. Im Gegensatz zum Wasserfahren werden beim Pontoniersport nicht nur kurze Zeiten von den Wettkämpfern erwartet, sondern – als Training für den Brückenbau – auch eine enorme Präzision beim Fahren.
Der Begriff kommt von den Pontons, jenen Schiffshohlkörpern zum Bau von meist behelfsmässigen Brücken. Es besteht eine Verbindung zwischen den Pontonierfahrvereinen (auch Pontoniersportvereine) und den Pontonieren im militärischen Bereich.


Pontonier-Geschichte

Das Wasserfahren geht auf die frühere Flösserei zurück, welche auf den schiffbaren Flüssen der Schweiz ab Zürich, Bern und Konstanz betrieben wurde. So wurde diese Art der Fortbewegung schon um 1200 in der Koblenzer Zollverordnung erwähnt. 1456 fand die Hirsebreifahrt statt. Sie war eine Wette zwischen den Städten Zürich und Strassburg, die beweisen sollte, wie schnell die Zürcher den Elsässern im Kriegsfall zu Hilfe eilen konnten. Die Fischer und die Schiffer organisierten sich in Zünften, welche ihre Berufe sehr ernst nahmen. So konnte beispielsweise im Spätmittelalter in Basel eine Lehrzeit als Schiffer bis zu vier Jahre dauern, bevor er in die Zunft aufgenommen wurde. Aus diesen Zünften wurden ab 1820 eine Art Genietruppen gebildet, welche ab 1850 in der schweizerischen Armee als Pontoniereinheiten und Sappeure für Flussüberquerungen und den Brückenbau eingesetzt wurden.
Ab 1869 wurden die ersten Wasserfahrvereine gegründet und man wandte sich vom nur militärischen Gebrauch ab und nutzte das Wasserfahren auch als Sport und als Wettkampf. Als Grundstütze der militärischen Ausrichtung bilden die Vereine auch heute noch zukünftige Pontoniere in vormilitärischen Kursen aus.
(Quelle Wikipedia)


PFV Mellingen ist einer von 41 Vereinen

Der Pontoniersport wird in Pontonierfahrvereinen betrieben. Diese trainieren meistens zwei- bis dreimal pro Woche im Sommer und einmal pro Woche im Winter. Im Sommer wird an oder auf einem Fluss (Rhein, Aare, Limmat, Reuss und vereinzelt auch an der Rhone) das Wasserfahren trainiert. Im Winter halten sich die Mellinger Pontoniere unter «normalen» Bedingungen in der Halle fit.
Der Pontonierfahrverein Mellingen PFVM ist einer von 41 Vereinen, die sich im Schweizer Pontonier-Sportverband organisiert haben.

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