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Rücklaufquote beträgt über 51 Prozent

Fr, 09. Apr. 2021

Am 31. März ist die Frist für die Abgabe der Fragebögen zur Gemeindefusion abgelaufen

Derzeit werden auf der Tägeriger Gemeindekanzlei die Fragebögen zur Gemeindefusion ausgewertet. Mehr als die Hälfte der Stimmberechtigten nutzte die Chance, um beim polarisierenden Thema mitzureden.

Viel verraten kann Gemeindeschreiber Rolf Meier noch nicht. «Wir werten die Daten zu Handen des Gemeinderates aus», sagt er. «Die Beteiligung mit 473 Rückmeldungen entspricht über 51 Prozent und darf bei 925 Stimmberechtigten durchaus als sehr erfreulich bezeichnet werden.» Neben den Fragen zum Ankreuzen wurde auch von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, unter «Bemerkungen» die eigene Sicht der Dinge mehr oder weniger ausführlich darzulegen. In einer Medienmitteilung hatte die SP Tägerig im Februar als eine Befürworterin der Fusion dazu aufgerufen, diese Möglichkeit zu nutzen.
Die erfreuliche Rücklaufquote betont das Interesse an der Umfrage und beweist, dass das Thema den Tägligerinnen und Tägligern nicht gleichgültig ist. «Mit dem Rücklauf sind wir zufrieden», sagt Gemeindeschreiber Meier. Ein Grossteil der Fragebögen sei anonym zurückgekommen. Dass dies erlaubt ist, darauf wurde angesichts des polarisierenden Themas explizit hingewiesen. War es einer Person somit möglich, den Vordruck mehrfach zurückzusenden, um das Ergebnis in ihrem Sinne zu beeinflussen? «Theoretisch schon», meint Meier. Anzeichen über Unregelmässigkeiten hat es aber zu keinem Zeitpunkt gegeben «Das ist alles sehr diszipliniert abgelaufen», sagt er. Die Unterlagen seien fast ausschliesslich handschriftlich ausgefüllt und per Post zurückgeschickt oder in den Briefkasten beim Gemeindehaus geworfen worden.
Wie es nun weitergeht, werde sich zeigen. Nach dem Vorliegen des Ergebnisses wird der Gemeinderat über das weitere Vorgehen beraten und anschliessend die Öffentlichkeit informieren. «Darum kann ich zum jetzigen Zeitpunkt keine zusätzlichen Details nennen», so der Gemeindeschreiber.
Der Gemeinderat hatte die dreiseitigen Fragebögen im Januar in Umlauf gebracht. Ein Jahr zuvor hatte ihn die Gemeindeversammlung nach einem Antrag aus den Reihen der SP beauftragt, sich mit dem Thema Gemeindefusion auseinanderzusetzen.
Im Zentrum der Umfrage stand, ob sich die Stimmberechtigten eine Gemeindefusion mit einer anderen Gemeinde vorstellen könnten oder nicht. Der Gemeinderat wollte aber auch die «Gemeindezugehörigkeit» erforschen und fragte, wie lange man schon in Tägerig wohnt, ob man hier aufgewachsen sei oder Ortsbürgerin oder Ortsbürger sei. Persönliche Angaben wie Geschlecht, Alter oder Zivilstand vervollständigten den Katalog.

Die Gemeinde ist gespalten
Ein zweiseitiges Vorwort des Gemeinderats ergänzte das Schreiben. Darin machte das Gremium keinen Hehl aus seiner ablehnenden Haltung einer Gemeindefusion gegenüber. Zumindest solle damit mindestens bis ins Jahr 2024 gewartet werden. Tägerig besitze genügend «Gemeindeautonomie», um in naher Zukunft eigenständige Wege gehen zu können. Sprich: Die finanzielle Lage werde sich auch wieder bessern. Die Tägeriger SP nannte das Unterfangen darum von Anfang an «tendenziös», die Argumente des Gemeinderats bezeichnete die Partei «blauäugig».
Das sieht auch Urs Schuppisser so, ein Befürworter der Gemeindefusion und seit einem Jahr in der Finanzkommission. Tägerig sei ein liebenswertes Dorf, das eine hohe Wohnqualität biete. Leider habe sich die Gemeinde in den vergangenen Jahren in eine Ecke manövriert, aus der es fast kein Herauskommen mehr gebe. «Der Wille ist nicht vorhanden, die eigenen Ausgaben bedingungslos den verfügbaren Mitteln anzupassen», ärgert sich Schuppisser. Und mahnt: «Verzichtet man auf eine Fusion, so dürfte es in absehbarer Zukunft deutlich schwieriger werden, den gewohnten Standard aufrecht zu erhalten und Bevölkerung wie Vereinen jene Leistungen zu bieten, welche erwartet werden.»
Eine Fusion mit einem grösseren Gemeinwesen würde es zudem ermöglichen, die Verwaltung zu professionalisieren. Eine sektorielle Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden biete nur noch geringes Potenzial: Die meisten Bereiche bis hin zum Steueramt sind bereits zusammengelegt.
Absoluter Gegner einer Gemeindefusion ist alt Gemeindepräsident Kurt Oldani. «Die Fusion wird hauptsächlich von Zugezogenen befürwortet», beobachtet der «Ur-Tägliger». Er selbst fühle sich stark verbunden mit dem Dorf. «Das gibt man doch nicht kampflos ab.» Oldani fürchtet, seine Heimat zu verlieren, wie er in einem Leserbrief im «Reussbote» im Februar schrieb. Er begründet dies unter anderem mit der Angst, die 19 Dorfvereine würden verschwinden, weil sie in den Vereinen der Fusionsgemeinde aufgehen – eine berechtigte Sorge. «Ich habe nichts gegen Mellingen», sagt er. «Eine Zusammenarbeit in bestimmten Bereichen ist sicher gut, aber keine Fusion.» Zudem sei es total unrealistisch, dass eine Gemeinde das finanziell schlecht dastehende Tägerig aufnehmen würde. Und gefährlich: «Sollte es dennoch gelingen, haben wir nicht mehr viel mitzureden», bringt er seine Befürchtungen auf den Punkt.

Stefan Böker

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