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Am Ende fehlte etwas die letzte Spannung

Di, 18. Mai. 2021

Wasserspringen: Zum Abschluss gab es für Michelle Heimberg an den Schwimm-Europameisterschaften in Budapest einen 5. Platz

Es sah gut aus für Michelle Heimberg. Beim Vorkampf vom Drei-Meter-Brett qualifizierte sie sich als Dritte locker für den EM- Finaldurchgang. Doch dann fehlte ihr etwas die letzte Spannung. Heimberg wurde Fünfte.

Michelle Heimberg ist froh, endlich wieder mal im eigenen Bett schlafen zu können. Auch Emil, ihr portugiesischer Wasserhund, freut sich über ihre Rückkehr. Drei lange Wochen musste er auf sein Frauchen warten. Sie war auf einer grossen Mission um die halbe Welt unterwegs. Es ging um nichts weniger als die Olympiaqualifikation. Darauf hat die mittlerweile 20-jährige Fislisbacherin während vielen Jahren akribisch hingearbeitet. Tokio 2020 war ihr grosses Ziel. Doch dann kam Corona. Die Spiele wurden um ein Jahr verschoben. Wie für viele andere Sportler/-innen begann für Michelle Heimberg eine quälende Zeit der Ungewissheit. Die Wettkämpfe wurden reihum abgesagt. Schliesslich kam nach einigem Bangen die Nachricht, wonach der Weltcup in Tokio unter strengsten Hygiene- und Quarantänevorschriften doch noch stattfinden würde. Die Veranstaltung galt als ultimativer Wettkampf zur Olympiaqualifikation. Eine zweite Chance würde es nicht mehr geben.
So machte sich Michelle Heimberg vor etwas mehr als drei Wochen auf zu einer Mission ins Ungewisse. Ohne Wettkämpfe in den Beinen wusste sie nicht, wo sie mit ihrer Form stand. Natürlich konnte sie auf ihre Erfahrung zählen. Sie selbst fühlte sich in guter Form. Heimberg hat den Schwierigkeitsgrad ihrer Sprünge längst auf das der absoluten Weltspitze angehobven. Doch was die Konkurrenz in den grossen Wassersportnationen machen würde, das blieb ihr verborgen. So wurde es zu einem Flug ins Land des Lächelns, das viele Fragen offen liess. Nun, mittlerweile hat Michelle Heimberg die Antworten gegeben.

Zu wenig zu essen in Tokio
Die Bedingungen in Tokio waren für alle Sportlerinnen und Sportler extrem schwierig. Sie lebten alle in einer streng durchgetakteten «Bubble». Zwischen Hotel und Schwimmhalle gabs keine Freiräume. Wenn sie nicht gerade im Aquatic-Center ihre Zeitfenster zum Training nutzen konnte, war Heimberg gefangen in ihrem Hotelzimmer. Das Essen wurde ihr vor die Tür gestellt. Zum Glück hatte sie genug Schokolade und andere Esswaren von zu Hause mitgenommen. Denn die Verpflegung war zu Beginn eher mickrig, so dass die Spitzenspringerinnen teilweise hungrig ins Bett mussten. Das alles vermochte Heimberg nicht aus der Fassung zu bringen. Sie blieb stets auf ihr Ziel fokussiert. Und sie lieferte ab, erfüllte ihre eigenen Erwartungen, als obs nichts Einfacheres gäbe. Im Vorkampf vom Drei-Meter-Brett sprang Heimberg mitten in die absolute Weltelite auf den ausgezeichneten 11. Rang. Damit stand der Olympia-Quotenplatz für die Schweiz fest, was gleichbedeutend war mit Heimbergs Olympia-Qualifikation. Befreit vom Qualifikationsdruck legte die Fislisbacherin im Finaldurchgang der zwölf Weltbesten noch einen drauf und wurde letztlich Zehnte. Dabei war sie eine von drei Europäerinnen, die sich für Olympia qualifizierten.

Zurück um die halbe Welt
Von Tokio ging es direkt weiter nach Budapest, wo in diesen Tagen die Schwimm-Europameisterschaften stattfinden. Nach einer kräftezehrenden Reise kam Heimberg in Budapest zu nachtschlafender Zeit an, um nur einen Tag später wieder aufs Brett zu steigen. Ohne gezielte Vorbereitung überraschte sie mit einer Silbermedaille vom Ein-Meter-Brett. «Damit hatte ich nicht gerechnet», sagte sie, die vor sechs Jahren aus dem Elternhaus auszog, um unter professionellen Bedingungen in Genf zu trainieren. Daneben ging sie zur Schule, damit sie nach der Karriere etwas im Sack hat.
Das Programm ist nahrhaft. Sechs Tage pro Woche Training, täglich mehrere Stunden. Der Lohn bisher:
Bei den Juniorinnen sammelte sie Titel und Podestplätze reihenweise. Hier alle aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Die Silbermedaille in Budapest letzte Woche war bereits ihre dritte europäische Medaille bei der Elite.

Am Ende war die Luft draussen
Für eine vierte Medaille hat es am letzten Samstagabend nicht gereicht. Heimberg qualifizierte sich als Dritte des Vorkampfes problemlos für das Finale der zwölf Besten. Doch dort wollte es ihr nicht mehr so laufen, wie sie sich das vorgestellt hatte. Der dritte Sprung ging so ziemlich schief. Zumindest, gemessen an ihren eigenen Ansprüchen. Der kostete denn auch eine weitere EM-Medaille. Darüber macht sich die stets aufgestellte junge Sportlerin aber keinen Kopf. Ein fünfter Platz an der EM ergibt immerhin ein europäisches Diplom. Das schaffte sonst bisher keine Schweizerin. Zudem stand die EM nicht im Zentrum ihrer Ziele. Das war ganz klar die Olympiaqualifikation. Und die hat sie in überzeugender Manier geschafft. Die Silbermedaille an der EM war ein unverhofftes Plus. Jetzt gilt es, sich auf die OIympischen Spiele zu fokussieren. Nun hofft Michelle Heimberg, wie tausende anderer Sprtlerinnen und Sportler weltweit darauf, dass die Olympischen Spiele im Sommer in Tokio auch tatsächlich stattfinden werden. Wenns klappt, steigt dort am Freitag, 30. Juli um 15 Uhr Ortszeit der Vorkampf der Frauen vom Drei-Meter-Brett. Mit Michelle Heimberg aus Fislisbach für die Schweiz am Start.

Beat Gomes

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