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Das Bedürfnis nach Kultur ist gross

Di, 18. Mai. 2021

Bestsellerautorin Silvia Götschi durfte am Dienstag voriger Woche im ausverkauften Schulhaussaal lesen

Die Tickets für die 50 erlaubten Plätze der Lesung mit Silvia Götschi waren innert kürzester Zeit weg. Das nach Kultur dürstende Publikum kam in den Genuss einer spannenden szenischen Lesung.

Im alten Schulhaussaal im Gemeindehaus Niederwil konnte das
Schutzkonzept problemlos eingehalten werden und so wartete das Publikum gespannt auf die Bestsellerautorin. Die Mellinger Bibliotheksleiterin Barbara Kindler begrüsste die Autorin und das Publikum, danach tauchte die Bühne in blaues Licht und Rauchschwaden ein. Silvia Götschi, seit zwei Jahren wohnhaft im Aargau, freute sich über die Platzverhältnisse im grossen Saal, ist sie doch auch gewohnt und bereit, in kleineren Bibliotheken aufzutreten, wo erstmal Bücher weggeräumt werden müssen.

Ermittler in Lebensgefahr
Sie hat für diesen Abend ihren kürzlich erschienenen Krimi «Interlaken» mit den Protagonisten Federica Hardegger, Maximilian von Wirth und dessen exzentrischer Mutter Milagros im Gepäck. Die Geschichte dreht sich um zwei verschwundene, chinesische Touristinnen, deren Ehemänner keine Polizei einschalten wollen. Die Spur führt in die Jungfrauregion, zum höchstgelegenen Bahnhof der Schweiz. Doch dort werden die Verfolger plötzlich zu Verfolgten: Als sie erkennen, was für eine menschliche Tragödie hinter dem Schicksal der beiden vermissten Chinesinnen steckt, befinden sich Max und Fede bereits in höchster Lebensgefahr ...
Silvia Götschi recherchierte für diesen Krimi in chinesischer Geschichte und Literatur und befasste sich ausgiebig mit der Ein-Kind-Politik des Landes. Die Tatsache, dass Mädchen sehr oft unerwünscht sind, bewog sie, diesen in ihrem Buch eine Stimme zu geben. Trotz vielen Missständen wuchs das Verständnis der Autorin für die fremde Kultur. So erklang auch für die Szenenwechsel chinesische Musik, nur auf das Ballenbergkapitel wurden die Zuhörer mit einem lüpfigen Ländler eingestimmt.
Interessant ist, dass Silvia Götschi zuerst schreibt, dass ihre Geschichten zu 80 Prozent ihrer Phantasie entspringen und sie erst danach die Örtlichkeiten besucht. Ihre Karriere begann in der Schule, wo sie auf dem Pausenplatz konsequent Hochdeutsch sprach und die Lehrer mit langen Aufsätzen zur Verzweiflung brachte. Mit zwölf Jahren begann sie, Gedichte zu schreiben und gewann mit dem Titel «Die Nacht des Grauens» ihren ersten Preis. Mord und Totschlag blieben ihr Hauptthema und der Emons-Verlag, der ihre Bücher herausgibt, erwartet in jedem Krimi mindestens eine Leiche. Geradezu Luxus hat sie mit ihrem Manuskript-Kritiker, ihrem Ehemann, der während dem Anhören die Wäsche bügelt.

Theatralische Stilmittel
Angekündigt war ja eine szenische Lesung, trotzdem herrschte kurz Verwirrung im Publikum, als ein Telefon klingelte und Silvia Götschi meinte, das sei ihr nun sehr peinlich, dass das ihres sei. Als sie sich aber mit Valérie Lehmann meldete – so heisst eine ihrer Krimi-Polizistinnen – und um Aufklärung eines Mordes in Niederwil gebeten wurde, kam aufgeregte Stimmung auf. Zur Tatortsicherung und Festnahme des Täters wurden Protagonisten aus dem Publikum hinzugezogen, die ihre Rollen mit Bravour spielten. Zur allgemeinen Erheiterung trug bei, dass die «Polizistin» vorschlug, die Handschellen der Täterin aufzuschiessen, da der Schlüssel vermeintlich verlorengegangen war. Nebst den Regionalkrimis schreibt Silvia Götschi auch andere Bücher, so beispielsweise «111 Orte, die man gesehen haben muss» oder den soeben erschienenen Krimi «Auf der schwarzen Liste des Himmels», aus dem sie noch vorliest. Das Publikum dankte mit grossem Applaus und Susanne Maggisano von der Bibliothek Niederwil übergab ihr mit Dankesworten einen Honig aus der Region.
Die Bücher der Bestsellerautorin können in den Bibliotheken Mellingen und Niederwil ausgeliehen werden.
Martina Wagner

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