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Fischzüchter will 4 Millionen Franken

Fr, 11. Jun. 2021

Sechs Jahre nach der Tragödie an der «Forellenquelle» kommt der Fall endlich vor Gericht

Weil Dreck und Gift von der Autobahnbaustelle in seine Fischzucht gelangten, musste Roman Hufschmid 7000 Fische töten und entsorgen. Das war 2015. Ein Massaker. Eine Katastrophe. Gestern ging es vor dem Bezirksgericht Baden neben der Schuldfrage auch um Schadensersatz in Höhe von gut 4 Millionen Franken.

Der Fall sorgte 2015 schweizweit für Schlagzeilen. Mit Tränen in den Augen musste Fischzüchter Roman Hufschmid tausende Forellen, Karpfen und Saiblinge töten und danach entsorgen. Besonders schlimm an der Sache: Die verletzten Fische mussten teilweise bis zu einer Woche vor sich hin vegetieren, bis endlich die Bestätigung kam, diese mit Stromstössen töten zu dürfen. Es war eine schlimme Zeit. Insgesamt 5384 Kilogramm «Fischabfall» verzeichnete der amtliche Wägebericht am Ende.

Verätzte Fische
Die Fische zeigten Verletzungen am Körper auf, die wie Verätzungen aussahen. In den Fischmägen fanden sich Zementpartikel in rauen Mengen. Die Gehwege zwischen den Fischbecken waren weiss gepudert, genauso wie die Sträucher und Pflanzen an den Steilhängen. Eine von Hufschmid in Auftrag gegebene Laborprobe ergab einen Nitritgehalt im Wasser, der 100mal höher war als erlaubt. Auch von Silizium, Kalzium und Schwermetallen fanden sich hohe Werte. Die Fischzucht blieb daraufhin für mehrere Jahre unbenutzbar. Bis Hufschmid sie auf eigene Kosten sanieren liess.
Damals überboten sich die Beteiligten zunächst mit wohlmeinenden Worten. Eine Sprecherin des Bundesamts für Strassen Astra, immerhin Bauherrin der Sanierung der Autobahnbrücke, äusserte gegenüber «Schweiz aktuell» vom Fernsehen SRF ihr Bedauern: «Es ist ein Fehler passiert.» Nun untersuche man den Fall, um herauszufinden, wer dafür verantwortlich war. Kaum war das Rampenlicht erloschen, verdünnisierte sich das Astra jedoch und wies jede Schuld von sich. Die beteiligten Baufirmen – insgesamt 13 an der Zahl – und sieben Versicherungen versuchten danach, sich gegenseitig den Schwarzen Peter zuzuschieben. Keine besonders gute Figur machte die Badener Staatsanwaltschaft. Sie ermittelte gegen sechs Mitarbeiter der Baufirmen. Vier Verfahren wollte sie einstellen, weil es angeblich nicht möglich gewesen sei, die Schuldfrage zu klären. Roman Hufschmid aber blieb hartnäckig. Legte vor dem Obergericht Beschwerde ein. Welches der Staatsanwaltschaft zumindest in einem Fall eins auf den Deckel gab. Auch wechselte er seinen Anwalt, weil er seine Interessen nicht genügend vertreten sah.

Unterlassene Kontrollpflicht
So dass gestern, sechs Jahre nach dem Vorfall, vor dem Bezirksgericht Baden erstmals drei Beschuldigte angeklagt wurden: ein Geschäftsführer, ein Abteilungsleiter und ein Bauführer. Sie alle waren bei der für das Gerüst der Autobahn-Sanierung verantwortlichen Baufirma Leuthard Bau AG aus Merenschwand angestellt. Sie hätten bei Kontrollen feststellen müssen, dass die Kunststofffolie des Gerüsts undicht war, sagt die Staatsanwaltschaft. Auch müssen sie gewusst haben, dass ein sensibles Gebiet unter der Autobahn liegt. Und fordert darum eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 350 Fr., bedingt auf zwei Jahre, und eine Busse von 4500 Fr. von den Beschuldigten.
Daneben wird die Forderung nach Schadenersatz verhandelt. Roman Hufschmid verlangt total 4,049 Mio. Franken. Darin enthalten sind nicht nur die Kosten für die Reinigung der Fischzucht. Es geht auch um den Schaden aus dem entgangenen Gewinn durch den Verkauf der Fische. Bisher sind lediglich 150 000 Fr. geflossen – von denen Hufschmid aber nach erfolgter Schuldzuweisung 120 000 Fr. zurückzahlen muss. Was Roman Hufschmid besonders schlimm findet: «Bis jetzt gab es keine Entschuldigung von der Baufirma. Und deren Mobiliar-Versicherung ist nicht mal zu einem Augenschein gekommen.»
Bis Redaktionsschluss stand das Ergebnis der Gerichtsverhandlung noch nicht fest. Mehr dazu in der kommenden Ausgabe des «Reussbote».

Stefan Böker

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