banner

Wenn es finster ist, scheint jeder Weg zu weit

Di, 12. Okt. 2021

Fussball, 2. Liga: Nach einer 1:10-Klatsche in Oftringen grüsst der FC Niederwil vom letzten Tabellenplatz. Jetzt kann es nur noch aufwärts gehen

Was will man nach einer 1:10- Klatsche sagen? «Wenn es finster ist, scheint jeder Weg zu weit», sagt ein chinesisches Sprichwort. Für die Niederwiler Fussballer der 1. Mannschaft scheint dieser Weg zurzeit tatsächlich Lichtjahre lang.

Simon Zimmermann kam mit seiner Familie erst nach der ersten Halbzeit. Was er sah, konnte ihm nicht gefallen. «Was ist hier los?», fragte der Niederwiler Stammgoalie, nachdem er in der 56. Minute Zeuge des 0:5 geworden war? Er musste sich vom langjährigen Niederwiler Spieler Peter Stauber, der ebenfalls mit Frau und Kindern nach Oftringen gekommen war, erklären lassen, was bis dahin geschehen war. Ein furioser Start der Niederwiler, die in den Anfangsminuten ein offensives Feuerwerk abbrannten. Die Platzherren konnten sich bei den Niederwilern bedanken, dass sie aus den besten Chancen keinen Treffer zustande brachten. Ganz anders die Oftringer, die nach sechs Spielminuten für etwas Entlastung sorgten und mit Dominik Sieber ihren besten Skorer mit einem feinen Pässchen in den freien Raum losschickten. Raphael Ott im Tor hatte keine Chance. Worauf die Niederwiler mit Vehemenz den schnellen Ausgleich suchten. Doch das Anfangsfeuerwerk war erloschen. Es sollte sich nicht wieder entfachen. Wie es geht, machen die Oftringer in der 15. Minute vor. Die Niederwiler im Vorwärtsgang. Ballverlust. Konter. Ein Pässchen auf wen? Auf Dominik Sieber, der allein losziehen kann und den bedauernswerten Patrick Ott mit einem Lupfer überspielt.

Tore fallen wie reife Zwetschgen
«Im Dunkeln erst wird klar, wie schön das helle Licht sein kann», besagt ein anderes chinesisches Sprichwort.
Erneut die Niederwiler: Viel Kampf, viel Laufarbeit. Aber auch viele Ballverluste. Und dazu ein unnötiges Foul von Sportchef Martin Bräuer an der Strafraumecke. Ein Freistoss über die Mauer. Ott kann nur noch hinterher schauen. Toreschiessen im Herbst in Oftringen: Die Treffer fallen wie reife Zwetschgen. Das einzige Tor der Niederwiler von Kapitän Luca Angst, der sich nicht so einfach geschlagen geben will, ist ein kleiner Lichtblick. Frei nach einem weiteren chinesischen Sprichwort: «Wo viel Schatten ist, muss viel Licht verborgen sein.» Luca Angsts Licht allein war zu wenig. Das Niederwiler Trainertandem Gino Saporito und Reto Salm bringt von der Bank, was es hat. Ohne Wirkung. Im Gegenteil. Als man glaubt, das Licht werde für die Gäste etwas mehr, wird es in der strahlenden Herbstsonne vollends dunkel auf Niederwiler Seite. Der FC Niederwil am absoluten Tiefpunkt. Ein Offenbahrungseid. Das Feuer erloschen. Luca Angsts Anfeuerungsrufe verhallen ungehört im Maisfeld nebenan.

«Vielleicht entsteht etwas Neues»
Gino Saporito versinkt neben der Spielerbank und Reto Salm starrt fassungslos ins Leere. Die beiden bleiben nach dem Spiel lange auf der Spielerbank sitzen. Was es da wohl zu diskutieren gibt? Peter Stauber, der mit dem verletzten Mittelfeldrenner Noah Schwegler und Goalie Simi Zimmermann diskutiert, sagt zu seinen Kollegen: «Jetzt zeigt sich, wer kämpfen und sich wieder aufraffen kann.»
In der Tat empfiehlt sich der Spruch fürs Phrasenschwein: «Hinfallen ist keine Schande. Eine Schande ist nur, wenn man liegenbleibt.» Peter Stauber murmelt geradezu philosophisch vor sich hin: «Vielleicht entsteht auf den Trümmern etwas Neues.»
Tatsächlich gibt es auch für ein 10:1 nur drei Punkte. Nobi Schneider, Trainer des aktuell sehr erfolgreichen Aufsteigers FC Brugg, der Niederwil als nächsten Gegner in Oftringen inspiziert, warnt schon jetzt. Denn nächsten Samstag müssen die Brugger in Niederwil ran. Bekanntlich sind angeschossene Tiger besonders gefährlich. «Das wird für uns ein ganz schweres Spiel», sagt der Brugger Trainer. «Niederwil ist nicht so schlecht, wie es das Resultat vermuten lässt. Oftringen hatte in der ersten Halbzeit fünf Chancen und machte daraus vier Tore. Die Niederwiler hatten zuerst drei Chancen und machten keines. Wer weiss wie das Spiel sonst rausgekommen wäre?»

«… ohne Laufen ist alles nichts …»
Solche positiven Details sind es, die Niederwil am Leben halten müssen. Lange über die Schlappe nachzugrübeln ist nur Energieverlust. Tempi passati. Nach vorne schauen. Gut regenerieren. Und jeder einzelne Spieler sollte sich fragen, ob er bereit ist, im nächsten Spiel zu Hause wieder Gras zu fressen und für den Mitspieler einen Extrameter zu rennen. Denn wie sagt Nobi Schneider, die Aargauer Trainerlegende so schön? «Laufen ist nicht alles, aber ohne Laufen ist alles nichts.»

Beat Gomes

Ganzer Artikel ist nur für Abonnenten verfügbar.
Kategorie: 

Stellenangebote

Immobilienangebote

Kommende Events

Weitere Angebote

Trending

1

Doppelzweig für Jungschwinger Raphael Schreiber aus Mägenwil

Ein später Nachtrag aus der Schwingerszene. Der 17-jährige Mägenwiler Schwinger Raphael Schreiber (rechts im Bild) gewann Ende August am Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag (ENST) einen Doppelzweig.
Der Jungschwinger vom Schwingklub Baden-Brugg konnte sich dank Top-Leistungen in diesem Jahr für den alle drei Jahre stattfindenen Höhepunkt der Jungschwinger qualifizieren.
Schreiber Raphael, wie man es im Schwingerjargon sagt, landete bei den Schwingern mit Jahrgang 2…