Shimeon Balmer arbeitet als Prozess Architekt bei Swisscom und amtet als Co-Präsident der Die Mitte-Ortspartei in Niederwil-Nesselnbach. Er ist ausserdem Mitglied der kantonalen Schiesskommission für die Bezirke Muri und Bremgarten.
Die alte Eidgenossenschaft war ein ...
Shimeon Balmer arbeitet als Prozess Architekt bei Swisscom und amtet als Co-Präsident der Die Mitte-Ortspartei in Niederwil-Nesselnbach. Er ist ausserdem Mitglied der kantonalen Schiesskommission für die Bezirke Muri und Bremgarten.
Die alte Eidgenossenschaft war ein aristokratisches Herrschaftssystem, und mit diesem Wissen sollten wir all die euphorischen und patriotischen 1.-August-Ansprachen hinunterspülen. Dass wir seit 1291 ein geeintes Volk seien, ist ein beliebtes Märchen. Erst seit 1803 sind wir Staatsbürger mit gleichen Rechten. Wer aus dem Freiamt oder Baden kam, war kein Schweizer im Sinne der alten Eidgenossenschaft, sondern einfach nur ein Untertan.
Dann kamen die Franzosen. 1798 marschierten sie ein, nicht als Befreier, sondern als Eroberer. Sie stürzten die mächtigen Patrizierfamilien in Zürich, Bern und Luzern – jene oligarchischen Geschlechter, die jahrhundertelang über Stadt und Land geherrscht hatten – weil Paris keine feindliche Grenze am Jura duldete. Die Helvetische Republik war keine demokratische Revolution aus Eigenantrieb, sondern eine aufgezwungene Reform. Doch diese Reform brachte uns mehr Freiheit, als die vorherigen Machthaber «ihrem» Volk je gewähren wollten.
Die Mediationsakte von 1803 bestätigte den Aargau als Vollkanton. Der Aargau, der Thurgau, das Tessin … und weitere Kantone existieren seither als Staatseinheit, und die moderne Schweiz steht nach wie vor genau auf diesem Fundament. Die Bundesverfassung von 1848 knüpft an eben diese Reform an und nicht an die Legende von 1291.
Man wird hoffentlich auch noch in 100 Jahren die schöne Geschichte von Wilhelm Tell, aus der Feder von Friedrich Schiller, und der gewonnenen Freiheit durch den Schwur auf dem hohen Rütli erzählen. Doch unsere Freiheit stammt aus einer Zeit, in der Fremde uns «ihre» Verfassung aufzwangen. Wir erhielten dadurch Pressefreiheit, Gewerbefreiheit, Religionsgleichheit … alles «Importe» aus dem revolutionären Paris, aufgezwungen mit Bajonetten und Musketen.
Der Überfall war brutal, die Reformen aber notwendig. Natürlich war das kein Akt der Menschlichkeit. Napoleon handelte machbesessen, seine Truppen plünderten und brandschatzten. Aber offenbar führte unser Weg zur Freiheit über diesen Umweg. Wir können heute stolz auf unseren Föderalismus, unser Zweikammersystem und unsere direkte Demokratie sein. Also ja: Feiern wir den Nationalfeiertag und feiern wir, dass 1798 etwas zerstört wurde, was längst überfällig war. Der Aargau ist ein Kind der Helvetik, die Schweiz ein Kind der Mediation. 1291 ist eine liebevolle Legende, aber erst seit 1848 funktioniert unser helvetisches Erfolgsmodell.