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GASTKOLUMNE

Di, 23. Jun. 2020

Ruth Humbel aus Birmenstorf vertritt die CVP seit 2003 im Nationalrat. Sie ist mit Beat Näf verheiratet und Mutter zweier erwachsener Kinder. Zu ihren Hobbys gehören nebst Orientierungslaufen, Skifahren und Langlauf.

Dubler – Sieger oder Verlierer in einem Schwarzpeterspiel?

Spiele – sie gehören zur Kultur. Wohl noch nie in der Geschichte hatten sie einen solchen Einfluss. Milliarden spielen Videogames: Minecraft, League of Legendes, Pokémon 2, Ego-Shooter-Spiele, Erotik-Games. Kultur oder Unkultur? Zivilisiert oder barbarisch? Wenn nach dem Wert von Spielen und Sport gefragt wird, erhält man sicher vor allem Likes, heute auch zunehmend bei Videogames. All das gilt als Kultur. Wie aber ist das beim Schwarzpeterspiel? Da scheint es auf einmal anders zu sein. Das Spiel ist ins Visier der Rassismuskritik gerückt. In diesem Spiel hat es nämlich einen schwarzen Peter! Und das geht nicht mehr.
Trotzdem, Schwarzpeter wird weitergespielt. Auch im übertragenen Sinne: In jeder Gesellschaft ist es ja so, dass jemandem der «schwarze Peter» zugeschoben wird. Unlängst hat ihn Robert Dubler aus Waltenschwil bekommen. Er soll seine «Mohrenköpfe» umbenennen: «Schoggiküsse» etwa, oder einfach: «Dubler». Sonst wirft man seine Produkte aus dem Sortiment von Verkaufsläden. «Esch doch en Dubel, de Dubler», sagen manche, und: «jetz esch er de Neger.» Doch nicht alle sind dieser Meinung und kaufen erst recht seine Mohrenköpfe.
«Black Lives Matter» – so der Slogan der jüngsten Protestbewegung gegen Rassismus und Gewalt: Der Mohrenkopf hat auch eine Art Leben. Seit dem Mittelalter spielt er als positives Symbol eine Rolle in der durch Religion geprägten Alltagskultur. Er steht für den heiligen Mauritius, einen Schwarzen. Im Aargau findet man ihn so in den Gemeindewappen von Mandach und Möriken. Für viele Schwarze, die in unser Land gekommen sind, ist er etwas, das sie anzieht, so für Maurice Sessou aus dem westafrikanischen Staat Benin. Er kommt aus der Voodoo-Kultur. Dort ist der Ahnenkult wichtig. Deshalb interessiert ihn das Verhältnis des Heute zu früheren Zeiten. Mauritius, so sagt er, hilft ihm beim Verstehen. Er ist in die Abtei Saint-Maurice eingetreten. Bei uns leben und arbeiten weitere Menschen aus Westafrika. Für manche von ihnen ist der schwarze Mauritius ein Trost, wenn sie Ärger bei der Arbeit haben, so in einem Altersheim, wo manche Alte nicht von schwarzen Ausländern betreut werden wollen. Solches Verhalten ist nicht akzeptabel. Als Gesellschaft haben wir dafür zu sorgen, dass die Hautfarbe keine Rolle spielt und alle Menschen mit gleichem Respekt behandelt werden. Darüber müssen wir diskutieren und nicht über Mohrenköpfe.

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