Baden in der Reuss – die Sicherheit geht vor
14.07.2020 Region Reusstal«Boote nie zusammenbinden!», sagt SLRG-Experte Martin Burkart. Auch einige andere Risiken und Gefahren muss kennen, wer in der Reuss schwimmend oder mit dem Boot unterwegs ist.
Die Mutter aus Künten sitzt am Reussufer beim Campingplatz Sulz, bei der kleinen, öffentlichen ...
«Boote nie zusammenbinden!», sagt SLRG-Experte Martin Burkart. Auch einige andere Risiken und Gefahren muss kennen, wer in der Reuss schwimmend oder mit dem Boot unterwegs ist.
Die Mutter aus Künten sitzt am Reussufer beim Campingplatz Sulz, bei der kleinen, öffentlichen Badebucht. Sie lässt ihre beiden Töchter – die Vierjährige, die am Ufer im Sand spielt, und die Zehnjährige im Wasser – nicht aus den Augen. Das ältere Mädchen kann gut schwimmen, es darf ein bisschen weiter ins Wasser: «Aber nicht bis zur Strömung!» Die Mutter weiss, dass baden in offenen Gewässern und besonders im Fluss gefährlich ist. Sie meint aber, besser als das Baden im Fluss zu verbieten, sei es, den Kindern und Jugendlichen die Gefahren zu erklären, sie zu sensibilisieren.
Wo Gefahren für Schwimmer lauern
Klar ist, beim Bad im Fluss lauern zahlreiche Gefahren. Die Kenntnis darüber und das richtige Verhalten können immerhin mithelfen, Unfälle zu verhindern. Martin Burkart, SLRG-Präsident Freiamt-Reusstal und Bademeister, spricht Klartext. Zu beachten sind auf jeden Fall die verschiedenen Baderegeln der SLRG (siehe Kasten). Burkart kann einige dieser Regeln nicht genug wiederholen und betonen: «Die Flussstrecke muss man ablaufen, bevor man drin schwimmt.» Pfeiler, Verbauungen, Seitenmündungen, auch Strömungen und mögliche Ausstiegstellen müssen bekannt sein. Bekannt sein müssen auch Flusstafeln, die auf Gefahren bei Brücken, Mündungen oder Wehren hinweisen. Von Pfeilern oder Verbauungen sollte man so weit wie möglich weg bleiben: Dort ist die Strömung viel stärker, Wirbel können sich bilden, Wasserwalzen, auch Widerwasser, wo das Wasser zurückströmt statt weiter in Flussrichtung zu fliessen. Solche Phänomene bei Verbauungen und Hindernissen stellen selbst gute und geübte Schwimmer im Wasser vor Herausforderungen, aus denen sie sich ohne Hilfe kaum befreien können. Gefährlich ist es auch, kopfvoran von einer Brücke zu springen. Felsen, Baumstümpfe, Äste oder auch Treibgut sind oft nicht sichtbar.
«Boote nie zusammenbinden!»
Wer im Boot auf der Reuss unterwegs ist, sollte zusätzliche Vorsichtsmassnahmen beachten. Für Martin Burkart ist ganz klar, dass jedes Kind in einem Boot eine Schwimmweste trägt: «Das ist Pflicht, ein ungeschriebenes Gesetz – die SLRG propagiert das!» Wenn die SLRG selber im Boot auf dem Fluss unterwegs sei, würden ausnahmslos alle eine Schwimmweste tragen, auch Erwachsene, auch geübte Schwimmer, sagt Burkart. Und auch Neoprenschuhe oder andere geeignete Wasserschuhe empfiehlt der SLRG-Experte. Glasscherben, spitze Steine, Muschelkanten, überall kann man sich verletzen und beim Ein- oder Aussteigen aus dem Boot den sicheren Stand im Wasser verlieren.
«Boote nie zusammenbinden!», betont er schliesslich mit Nachdruck. Man sehe das immer wieder: Zum Beispiel ein kleines Boot mit Kindern, angebunden an das grosse Boot der Erwachsenen. Sobald die zusammengebundenen Boote aber einen Brückenpfeiler oder ein anderes Hindernis auf verschiedenen Seiten passieren, bleiben sie mit dem Seil am Pfeiler hängen. «Sie kommen nicht mehr weg», sagt Burkart. In der starken Strömung drohen die Boote an solchen Stellen zu kippen und zu kentern.
Zurück zum Campingplatz Sulz. Dort lassen sich eine Frau und zwei Jugendliche in der Reuss treiben und steigen dann in der Bucht aus dem Wasser – alle drei haben Schwimmwesten an. «Super, vorbildlich!», lobt Martin Burkart, als er davon hört.
Heidi Hess


