Begleite Menschen in allen Lebensphasen

Fr, 21. Aug. 2020

Nach Wanderjahren in Sibirien, Südafrika und den USA ist Nadine Karnitz als Pfarrerin am Rohrdorferberg mit den Kirchgemeinden Mellingen, Rohrdorf und Fislisbach angekommen. Am neuen Arbeitsort schätzt sie das Pfarr-Team und den persönlichen Kontakt zu den Gottesdienst-Besuchern. Diesen vermisste sie während des Lockdowns trotz Livestream.

Sie ist kein unbekanntes Blatt für die Kirche Rohrdorferberg. Bereits im Vorjahr übernahm Nadine Karnitz (43) die Vertretung der vakanten Pfarrstelle. Die Kirchgemeinde gefiel ihr auf Anhieb. Als dann im Laufe der Vertretung möglich wurde, sich für ein 40-Prozent-Pensum zur Wahl zu stellen, war dies ein grosser Glücksfall für sie – ja, eine Fügung von oben. Seit elf Jahren ist sie zusammen mit ihrem Mann Jan Karnitz als Pfarrehepaar in Schinznach-Dorf tätig. Da die Pfarrstelle gekürzt wurde, passte das Stellenangebot der Kirchgemeinde Mellingen, Rohrdorf und Fislisbach perfekt. An ihrem Beruf gefällt ihr der Facettenreichtum, Menschen in allen Lebensphasen, von der Geburt bis zum Tod, zu begleiten.

Gottesdienste und Seelsorge
Zum neuen Aufgabenbereich von Karnitz gehören vor allem die Leitung von Gottesdiensten und die Seelsorge. «Die Kirchgemeinde ist lebendig und es ist eine grosse Freude, miteinander Gottesdienst zu feiern. Es hat aber immer noch freie Plätze in der Kirche und so sind stets neue Leute willkommen», sagt sie. Gerade während des Lockdowns, als keine Gottesdienste stattfanden, sei vielen Menschen wieder bewusst geworden, wie wertvoll diese seien. Während dieser Zeit wurde ein Livesream eingerichtet. Das Angebot wurde rege genutzt und wird auch nach der Lockerung weitergeführt. Trotzdem ist Karnitz überzeugt, dass dies ein bereicherndes Zusatzangebot ist. Gottesdienste in der Kirche mit der Gemeinschaft können dadurch aber nicht ersetzt werden. Der anschliessende Kirchen-Kaffee fördert zudem den Ausstausch unter den Kirchgängern. «Mir ist nach dem Lockdown noch mehr bewusst geworden, was mir das Feiern des Gottesdienstes bedeutet», sagt sie.

Stationen in den USA und Sibirien
Nadine Karnitz ist der Kontakt zu Menschen wichtig. Bevor sie sich entschied Pfarrerin zu werden, war Physiotherapeutin eine Option. Hier wäre ihre Freude an Bewegung zum Zuge gekommen. Sie joggt bis heute gerne in der Natur als Ausgleich zum Beruf. Der Entschluss, Theologie zu studieren, reifte während eines Auslandjahres in Südafrika. Der Wunsch, Menschen in verschiedenen Lebenslagen zu begleiten und ihnen aufzuzeigen, dass Gott im Leben ein wichtiger Begleiter ist, gaben den Ausschlag. Während des Studiums lernte sie ihren Mann kennen. Nach einem kurzen Abstecher nach Südafrika gingen sie zusammen für ein Vikariat nach Tacoma, in der Nähe von Seattle. «Die Gemeinde dort war sehr lebendig und die Leute waren für die Kirche sehr engagiert», sagt sie. Zurück in Deutschland bewarben sie sich bei der Mission Hermannsburg für einen Einsatz in Südafrika. Statt nach Südafrika ging es dann allerdings in die sibirische Stadt Krasnojarsk. Während fast drei Jahren waren sie vor Ort und lebten in der Millionenstadt in einem Plattenbau. Sie waren nicht nur für die Kirchengemeinde in der Stadt, sondern auch für viele Dörfer, in einem Einzugsgebiet so gross wie die Schweiz, zuständig. Bewegend fand Karnitz die oftmals tragischen und leidvollen Biografien der Menschen, die von Krieg und Verlust geprägt waren. Zu schaffen machte ihnen, dass sie keine dauerhafte Aufenthaltsbewilligung erhielten.

Schweiz als neue Heimat gefunden
Zurück in ihrer Heimat hiess es, sich neu zu orientieren. In ihrer Landeskirche in Deutschland gab es damals noch genug Pfarrer und Pfarrerinnen – freie Kirchgemeinden waren rar. Die USA waren eine Option. Bekannte machten sie darauf aufmerksam, dass in der Schweiz Pfarrermangel herrsche. Sie bewarben sich auf verschiedene offene Stellen. Unter anderem in Kandersteg, Chur und Schinznach-Dorf. Die Schnellste war die Kirchenpflege in Schinznach-Dorf. Als sie vor Ort waren, passte alles. Vor elf Jahren traten sie und ihr Mann die Stelle an. Diesen Entscheid haben sie nie bereut. Der Arbeitsweg von ihrem Wohnort, Schinznach-Dorf, zu ihrer neuen Arbeitsstelle am Rohrdorferberg sei gut. Dies trotz verschiedener Baustellen in Birrhard und Niederrohrdorf. Zwei bis drei Mal pro Woche ist sie auf dem Pfarramt vor Ort. Ihr Wunsch ist es, die Seelsorge und den Kontakt zu den Kirchenmitgliedern weiter auszubauen. Spannend findet sie, nebst der Teilgemeinde Rohrdorf, auch die Gesamtkirchengemeinde im Blick zu haben. «Man kann sich bei uns jederzeit für ein Gespräch melden. Wir wollen, dass die Kirche lebt und wir möchten für die Menschen da sein.» Zusätzlich ist sie auch als Aushilfe in der Spitalseelsorge des Kantonspitals Aarau und Baden vertreten. Nadine Karnitz sagt: «Die Wanderjahre sind definitiv vorbei. Es sind wertvolle Erinnerungen und prägende Erfahrungen. Nun bin ich sesshaft geworden.»

Debora Gattlen

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