Alter Zopf oder wichtige Lobby?

Di, 15. Sep. 2020

Podium in der Zähnteschüür diskutierte über die Abschaffung der Schulpflege

Ende September wird über die Neuorganisation der Führungsstrukturen an den Volksschulen im Kanton Aargau abgestimmt. Es geht um die Abschaffung der Schulpflegen.

Am 27. September geht es um einen Eingriff in bestehende und demokratische Strukturen im Aargau – es geht um die Abschaffung der Schulpflegen. Die Stimmberechtigten haben über zwei Vorlagen abzustimmen. Weil in der Verfassung das Wort Schulpflege steht, geht es um eine Verfassungsänderung. Die zweite Vorlage beinhaltet ein Paket mit mehreren Anpassungen. Zentral darin ist die Abschaffung der Schulpflege. Soll die strategische Führung an den Gemeinderat übergehen? Das Parlament stimmte der Abschaffung der Schulpflege mit grossem Mehr zu. Nun kann sich die Bevölkerung dazu äussern.
In der Zähnteschüür in Oberrohrdorf diskutierten unter der Leitung von Hans Fahrländer vom Pro-Lager Jürg Baur und Ruth Müri sowie von den Gegnern Colette Basler und Christoph Zehnder. Alle sind sie mit der Schule eng verbunden. Basler, Baur und Müri sind zudem in der grossrätlichen Bildungskommission. Zehnder ist in Oberrohrdorf Schulleiter.

Unterschiedliche Auffassungen
Die Meinungen, ob es im Aargau in den Gemeinden noch eine Schulpflege braucht, sind in den verschiedenen politischen Lagern gespalten. Sogar an der Schule gibt es unterschiedliche Auffassungen. Das zeigt das Podium – mit Jürg Baur (pro) und Christoph Zehnder (kontra) sind sogar zwei Schulleiter unterschiedlicher Meinung. Auffallend ist, so Moderator Fahrländer, dass beide Lager mit dem Begriff Demokratie operieren. Eine Abschaffung der Schulpflege ist für Colette Basler auch mit einem Abbau der Demokratie verbunden. «Wir nehmen den Leuten etwas weg und können die Schulpflege nicht mehr wählen.» Ruth Müri widerspricht, sie argumentiert, dass der Gemeinderat ja auch vom Volk gewählt sei und die Bürger sich an der Gmeind zu Schulthemen äussern können. Mitnichten also kein Abbau der Demokratie. «Doch», kontert Müri. «Wir wählen einen Gemeinderat und wissen noch nicht, wem das Ressort Schule zufällt.»

Keine Sonderstellung
Für Jürg Baur rechtfertigt sich keine Sonderstellung der Schule. «Zudem haben wir eine professionelle Schulleitung». Die Aufgaben der Schulpflege habe sich mit der Einführung der Schulleitung grundlegend geändert. Zehnder wehrt sich gegen die Abschaffung: «Die Schule ist weit mehr als eine Abteilung, wie zum Beispiel die Abwasserbeseitigung oder die Wasserversorgung. Ich erlebe die Schulpflege als Lobby, die für unsere Schule einsteht. Das wird nachher fehlen», so Zehnder. Der Oberrohrdorfer Schulleiter nannte mit der Schliessung der Volksschule wegen Corona ein Beispiel. «Wir haben sofort eine Taskforce gebildet, in der die Schulpflege mitgezogen hat. Vor allem für kleinere Schulen ist die Schulpflege eine grosse Hilfe», so Zehnder.
Das Podium diskutierte auch den finanziellen Aspekt der Vorlage. Das Einsetzen von Experten und Kommissionen werde teurer als bisher, prophezeit Zehnder. Der Oberrohrdorfer Schulleiter möchte Konstanz für die Schule und die Schulleiter. Baur hingegen sieht in der Einsetzung von Kommissionen einen Vorteil. «Ich kann diese so lange einsetzen, wie es nötig ist.» Basler wies auf den ausgetrockneten Markt der Schulleiter hin und erwähnte, dass mit der Abschaffung der Schulpflege keine Garantie bestünde, dass es besser werde.
Nach einer Stunde öffnete Hans Fahrländer das Podium und ging zur Fragerunde über. Einig waren sich am Schluss dann alle. Viel wichtiger als die Vorlage selbst sei das Wohl der Schülerinnen und Schüler und das sei mit oder ohne Schulpflege möglich, fasste ein Votant am Schluss des Podiums zusammen.

Benedikt Nüssli

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