Ansichten zu Dorfzentrum und zu Sparpotenzial
04.09.2020 Oberrohrdorf-Staretschwil, Region RohrdorferbergEine Personalfachfrau, eine Kommunikationsspezialistin und ein Geophysiker kandidieren für die Ersatzwahlen im Gemeinderat
Im Gemeinderat wird nach dem Rücktritt von Ammann Kurt Scherer ein Sitz frei. Dafür interessieren sich zwei Frauen und ein Mann.
Am 27. September ...
Eine Personalfachfrau, eine Kommunikationsspezialistin und ein Geophysiker kandidieren für die Ersatzwahlen im Gemeinderat
Im Gemeinderat wird nach dem Rücktritt von Ammann Kurt Scherer ein Sitz frei. Dafür interessieren sich zwei Frauen und ein Mann.
Am 27. September haben die Oberrohrdorfer die Wahl: Aus drei Kandidierenden bestimmen sie, wer künftig im Gemeinderat arbeiten wird. Severine Jegge (CVP) arbeitet als Personalfachfrau, Angela Kaiser-Michel (parteilos) ist Kommunikationsspezialistin und Thomas Schneider (FDP) Geophysiker. Der «Reussbote» will wissen, was sie an der Arbeit in der Exekutive reizt und wie sich ihr Dorf entwickeln soll. Im ersten Wahlgang können alle Stimmberechtigten der Gemeinde Stimmen erhalten.
Warum eignen Sie sich besonders für dieses Amt?
Severine Jegge, 1973
Ich wohne mit meiner Familie seit 14 Jahren in Oberrohrdorf und bin seit fünf Jahren Mitglied der Schulpflege, wo ich zuerst für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig war und seit drei Jahren das Ressort Personelles und Rechtsfragen innehabe. Ich kenne also die Arbeit in einer Behörde und bin es gewohnt, im Gremium zu diskutieren, Entscheide zu treffen und eine gemeinsam beschlossene Meinung gegen aussen zu vertreten. Zudem konnte ich wertvolle Erfahrungen in meinem Beruf als Personalfachfrau und in meiner früheren Vorstands- und Kommissionstätigkeit sammeln.
Angela Kaiser-Michel, 1984
Weil ich offen, ehrlich, weitsichtig und umsetzungsstark, sowie sensibel für die Anliegen meiner Mitmenschen bin. Während meines fächerübergreifenden Studiums (Kommunikation, Politik, Betriebswirtschaft) und meiner langjährigen Berufstätigkeit eignete ich mir die Fähigkeiten interdisziplinär zu denken und neues Wissen schnell aufzunehmen an. Beruflich bringe ich viel Erfahrung in den Bereichen Marketing, Verkauf sowie Strategieentwicklung mit. Am wichtigsten aber: Ich freue mich darauf, in unser schönes Zuhause Zeit und Energie zu investieren.
Thomas Schneider, 1962
Durch meine Engagements in Oberrohrdorf (zum Beispiel Schulpflege, Begleitgruppe Revision BNO) und in der Region (zum Beispiel Chef des Regionalen Führungsorgans Reusstal-Rohrdorferberg) bringe ich die notwendige Erfahrung mit. Ich weiss, was mich erwarten würde. Weiter bin ich über unsere Gemeinde hinaus mit Behörden und Verbänden gut vernetzt. Dies ist bei den vielen regional oder auf Bezirksebene zu lösenden Themen ein grosser Vorteil. Ausserdem habe ich das Privileg, 2022 in Pension gehen zu können, was mir die nötigen zeitlichen Freiräume für das Amt schafft.
Warum liegt Ihnen Oberrohrdorf am Herzen? Wo sehen Sie in dieser Gemeinde Optimierungspotenzial?
Severine Jegge
Oberrohrdorf ist ein attraktives Dorf und bietet dank bevorzugter Lage eine hohe Wohn- und Lebensqualität. Das Dorf verfügt über Einkaufs- und kulturelle Möglichkeiten, Restaurants, ein reges Vereinsleben, eine gut aufgestellte und innovative Schule und flexible ausserschulische Betreuungsmöglichkeiten. Ich werde mich dafür einsetzen, dass sich Oberrohrdorf in dieser Vielfalt weiterentwickelt, um den Einwohnern weiterhin eine hohe Qualität zu bieten und auch junge Familien anzuziehen.
Angela Kaiser-Michel
Oberrohrdorf war nicht nur während meiner ganzen Kindheit mein Zuhause, sondern ist auch jetzt, da ich selbst Kinder habe, meine Wahlheimat. Oberrohrdorf bietet viel Lebens- und Wohnqualität, ich habe mich hier immer sehr wohl gefühlt und freue mich auf viele weitere schöne Jahre mit meiner Familie hier. Daher ist es mir ein Anliegen und eine Freude, mich in unsere Dorfgemeinschaft aktiv einzubringen und ihre Zukunft mitzugestalten.
Thomas Schneider
Oberrohrdorf ist seit über 30 Jahren mein Zuhause. Meine Frau und ich fühlen uns hier sehr wohl und unsere Kinder durften in einem grossartigen Umfeld aufwachsen. Ich möchte also nicht «alles anders machen». Mein Fokus liegt vielmehr darauf, trotz immer anspruchsvollerer Rahmenbedingungen, Oberrohrdorf als attraktiven Wohn- und Lebensraum für alle Altersgruppen zu erhalten.
Was kann Oberrohrdorf tun, um für alle Generationen attraktiv zu bleiben? Für kleine und grosse, für junge und für ältere Menschen?
Severine Jegge
Wir haben schon vieles, das Oberrohrdorf attraktiv für alle Generationen macht. Zum einen die vielen Vereine in den Sparten Sport, Musik, Fasnacht, Jugend oder Familie usw. Auch das Seniorennetzwerk ist eine sehr gute Sache. Gerade in der Zeit des Lockdowns suchten die Menschen Erholung und Zeitvertrieb in der Natur. Spielplätze, Sportmöglichkeiten im Freien, wie zum Beispiel einen Vitaparcours, oder einen Pump-Track für die Jugend sind mögliche Ideen. Wichtig ist, die Bedürfnisse aller Altersgruppen zu kennen und zu berücksichtigen.
Angela Kaiser-Michel
Ein Bevölkerungsmix über alle Altersstrukturen muss durch Infrastrukturmassnahmen, Investitionen in die Bildung, das familienergänzende Betreuungsangebot sowie die Unterstützung des aktiven Vereinslebens und eines spannenden kulturellen Angebotes gefördert werden. Oberrohrdorf muss zudem verkehrstechnisch sowie steuerlich attraktiv bleiben. Zu überlegen wäre ein «Ortsbus Rohrdorf», welcher die Quartiere bedient und den Zugang zu Apotheke, Drogerie, Bäckerei, Coop und Kreisschule in Niederrohrdorf sowie den Arbeitsweg ins lokale Gewerbe erleichtert.
Thomas Schneider
Neben der Erreichbarkeit mit ÖV und Privatverkehr sind die Qualität der Schule und die ausserschulische Betreuung die wichtigsten Standortfaktoren für junge Familien und damit für eine gesunde Altersstruktur der Bevölkerung. Es muss deshalb das Anliegen von uns allen sein, den hervorragenden Ruf unserer Schule zu erhalten und weiterzuentwickeln. Wenn wir auch weiterhin sorgfältig mit unseren Steuergeldern umgehen und das Nötige vom Wünschbaren zu unterscheiden wissen, wird es uns hier in Oberrohrdorf auch in Zukunft überdurchschnittlich gut gehen.
Wie soll sich Oberrohrdorf im Rahmen der Bau- und Nutzungsordnung entwickeln? Was wünschen Sie sich für das Dorfzentrum?
Severine Jegge
Die neue Bau- und Nutzungsordnung soll eine gute Durchmischung von Wohnen, Arbeiten und Erholung gewährleisten. Dem Dorfbild soll Sorge getragen werden und es darf nicht von unzähligen Überbauungen überdimensioniert werden. Ich wünsche mir einen belebten Dorfkern, der zum Einkaufen und Verweilen einlädt. Dazu gehören eine gepflegte Erscheinung der Häuser, weitere Einkaufsmöglichkeiten, ein Café und Grünflächen mit Ruhe- und Spielplätzen, so dass sich Jung und Alt wohlfühlen und begegnen können.
Angela Kaiser-Michel
Oberrohrdorf deckt mit Post- und Bankdiensten, Volg und Landi, Restaurants sowie Haus- und Zahnarzt bereits vieles ab, was für den Alltag nötig ist. Das Vereinsleben ist lebendig, die Zähnteschüür bietet Raum für kulturelle Anlässe, es finden Märkte statt. Eine zusätzliche Aufwertung des Dorfzentrums wären meines Erachtens die Ansiedlung neuer Läden sowie eines Dorfcafés, was die Zentrumsfunktion stärken, das Dorfleben bereichern und für die Gemeinde weitere Steuereinnahmen sowie Arbeitsplätze bedeuten würde.
Thomas Schneider
Die Bau- und Nutzungsordnung haben wir eben erst angepasst. Der Fokus liegt auf der Verdichtung gegen innen, auf der klaren Trennung von Wohn- und Gewerbe-/Industriezonen sowie auf dem Erhalt des Kulturlandes. In Sachen Dorfzentrum haben wir tatsächlich Nachholbedarf. Ich stelle mir einen Dorfkern mit attraktiven Begegnungszonen und Einkaufsmöglichkeiten vor. Dafür ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Grundeigentümern, Behörden und Interessengruppen unumgänglich. Warten wir erst einmal die Überbauung der Bänkliwiese ab und schauen dann weiter.
Oberrohrdorf steht finanziell auf guten Füssen: Die Gemeinde zahlt knapp 2 Millionen Franken in den kantonalen Finanzausgleich. Wie sollen sich die Finanzen entwickeln? Gibt es Sparpotenzial?
Severine Jegge
Viele Ausgaben, die eine Gemeinde zu bewältigen hat, sind von Bund und Kanton vorgegeben. Diese Kosten sind nicht direkt beeinflussbar. Um die Attraktivität von Oberrohrdorf zu erhalten, braucht es Investitionen. Investitionen in eine gute Infrastruktur, in die Bildung, die Kultur und Umwelt. Es gilt das Prinzip, so viel auszugeben wie nötig und so wenig wie möglich. Wir dürfen mit unserer Finanzpolitik zukünftige Generationen nicht belasten.
Angela Kaiser-Michel
Die Teilnahme am Projekt «Überprüfung Zusammenarbeit/Fusion Agglomerationsgemeinden Baden» begrüsse ich sehr. Ich bin überzeugt, eine vertiefte Nutzung von Synergien mit Nachbarsgemeinden ist für Oberrohrdorf strategisch und finanziell sinnvoll. Viele wichtige Themen müssen zwar lokal gedacht, jedoch gemeindeübergreifend gelöst werden. In dieser gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit sehe ich viel Sparpotenzial.
Die solide und vorausschauende Finanzpolitik mit einer guten Kostendisziplin ist beizubehalten, um steuertechnisch so attraktiv zu bleiben.
Thomas Schneider
Unsere Gemeinde macht in dieser Beziehung seit vielen Jahren vieles richtig. Angefangen bei der aktuellen Finanzvorsteherin und ihrem Vorgänger über die Finanzverwaltung bis hin zur Finanzkommission, haben die massgeblichen Instanzen einen haushälterischen Umgang mit unseren Steuergeldern verinnerlicht. Dies, ohne sinnvolle und machbare Investitionen zu unterbinden. Dies soll so bleiben, offensichtliches Sparpotenzial erkenne ich im Moment nicht.



