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Endgültiger Schlussverkauf im 2021

Fr, 02. Okt. 2020

Nelly Dutly (89) betrieb während 20 Jahren zusammen mit einer Seniorengruppe das «Stall-Lädeli»

Sie ist eine rüstige Seniorin. Langeweile kennt sie bis heute nicht. Im Dorf ist Nelly Dutly durch ihre gemeinnützigen Aktivitäten bestens bekannt. Zusammen mit Senioren führte sie jahrelang die Brockenstube «Stall-Lädeli». Am Dorffest im nächsten Jahr werden zum letzten Mal Trouvaillen verkauft.

Ihre Augen leuchten, wenn sie über die Stall-Lädeli-Zeiten spricht. Während 20 Jahren war Remetschwil für die gute Brockenstube bekannt. Trouvaillen-Jäger kamen auch von ausserhalb des Kantons. Und das ohne grosse Werbung. Nelly Dutly besitzt seit ihrer Kindheit ein untrügerisches Auge für Objekte aus zweiter Hand. Das kam ihr beim Stall-Lädeli zugute. Wurde ihr etwas angeboten, wusste sie sofort, ob die Sachen etwas hergaben oder nicht. Zusammen mit einer Seniorengruppe war sie für die Brocki unermüdlich im Einsatz. Sie transportierten Haushaltsauflösungen in Dutlys Opel Kadett ab, sortierten Brauchbares, Unbrauchbares und zuweilen auch Ladenhüter aus. Dank Dutlys gutem Netzwerk, fanden viele in der Brocki angebotenen Artikel innert kürzester Zeit einen neuen Besitzer. So auch eine Jugendstillampe aus einer Villa in Baden. Ein Anruf war nötig und Dutly verkaufte diese für 1200 Franken. Der Erlös der Brocki ging stets vollumfänglich an Institutionen in der Region. In der Zeitung und mit Flugblättern wurde über Sammelaktionen informiert.

Stall-Lädeli schloss vor 18 Jahren
2002 kam das Ende der Stall-Lädeli-Erfolgsgeschichte. Die Brocki schloss ihre Türen für immer. Die Seniorengruppenmitglieder wurden älter, einige waren inzwischen verstorben und eine Nachfolge war nicht in Sicht. Es gab damals einen Schlussverkauf. Der Ansturm der treuen Kundschaft war gross. Einige Sachen wurden aber trotzdem nicht verkauft. Sie lagerten Nelly Dutly und ihre Seniorengruppe bei sich zu Hause und bei einem Bauern ein.
Jeweils an den Raclette-Abenden können die Remetschwiler seit der Schliessung weiterhin auf Trouvaillenjagd gehen. Oft kommen Kinder vorbei, um etwas für 50 Rappen für sich selbst oder ihre Mamis zu erstehen. Solche Begegnungen sind und waren Dutlys Lohn für ihre ehrenamtliche Tätigkeit. Das sahen auch die Senioren so. In den 20 Jahren gemeinsamen Engagements für die Brocki waren sie eine eingeschworene Truppe, gingen zwischenzeitlich auch zusammen auf reisen und treffen sich bis heute noch regelmässig.

Endgültiger Schlussverkauf 2021
Auch 18 Jahre nach der Schliessung des Stall-Lädelis sind noch unverkaufte Gegenstände vorhanden. Da Dutly nächstes Jahr ihren 90. Geburtstag feiert, sollte nun beim diesjährigen Raclette-Abend endgültig alles weg. Der Anlass wurde aber wegen Corona abgesagt. Wer Nelly Dutly kennt, weiss, dass sie kurzerhand umdisponiert. Nächstes Jahr wird in Remetschwil das Dorffest steigen. Ein passender Rahmen, um den endgültigen Schlussstrich vom Stall-Lädeli zu ziehen. Dann sollen alle Trouvaillen verkauft werden. Wer denkt, dass Nelly Dutly spätestens dann ihr Leben ruhiger angeht, täuscht sich. Nach wie vor geht sie viel zu Besuch oder empfängt bei sich zu Hause Freunde, Bekannte und Verwandte. Auch Feste haben im Hause Dutly Tradition. Seit die Familie vor 58 Jahren in das Einfamilienhaus in Remetschwil gezogen ist, findet einmal im Jahr ein Familienfest statt. Zuerst im Garten, später in der Waldhütte. Das Fest fiel in diesem Jahr wegen Corona zum erstenmal aus. Ganz ohne Feier ging es trotzdem nicht. Am 22. August heiratete Nelly Dutlys Enkel. Just als die ersten Gäste eintrafen verschwand der Regen und einer Feier im Garten stand nichts mehr im Wege. Diese dauerte, bei schönstem Sommerwetter, bis in die frühen Morgenstunden. Die Feier gefiel so gut, dass zwei Wochen später ein Grillabend für Nachbarn stattfand.

Betreute Ferien mit Senioren
Schon vor der Stall-Lädeli-Zeit engagierte sich Nelly Dutly für die Senioren. Sie ging mit ihnen auf Wanderungen in der Region und organisierte während zwölf Jahren begleitete Ferien nach Delsberg. Sie hütete ihre Enkelkinder und übernahm einige Jahre den Kinderhütedienst an den Pfarrfrauentagen der reformierten Kirche. Bis heute hält sie sich einmal pro Woche mit Turnen fit. Regelmässig geht sie in der von ihrem Mann Bruno gegründeten Maschinenbaufirma in Bergdietikon vorbei. Früher half sie nebst der Betreuung der Familie und ihren ehrenamtlichen Tätigkeiten dort mit.
Nelly Dutly nimmt man es ab, dass sie bis heute ein spannendes Leben führt. Das will sie weiterhin in vollen Zügen geniessen. Jeder Tag bringe viel Freude, man müsse diese nur sehen.

Debora Gattlen

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