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Kirchenfest trotzt den Ungewissheiten

Fr, 26. Feb. 2021

Zum Kirchenjubiläum kann jeder seinen Sakralbau gestalten und im Sommer kommt Bischof Felix Gmür

Die Kirche St. Wendelin wird dieses Jahr 175 Jahre alt. Das wird gefeiert: Mit einem Wettbewerb, mit hohem Besuch im Sommer und mit viel Flexibilität und Kreativität.

Sie wird 175 Jahre alt, die Kirche St. Wendelin in Tägerig. Das soll gefeiert werden, auch in Zeiten von Corona. Darüber sind sich Johannes Zürcher, Diakon im Pastoralraum Region Mellingen, Alexandra Atapattu, Jugendseelsorgerin und Walter Keller, Präsident der Kirchenpflege Tägerig, einig. «Wir wollen positiv denken, jetzt feiern», sagt Keller. Fragt sich nur wie? Den drei Hauptorganisierenden ist bewusst, dass das Fest am 26. und 27. Juni flexibel geplant und in Varianten gedacht werden muss. Sicher ist, dass Bischof Felix Gmür am Sonntag den Festgottesdienst halten wird. Stattfinden kann auch der Wettbewerb, bei welchem zu Hause ein Sakralbau gebaut oder gezeichnet werden soll. Auf wackligeren Beinen steht indessen das Zustandekommen des geplanten Kinder-Musicals «Wem siis Huus, Flädermuus?» von Andrew Bond, genauso wie Restauration und Apéro vor der Kirche oder der Auftritt des Kirchenchors. Beirren lassen sich die Organisierenden indessen nicht. Auch wenn die Information zum Jubiläum im Freien stattfindet, vor der Kirche und unter Einhaltung von Abständen, auch fürs Foto.

1838 brennt auch die Kapelle
Geweiht ist die 1846 gebaute neoklassizistische Kirche dem Heiligen Wendelin, Schutzpatron von Hirten und Landleuten, Bauern, Tagelöhnern und Landarbeitern. Wendelin? – Vielleicht weil damals jeder im Dorf zwei oder drei Kühe und einen kleinen Acker sein Eigen nannte, wie Diakon Johannes Zürcher erzählt. Er erzählt auch von der «Riesenkatastrophe» im März 1838, wo es im Dorf 15 Stunden lang brannte. Es blies der Wind, das Wasser fehlte. 28 Gebäude und 18 Nebengebäude sind damals in Tägerig abgebrannt. Auch die Kapelle am Lindenplatz. Der Regierungsrat habe die Geistlichen im ganzen Kanton nach dem verheerenden Brand beauftragt, den Tägligern die Kollekte für neue Häuser zur Verfügung zu stellen, sagt der Diakon. «45 000 Franken sind auf diese Weise zusammen gekommen, die Hilfsbereitschaft im Aargau war riesig.» Die meisten Gebäude waren bereits im November des gleichen Jahres wieder aufgebaut.

Die Kirche St. Wendelin aber wurde erst acht Jahre später eingeweiht, 1846, nach dreijähriger Bauzeit. Im Dorf wurde Geld gesammelt und viel Fronarbeit geleistet. Johannes Zürcher meint: «Das Bedürfnis nach einem Raum, wo Freud und Leid geteilt wird, muss gross gewesen sein.» Die Kirche war wichtig, nicht nur bei Taufen, Hochzeiten oder Abschieden. Am Pfingsmontag sollen sich auch Pilgerinnen und Pilger aus dem gegenüberliegenden Rohrdorf auf Wallfahrt nach Tägerig, zum Heiligen Wendelin, begeben haben.

«Kreiere deinen Sakralbau»
Manches ist 175 Jahre danach anders. Auch deshalb interessieren sich Atapattu, Keller und Zürcher dafür, wie ein Sakralbau heute aussehen könnte oder sollte. Sie haben einen Wettbewerb lanciert und ermöglichen allen im Rahmen des Kirchenjubiläums von Tägerig «über sich hinauszuwachsen und ein Projekt zu realisieren, das dem menschlichen Bedürfnis nach Grenzüberschreitung entgegenkommt». Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre können ihre Kirche auf ein A3-Papier zeichnen und die Zeichnung bis Ende Mai beim Pfarramt abgeben. Eingebettet im Wald, auf einer Anhöhe, auf einem Acker oder im Dorf. Wer 15 Jahre alt und älter ist, kann am Architektur-Wettbewerb teilnehmen und mit Modellkarton, Ton oder Ytong-Steinen (Porenbeton) gestalten. Diese Materialien werden zur Verfügung gestellt, auch deshalb muss bis zum 6. März eine Anmeldung ans katholische Pfarramt in Tägerig eingereicht werden. Die Modelle müssen bis Ende Mai abgegeben werden. Im Juni sollen sie ausgestellt und prämiert werden.

Heidi Hess

Weitere Informationen gibt es unter: pastoralraum-mellingen.ch.

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