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Cannabis ist für ihn das «Superfood» der Natur

Fr, 26. Mär. 2021

Hanfsamen nennt Roger Bottlang «Powernüsse» – der Hanf-Pionier aus Büblikon stellt Lebensmittel aller Art aus dem gesunden Rohstoff her

Über Hanf redet Roger Bottlang nur in Superlativen. Seit Jahren hat er es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die gesundheitlichen Kräfte der vermeintlichen Kifferpflanze bekannt zu machen. Und die Wissenschaft gibt ihm recht. Hanfsamen sind richtige Wunderpakete.

Zahlreiche Hersteller haben schon versucht, «Nutella» zu kopieren. Meistens sind es Produkte, die umweltfreundlicher und gesünder sein sollen als das in Italien erfundene Original: ohne Palmöl, mit weniger Zucker, mit Bio-Zutaten. Das gefällt umweltbewussten Eltern. Doch gut schmecken müssen die Duplikate auch, das wissen alle, die schon versuchten, ihren Zöglingen die vermeintlich bessere Schokopaste unterzujubeln.
Genau an diese anspruchsvolle Aufgabe hat sich Roger Bottlang mit seine «Hanftella» gewagt – und es ist nur eines von vielen erfolgreichen Experimenten, die der gelernte Koch und Hotelfachmann mit den Samen der Hanfplanze in den vergangenen acht Jahren durchgeführt hat. Zuhause in seiner Küche reicht der findige Unternehmer, der viele Jahre in Büblikon eine Gärtnerei betrieb, bestrichene Hanfbrote zur Degustation. Zu trinken gibt es Hanftee, mit Früchten und Bergkräutern gemischt. Und siehe da, die «Hanftella» ist wirklich lecker – auch wenn sie wegen ihrer hellbraunen Farbe anders aussieht und die Eltern einen Trick anwenden mussten, damit die Kinder seiner Freunde sie angenommen haben. «Sie haben die Creme in ein original «Nutella»- Glas umgefüllt», verrät der Erfinder des Hanfaufstrichs. Dafür kommen sie jetzt in den Genuss eines handgemachten Lebensmittels, dessen Zutaten – etwa kaltgepresstes Sonnenblumenöl – aus der Region kommen und die den Körper, bis auf den Zucker, nicht belasten.

«Ein Geschenk der Natur»
In der «Hanftella» sind keine Haselnüsse enthalten, was Menschen mit entsprechender Allergie begeistern dürfte. Dafür besteht die Creme aus «Powernüssen». So nennt Roger Bottlang die Samen der Hanfpflanze. «Ein Geschenk der Natur an die Gesundheit, ein wahres Wundermittel», schwärmt er. Das ist wissenschaftlich bestätigt. So enthalten Cannabissamen unter anderem essentielle Fettsäuren und Antioxidantien. Sie wirken entzündungshemmend, helfen gegen Arthritis, sorgen für eine gesunde Haut, lindern Menstruationsbeschwerden oder verbessern die Verdauung. Das sind nur einige der positiven Effekte. Bottlang kann lange Vorträge über die Vorteile der kleinen Körner halten – und das tut er auch. An Warenmärkten und Gesundheitsmessen lässt er Interessierte Samen löffelweise kosten oder kocht Gerichte mit Hanf öffentlich vor.
Verkauft werden die getrockneten Samen ganz oder geschält. Ohne Schale sind sie bekömmlicher. Man kann sie so oder so fast überall in der Küche verwenden, in den Salat, das Müesli, die Pasta streuen oder einfach pur knabbern. Bottlangs Geheimtipp ist, sie zu rösten und damit ein Dessert zu verfeinern.
Erhältlich ist bei ihm auch reines Protein aus den Hanfsamen. «Die Königin der pflanzlichen Proteine», nennt er das Pulver. Dieses kommt beispielsweise beim Backen zum Einsatz. «Brot bleibt länger frisch, wenn etwa zehn Prozent Hanfprotein im Mehl sind», sagt Bottlang. Er selbst mixt sich das Pulver gern in Shakes, wenn er spät abends heimkommt und nicht mehr kochen mag.

Beeindruckende Vielfalt
Die zahlreichen Speisen und Lebensmittel, die er mit Hanfsamen kreiert hat, sind beeindruckend. Sogar Milch und Glace kann er aus ihnen fertigen. Und veganes Futter für Hunde und Katzen. Vielfach arbeitet der Produzent mit Partnern zusammen, die ihn bei der Entwicklung unterstützen. Bis die «Hanftella» fertig war, hat er fast ein Jahr lang zusammen mit dem Chocolatier von Bättigs Bäckerei in Villmergen getüftelt. Bratwürste mit Hanfsamen hat er in der Fislisbacher Chämi Metzg auf den Grill geworfen. Bei Menschen mit Glutenallergie ist sein Rüeblikuchen beliebt, den es in den Filialen des Rüebliland-Becks gibt. Gut funktioniert auch die Zusammenarbeit mit der Landi Maiengrün, über die er viele seiner Produkte vertreibt: Leserinnen und Leser des «Reussbote» sollten diese im Volg bekommen. Oder in der Drogerie Meier in Niederrohrdorf.
Natürlich arbeitet Bottlang auch viel mit Bauern zusammen. Früher liess er auch anpflanzen. Heute kauft er seinen Rohstoff von der Landi Freiamt, der er als Berater zur Seite stand, um eigene Hanfprodukte auf den Markt zu bringen. Seine Hanföle lässt er pressen. Schälen lässt er die Samen in Österreich – denn bis heute gibt es keinen Anbieter dafür in der Schweiz. «Noch», sagt Bottlang. Denn vom Potenzial des Marktes ist er absolut überzeugt. Er hat 1997 angefangen, Hanf und Produkte zu verkaufen. Seit 2014 vermarktet er sie aktiv. Seitdem sei der Umsatz von Jahr zu Jahr gewachsen. Wenn seine Produkte besser erhältlich wären, wenn er grössere Vertriebspartner hätte, würde es sich sogar lohnen, eigene Produktions- und Abfüllmaschinen anzuschaffen.

Stefan Böker

www.harmonius.ch

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