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Hoffen, dass der Grosse Rat zustimmt

Di, 16. Mär. 2021

Freiämter Grossräte wehren sich mit einem Vorstoss gegen die geplante Hochspannungsleitung

Die Hochspannungsleitung Niederwil-Obfelden soll in den Boden verlegt werden. Dafür setzten sich Freiämter Grossräte mit einem Vorstoss ein. Sie geben damit dem Volksbegehren mehr Gewicht.

Es wäre grossartig, wenn heute viele Grossräte den Vorstoss an der Sitzung unterstützen», sagt Hans Kneubühler, Präsident des Vereins Verträgliche Starkstromleitung Reusstal. Stimmt der Grosse Rat dem Vorstoss zu, wird der Regierungsrat nochmals verpflichtet das Anliegen der Bevölkerung energisch zu vertreten. Dieser signalisierte bereits im Frühjahr, dass er für eine Verlegung der Starkstromleitung in den Boden ist. Ob dies auch bis auf Bundesebene vorgedrungen ist, steht nicht fest. Das Bundesamt für Energie und die Strombetreiberin Swissgrid, die von Niederwil bis Obfelden eine Starkstromleitung planen, gingen bisher nicht auf die Wünsche der Direktbetroffenen ein. Ob in den neusten Plänen, die dem Bund zur Gutheissung vorgelegt werden, bei der 17 Kilometer langen 380-Kilovolt-Leitung eine Vollverkabelung verlangt wird, ist ungewiss.

Bodenverkabelung breit abgestützt
Im Vorstoss schreiben die Grossräte, dass sich im Rahmen der Vernehmlassung 2017 bereits 21 von 26 Gemeinden, Verbände und Organisationen für eine Erdverkabelung von Niederwil bis Obfelden ausgesprochen haben. Sie lehnen also eine Freileitung ab, die nun dennoch von der Betreiberin geplant wird. Das Votum der Grossräte: «Mit der vorgesehenen Leitungsführung werden Naturschutzgebiete von kantonaler Bedeutung tangiert, das Siedlungsgebiet massiv beeinträchtigt, Naherholungsgebiete entwertet und mit den bis zu 80 Meter hohen Masten wird massiv in das Landschaftsbild eingegriffen.» Die Freiämter Politiker sind der Meinung, dass mit der derzeit vorgesehenen Korridor- und Freileitungsvariante den Grundsätzen des kantonalen Richtplans widersprochen wird.

Der Ball liegt beim Bundesrat
Aktuell prüft das Bundesamt für Energie die von Swissgrid eingereichte Bewilligung. Da es um Versorgungssicherheit geht, hat die Stimme der betroffenen Bevölkerung wenig Gewicht. Trotzdem hoffen die Kabel-Befürworter, dass der Bundesrat den Antrag für eine Freileitung ablehnt und die Bodenverlegung favorisiert. Im November letzten Jahres wandte sich der Verein Verträgliche Starkstromleitung Reusstal mit einem Brief direkt an Bundesrätin Simonetta Sommaruga. Ihre Antwort liess hoffen. Sie zeigte Verständnis für die Bevölkerung im Reusstal. Mit Spannung wird deshalb der Entscheid des Bundesrats erwartet. Dieser sollte demnächst, in den nächsten Wochen, erfolgen. Wird eine Bewilligung für eine Freileitung erteilt, käme der Vorstoss der Grossräte noch zur rechten Zeit. Der Regierungsrat hätte dadurch den Auftrag, ein Bereinigungsverfahren mit dem Begehren für eine Bodenverkabelung einzureichen. Innert drei Jahren müsste der Bund das Projekt nochmals prüfen und bereinigen. Mit dem Antrag der Aargauer Regierung und dem Begehren der Aargauer Bevölkerung würde das Bereinigungsverfahren zusätzlich Gewicht bekommen. Gehofft wird, dass spätestens dann die Starkstromleitung umweltverträglich unter den Boden kommt. «Solange keine neuen Masten stehen, kämpfen wir weiter», sagt Kneubühler.

Überparteiliches Interesse
Die Chance, dass heute der Grosse Rat dem Vorstoss zustimmt, ist gross, da er breit abgestützt ist», sagt Grossrat Gratwohl. Acht Freiämter Grossräte wurden aktiv und bringen die Diskussion auf die kantonale Ebene. Gemeinsam haben Arsène Perroud (SP, Wohlen), Markus Dietschi (Grüne, Widen), Karin Koch (CVP, Bremgarten), Roland Vogt (SVP, Wohlen), Thomas Leitch-Frey (SP, Wohlen), Dominik Peter (GLP, Bremgarten), Harry Lütolf (CVP, Wohlen), Gabriel Lüthy (FDP, Widen) und Mario Gratwohl (SVP, Niederwil) letzte Woche einen Vorstoss im Grossen Rat eingereicht. «Der Vorstoss hat nichts mit Parteipolitik zu tun», sagt Gratwohl. «Das ist ein Anliegen der Bevölkerung. Da wir als Grossräte von der Bevölkerung gewählt wurden, wollen wir auch für sie eintreten.» Er zögerte deshalb nicht, als ihn Arsène Perroud wegen der Unterschrift anfragte. Er hat bereits im Frühjahr die Anfrage an den Regierungsrat mitunterschrieben. Es gehe den Betreibern nicht in erster Linie um höhere Erstellungskosten, sondern um die Leitung rascher in Betrieb nehmen zu können. Der Preis für eine Bodenverkabelung liege zwar über demjenigen einer Freileitung. Aber der Mehrpreis sei gerechtfertigt, um die Umwelt und vor allem auch die Menschen zu schonen.

Debora Gattlen

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