banner

Hochrisikopatient wurde abgewiesen

Fr, 16. Apr. 2021

In 13 Impfzentren wird im Aargau gegen Covid-19 geimpft. Meist läuft es rund. Es gibt aber auch Pannen

Im Aargau schreitet die Impfkampagne gegen Covid-19 voran. Für manche nicht schnell genug. Schlecht, wenn Personen der Risikogruppe keinen Pieks erhalten.

Reussbote»-Leser Peter F. (Name von der Redaktion geändert), hatte wohl einfach nur Pech. Und das im doppelten Sinne. Die Erleichterung war gross, als der 61-Jährige am Mittwoch vor einer Woche per SMS die Bestätigung für einen Impftermin im KSB erhielt. Da der Termin bereits in zwei Tagen war, telefonierte er mit seinem Hausarzt und bat ihn, das Attest für Risikopatienten auszustellen. Er erhielt dieses mit Stempel und Unterschrift per E-Mail zugesandt. Pünktlich erschien er letzten Freitag zu seinem Impftermin. Dann folgte die Überraschung. «Ein Türsteher fragte mich nach dem Attest», sagt Peter F. «Als ich ihm den Ausdruck zeigte, verwehrte er mir den Einlass.» Er sei schlicht und einfach schockiert gewesen und habe sich das ganze Wochenende aufgeregt. Die Begründung für seine Abweisung: Das Dokument könnte bei einem Ausdruck gefälscht worden sein. Inzwischen hat er das Originalattest beim Arzt abgeholt. Versöhnlich stimmt ihn, dass er bereits gestern einen neuen Impftermin hatte. «Ich bin froh, dass ich wegen aktuellen Krankheiten wie starker Diabetes und nicht therapierbarem Bluthochdruck die erste Impfung doch noch erhalten habe.» Er habe noch andere Vorerkrankungen wie Krebs, überstandenen Herzinfarkt und Tuberkulose. Zum Vorfall schreibt Maria Gares, Stv. Leiterin im Departement für Gesundheit und Soziales: «Zu Einzelfällen können wir keine Auskunft geben.»

Seit dieser Woche auch ohne Attest
Der «Reussbote» befragte zum Vorfall in der Region auch Arztpraxen und den Aargauischen Ärzteverband. Der einheitliche Tenor: «Wir haben von solchen Vorfällen keine Kenntnis.» Patienten, die ihr Attest zu Hause vergessen hätten, hätte man auch schon kurzfristig per Mail das Attest nachgeschickt. «Wir hatten bis anhin nie Probleme», sagt Dr. med. univ. Michael Niederegger (Inhaber Medical Center Rohrdorf). Das Formular sei vom Ärzteverband so entwickelt, dass dieses nur schwer zu fälschen sei. Gares sagt: «Fälle von Missbrauch sind beim DGS praktisch keine bekannt. In der Bevölkerung werden immer wieder solche genannt. Wir überprüfen auch immer wieder Hinweise, die uns aber fast immer zeigen, dass alles korrekt läuft. Die Kontrollen funktionieren sehr gut.» Seit dieser Woche wurden die Anforderungen für einen Impftermin im Aargau weiter gelockert. Impfwillige, die eine Vorerkrankung wie einen eingestellten Bluthochdruck haben, bekommen ohne Bestätigung des Arztes einen Termin. Wer zur Hochrisikogruppe gehört, braucht aber weiterhin ein Attest. Damit erhält man nach wie vor schneller einen Impftermin.

Gute Betreuung während Impfung
Mellingens Gemeinderat Beat Gomes erhielt am 15. März seine erste Dosis im Impfzentrum des KSB. Er ist Risikopatient, da er sich nach einer Nierentumoroperation noch einer Chemotherapie unterziehen muss. «Ich hatte das Attest für Risikopatienten zu Hause vergessen», sagt Gomes. «Ich wurde aber nicht darauf angesprochen und musste lediglich die Krankenkassenkarte vorweisen.» Doch bevor er seinen Pieks erhielt, musste er zusammen mit 50 anderen Personen fast eine Stunde in eisiger Kälte ausharren. «Ärgerlich ist, dass es beim Warten keine Markierungen gibt, damit der Abstand eingehalten wird», sagt Gomes. Nach dem Warten lief aber alles reibungslos ab. «Im Impfzelt war ein hochprofessionelles Team vor Ort», sagt er. «Ich war gottenfroh, dass ich die Impfung erhielt. Dass ich im Vorfeld eine Stunde frieren musste, war dann egal.» Der Pieks war in eineinhalb Minuten erledigt. Nebenwirkungen verspürte Gomes keine. Am nächsten Montag erhält er seine zweite Impfung.

Bald Impfung in Arztpraxen?
Der Kanton Genf hat die Strategie seit letzter Woche geändert, um schneller impfen zu können. Alle angelieferten Dosen werden verimpft, die Zweitdosis wird nicht mehr reserviert. Das DGS sagt dazu: «Der Kanton Aargau sieht derzeit keinen Grund, seine Strategie zu ändern. Diese hat sich bewährt. Es kann immer wieder zu kurzfristigen Änderungen führen. Auf diese waren wir mit unserer Strategie in der Vergangenheit immer gut vorbereitet.» Der Kanton behalte aber längst nicht mehr 50 Prozent der Impfdosen zurück, sondern plane auch die definitiv zugesagten Lieferungen bereits mit ein. Wie lange Impfungen lediglich in den 13 Impfzentren des Kantons gemacht werden können, sei noch nicht bekannt. «Wir wären bereit, unsere Patienten in der Praxis zu impfen», sagt Niederegger. «Wir haben Risikopatienten, die zuwarten, weil sie sich lieber in einer Arztpraxis impfen lassen wollen.» Gares sagt: «Wir führen derzeit ein Pilotprojekt mit acht Arztpraxen durch und gehen davon aus, dass wir ab Mai etwa 200 Arztpraxen mit Impfstoff beliefern können. Das sind jene Arztpraxen, die sich bei uns gemeldet haben, dass sie Impfungen durchführen möchten.»

Debora Gattlen

Ganzer Artikel ist nur für Abonnenten verfügbar.
Kategorie: 

Stellenangebote

Immobilienangebote

Kommende Events

Weitere Angebote