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Das Wasser mit einem Deckel schützen

Di, 04. Mai. 2021

Die kantonale «Aktion Schachtdeckel» wird bei der Familie Habegger auf dem Zelglihof lanciert

Lochdeckel sollen weg von den Feldern. Geschlossene Deckel nützen Bächen und Flüssen und werden vom Kanton finanziell unterstützt.

Alle offenen Schachtdeckel im Kulturland sollen durch geschlossene Deckel ersetzt werden. So lautet das Ziel der «Aktion Schachtdeckel», mit welcher der Aargau schweizweit eine Vorbildfunktion einnehmen will. Lanciert wurde die Aktion am Donnerstag auf dem Betrieb von Silvia und Daniel Habegger in Mägenwil, wo Spinat, Erbsen oder Zuckermais angebaut werden. «Auf dem Zelglihof startet», sagte Landwirtschaftsdirektor Markus Dieth vor Medienschaffenden, «was in die ganze Schweiz ausstrahlen soll.»
Im Aargau geht es um rund 2000 offene Schachtdeckel, Deckel mit Löchern oder anderen Öffnungen. Sie sollen im Jahr 2021 mit einem Kantonsbeitrag von 150 000 Franken «einfach und ohne Bürokratie», wie Regierungsrat Dieth sagt, ersetzt werden.
Wasser, Dünge- und Pflanzenschutzmittel werden bei Niederschlag durch die Löcher in offene Gewässer geschwemmt: Dieses Wasser floss bislang zusammen mit sauberem Wasser aus Drainageröhren, die unter dem Kulturland in über 1 Meter Tiefe angelegt sind, durch Entwässerungsschächte in Bäche und Flüsse. Das soll sich ändern.

Habegger entfernt seine Lochdeckel
Auf dem Zelglihof hat Daniel Habegger offene Deckel auf seinem Kulturland bereits teilweise ersetzt. Somit bleiben Dünger und Pflanzenschutzmittel künftig in der obersten Bodenschicht und werden von den Pflanzen aufgenommen. Es sei selbstverständlich, sagt Habegger, dass Landwirte ihren Beitrag zum Gewässerschutz leisten. In Mägenwil gibt es, laut Gemeinderätin Marlène Fehlmann, von insgesamt 62 offenen Schachtdeckeln im Kulturland noch 29 offene Deckel. Sie begrüsst das Anreizsystem des Kantons: Mit 75 Franken beteiligt er sich an den Gesamtkosten von rund 150 Franken pro Schachtdeckel. Das entlastet die Gemeindefinanzen um 2175 Franken. Der Kanton überlässt es allerdings den Gemeinden, wer die restlichen 75 Franken zahlt: Die Gemeinden oder die Grundbesitzer, auf deren Boden sich Schacht und Deckel befinden. Zahlreiche Schächte befinden sich am Hauptsammelkanal Richtung Wohlenschwil. Dafür sei die Gemeinde zuständig, sagt Marlène Fehlmann.

Die Infrastruktur anpassen
Im Agrarkanton Aargau, der mit bis zu 12 Prozent zur Nahrungsmittelproduktion der ganzen Schweiz beiträgt, muss die Infrastruktur – oft über 60 Jahre alt – angepasst werden. Nach den Weltkriegen ging es um Amelioration und Entwässerung, um gesundheitliche Fragen und um die Ernährungssicherheit.
«Wir wollen», sagte nun Dieth auf dem Zelglihof, «unsere wertvollen natürlichen Ressourcen wie Boden und Wasser nachhaltig nutzen und stehen in der Pflicht, diese gleichzeitig zu schützen. Neben der qualitativen Sicherheit der Lebensmittel – und dazu gehört auch das Trinkwasser – ist der Schweizer Bevölkerung die Ernährungssicherheit wichtig.» Den Verfassungsartikel zur Ernährungssicherheit hat die Schweizer Stimmbevölkerung 2017 angenommen.
Absicht oder nicht? Die «Aktion Schachtdeckel» lanciert Regierungsrat Dieth wenige Wochen vor der Abstimmung über die beiden Agrarinitiativen. Der Regierungsrat empfiehlt die Volksinitiativen «Für sauberes Trinkwasser» und «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» am 13. Juni zur Ablehnung, genau wie Bundesrat und Parlament, in welchem Landwirte in grosser Zahl vertreten sind.

Heidi Hess

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