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Gemeinderat muss Fusion aufgleisen

Fr, 11. Jun. 2021

44 Stimmberechtigte nahmen am Dienstagabend an der «Outdoor-Gmeind» teil – und hörten Überraschendes

Es gab viel Einigkeit an der Gemeindeversammlung. Aber auch heiss diskutierte Punkte. Und dann wurde noch das Ergebnis der Umfrage zu einer möglichen Gemeindefusion mitgeteilt – mit überraschendem Ergebnis. Mehr als zwei Drittel der Befragten befürworten einen Zusammenschluss. Jetzt ist der Gemeinderat in der Pflicht.

Obwohl zu Beginn der Gemeindeversammlung in der Ferne Donner grollte und es zwischendurch leicht regnete, brachte der Gemeinderat seine Anträge grösstenteils geräuschlos – sprich: ohne Diskussion – ins Trockene. Die Bombe platzte am Schluss: Gemeindeammann Beat Nietlispach informierte über den Ausgang der Umfrage, welche der Gemeinderat Ende 2020 lanciert hatte, um eine mögliche Gemeindefusion zu prüfen. 473 Personen haben die Fragebögen retourniert. Das sind 51,13 Prozent der zu diesem Zeitpunkt 925 Stimmberechtigten. Mit einer satten Zweidrittel-Mehrheit sprachen sich diese für die Prüfung einer Gemeindefusion aus: 356 wären dafür, 157 eher dagegen.

Minderheit ist absolut dagegen
Nur 121 Personen sind absolut dagegen, teilte Gemeindeammann Nietlispach mit. Ihre Hauptsorge ist es, die Autonomie zu verlieren. Von den Befürworterinnen und Befürwortern sehen 242 Mellingen als Favoritin für eine Fusion. Aber auch Wohlenschwil oder Mägenwil scheint ihnen machbar. Oder sogar der Blick Richtung Bremgarten nach Niederwil. Nicht einmal die Ortsbürgergemeinde ist den Tägligerinnen und Tägligern heilig. 87 Gemeindemitglieder nahmen an der Umfrage teil. Die Hälfte von ihnen hätte nichts dagegen, wenn die Ortsbürgergemeinde in der Einwohnergemeinde aufgeht.
Teilgenommen haben vor allem ältere Menschen: 238 sind älter als 40 Jahre, 111 älter als 60 Jahre und immerhin 24 älter als 80. Nur 30 Personen sind unter 26 Jahre alt. Im Alter zwischen 26 und 40 Jahren sind 63 Personen. Die meisten von ihnen (389) sind Hausbesitzer, 379 haben keine schulpflichtigen Kinder mehr. Der Hauptgrund, warum sie eine Fusion befürworten, sind die Finanzen (283 Nennungen). Aber auch vergrössertes Entwicklungspotenzial (200), bessere Dienstleistungen (168) und einfachere Rekrutierung von Behördenmitgliedern (145) wurden als Gründe genannt.
«Wir werden jetzt bei den umliegenden Gemeinden wegen einer Fusion anfragen», erklärte Gemeindeammann Nietlispach das weitere Vorgehen. Wenn Tägerig einen geeigneten Bräutigam findet, würde als nächster Schritt der Hochzeitsvorbereitungen ein Planungskredit folgen. «Aber», so Nietlispach, «erst mal müssen wir fragen: Willst du?». An der Gemeindeversammlung im Herbst soll es weitere Infos geben.

Abdeckplane abgeblockt
Recht emotional wurde danach noch das Beachvolleyballfeld diskutiert. Flavio Cesaro, ein sportbegeisteter Vater und Volleyballtrainer des Sportvereins, machte seinem Ärger über die häufige Verschmutzung und Zweckentfremdung der Anlage Luft. Sein Antrag, die Kosten für eine Abdeckplane ins Budget aufzunehmen, wurde jedoch mit 21 Nein- zu 17 Ja-Stimmen abgeblockt (mehr dazu in der nächsten Ausgabe).
Zuvor wurde die Änderung des Friedhofreglements an den Gemeinderat zurückgewiesen. Den Antrag dazu hatte Wendelin Blattmer, der Leiter der Gemeindewerke, gestellt. «Es ist einfach nicht möglich, genügend Personal zu organisieren, um an Samstagen Bestattungen durchzuführen», erteilte er dem ursprünglichen Antrag des Gemeinderats eine Absage. Darum habe man das Reglement 2014 dementsprechend geändert. Es mache keinen Sinn, das nun wieder zurückzunehmen. Jetzt muss dieser über die Bücher und eine Komplettrevision des Reglements vorlegen. Unbestritten waren alle weiteren Traktanden, darunter die positiv schliessende Rechnung 2020, vier Kreditabrechnungen, Ausbau und Erneuerung der Abwasserreinigungsanlage in Mellingen und die Mitgliedschaft im Verbund «Wasser 2035».
Die Beteiligung betrug nur 4,71 Prozent. Damit unterstehen alle Ergebnisse der Gemeindeversammlung dem fakultativen Referendum.

Stefan Böker

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