Genossenschaftswohnen ist gescheitert

Di, 27. Jul. 2021

Noch ist der grösste Teil des Gebiets «Sandfoore» nicht baureif – die Besitzverhältnisse haben sich geändert

Die Zürcher Wohnbaugenossenschaft «Frohes Wohnen» hat ihr Land verkauft. Im Dorfzentrum plante sie eine Siedlung mit über 60 Wohnungen. Ob die neuen Besitzer die Pläne weiterverfolgen, steht derzeit noch in den Sternen.

Anfang 2018 war die Welt noch in Ordnung. «Im Zentrum entsteht ein neues Quartier», titelte beispielsweise das «Badener Tagblatt». Die Gemeinde Mägenwil hatte zuvor über das Bauvorhaben im von der Industriestrasse durchschnittenen Gebiet zwischen Hauptstrasse und Bahnlinie informiert. Man sprach von einem zukunftsweisenden Projekt, welches das Wachstum in der Gemeinde ankurbeln sollte. Der euphorische Ton der Medienberichterstattung liess annehmen, dass hier schon bald die Bagger anrollen.

Architekturwettbewerb für die Katz?
Wie nun bekannt wurde, hat sich die massgebliche Bauherrin des Mammutprojekts, die Zürcher Wohnbaugenossenschaft «Frohes Wohnen», zurückgezogen. Massgeblich deswegen, weil ihre Absichten den Startschuss für die gesamte Planung gaben. Mammutprojekt deswegen, weil drei verschiedene Landbesitzer daran beteiligt waren. Sie hatten 2016 zusammen einen Architekturwettbewerb ausgelobt. So wurde ein Siegerprojekt gefunden und zum Richtprojekt ausgearbeitet, welches als Grundlage für einen übergeordneten Rahmengestaltungsplan diente, mit Überbauungen, die in einem Zusammenhang stehen, jedoch unabhängig realisiert werde können.
Im Zentrum der Planung befinden sich Mehrfamilienhäuser mit über 60 Wohnungen für eine möglichst breite Bevölkerungsschicht, also für Familien, ältere Menschen, Paare, Einzelpersonen und Wohngemeinschaften. Das Gebäude mit der Aufsehen erregenden, dreieckigen Architektur sollte im nördlichen Teil des Gebietes «Sandfoore», nahe der Bahngleise, zu stehen kommen. «Frohes Wohnen» hat dieses Land nun an die KMP Architektur AG aus Wettingen verkauft. Entlang der Hauptstrasse war ausserdem ein Gewerbehaus angedacht. Der Streifen gehört nun der Immogoal AG aus Mellingen, welche hier neu einen Standort für die Aquarium und Teich AG aus Villmergen plant. Zusätzlich sollten zwei Wohnblocks um die bestehende Villa Strebel mit rund 15 Wohnungen entstehen. Dieses Projekt befindet sich weiterhin in Planung. Auf dem Werkareal der Firma Hauswartprofis könnte gemäss Richtprojekt ein Gewerbegebäude, zudem über dem Werkhof ein Wohnhaus mit über 20 Wohnungen realisiert werden. Hier bestand jedoch von vorneherein keine dringende Bauabsicht.
«Frohes Wohnen» hingegen hätte ihre Baugesuche einreichen wollen, sobald die baurechtlichen Grundlagen bestehen. Der Richtungswechseln hat die ursprüngliche Planung jedoch verzögert und möglicherweise ganz zum Stehen gebracht. Was KMP plant, ist noch nicht bekannt. Die Verantwortlichen waren für eine Stellungnahme vor Redaktionsschluss nicht erreichbar. Sollten sie dem Richtprojekt folgen, dann könnte alles ganz schnell gehen. Wenn nicht, dann könnte es im schlimmsten Fall dazu kommen, dass der ursprüngliche Rahmengestaltungsplan neu erarbeitet werden muss. Stand heute sind die entsprechenden Teilgestaltungspläne der grossen Wohnhäuser, ebenso wie für das Gewerbehaus an der Hauptstrasse, noch nicht öffentlich aufgelegen. Die Vision von Genossenschaftswohnungen in Mägenwil ist damit definitiv vom Tisch. Über die Gründe der Wohnbaugenossenschaft für ihren Rückzug kann indes nur spekuliert werden. Waren es die Kosten? Auf Nachfrage sagt Präsident Remo Kunz, man habe sich zum Ziel gesetzt, an diesem Standort kostengünstige Genossenschaftswohnungen zu bauen. Im Laufe der fortschreitenden Projektführung habe sich eine Veränderung im Umfeld und Nachfrage im Markt in der Region gezeigt, so Kunz. «Nach erneuter eingehender Analyse des Gesamtprojektes und massgebenden Parameter, hat sich die Genossenschaft entschlossen, sich aus dem Projekt zurückzuziehen und das Land wie begonnenes Projekt zu verkaufen, da das gesteckte Ziel nicht mehr erreicht werden konnte.»

Eklat bei «Frohes Wohnen»?
Vor rund eineinhalb Jahren gab die Genossenschaft bekannt, dass ihr langjähriger Präsident Rolf Schoch per sofort zurücktritt. Schoch war federführend beim Bauprojekt. Auf Nachfrage wollte er sich zu seinem Rücktritt nicht äussern. Es ist jedoch anzunehmen, dass dieser im Zusammenhang mit der Entscheidung der Genossenschaft steht, das Projekt fallenzulassen – auch wenn in der offiziellen Mitteilung von persönlichen Gründen die Rede ist. Rückfragen bei «Frohes Wohnen» waren dazu vor Redaktionsschluss nicht mehr möglich.
Ursprünglich hat das Land im Gebiet «Sandfoore» der Unternehmerfamilie Strebel gehört. Diese hatte bewusst eine Genossenschaft als Käuferin gewählt, wie Tobias Strebel im Namen der Familie sagt. Dass die Genossenschaft ihr Land an eine Immobilienfirma weiterverkauft hat, sei bedauerlich.

Stefan Böker

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