Einigung im Mauerstreit – Sanierungsarbeiten an der Stützmauer sind in vollem Gange
In diesen Tagen kann man live zuschauen, wie eine Trockenmauer entsteht. Nachdem sich die Gemeinde Niederrohrdorf mit den beteiligten Baufirmen geeinigt hat, wird in Holzrüti wieder Stein ...
Einigung im Mauerstreit – Sanierungsarbeiten an der Stützmauer sind in vollem Gange
In diesen Tagen kann man live zuschauen, wie eine Trockenmauer entsteht. Nachdem sich die Gemeinde Niederrohrdorf mit den beteiligten Baufirmen geeinigt hat, wird in Holzrüti wieder Stein geschlagen. Bis Mitte August soll das imposante Bauwerk fertig sein.
Wie viel genau die Gemeinde nun bezahlen muss, damit die Mauer endlich so wie geplant steht, kann Bauverwalter Andreas Ritter noch nicht sagen. «Das geben wir erst nach der Abrechnung bekannt.» Nur so viel: Es werden die sogenannten «Ohnehinkosten» sein. Darunter versteht man Kosten, beispielsweise für zusätzliches Material, die sowieso der Bauherr hätte berappen müssen, wäre das Bauwerk von Anfang an korrekt erstellt worden. Hinzu kommt «ein geringer Anteil des Aufwands zur Aufklärung des Sachverhalts sowie zur Ausarbeitung der Sanierungslösung».
Intensiver Austausch
Seit Oktober 2020 ist die Strasse für Autos gesperrt. Es hat lange gedauert, herauszufinden, warum die Mauer instabil war und wer die Verantwortung dafür tragen soll. Dies auch, weil man immer neue Entdeckungen machte, je mehr man von der Mauer zurückbaute, je mehr Löcher man hinter ihr grub. Heute ist klar: Es wurden auf beiden Seiten Fehler gemacht, bei der Planung wie bei der Ausarbeitung. Die Mauer muss auf ihrer ganzen Länge saniert werden. Die neue Mauer wird stabil sein und optisch dem entsprechen, was sich die Stimmberechtigten wünschten, als sie 2015 den Kredit für die Mauer in Höhe von 300 000 Fr. genehmigten. «So, wie wir es jetzt machen, ist es eine für alle Beteiligten gute Lösung», ist Bauverwalter Ritter überzeugt.
Ursprünglich wurden 180 Tonnen Muschelkalk verbaut. Jetzt hat man rund 15 Tonnen zusätzlich aus dem Steinbruch Fischer geholt. Dieser Naturstein wird auch «Mägenwiler Muschelkalk» genannt. Die Arbeiten sind schon relativ weit fortgeschritten. Bald ist der mittlere Teil der Mauer, der zurückgebaut wurde, wieder wie neu. Unter anderem hat man den Sockel der Mauer verbreitert. Die Hinterfüllung wurde mit grösseren Steinen und Felsen statt mit Kies realisiert. Und quer zum Strassenverlauf wurden zusätzliche, längere Bindesteine eingearbeitet. Damit der bestehende Teil der Mauer stabil bleibt, ohne dass man ihn neu aufbauen muss, spritzen Arbeiter flüssigen Kalkmörtel in die Fugen zwischen die Steine. «Es werden aber gezielt Stellen freigelassen, damit die Mauer ihren ökologischen Wert behält», erklärt Ritter das Verfahren.
Als Subunternehmer ist dieses Mal ein Experte für Trockenmauern beteiligt: Markus Müller aus Bünzen. Dem Gartenbauer liegt dieser ökologische Aspekt sehr am Herzen. «In und um Trockenmauern leben eine Vielzahl von seltenen Pflanzen und Tieren», erklärt er. Eidechsen sonnen sich auf den Steinen, Spinnen, Asseln oder Mäuse krabbeln in ihren Ritzen, Bienen finden hier Nahrung, Vögel ebenso und auch Schlangen lassen sich blicken. Flechten, Mauerpfeffer, Hauswurz und Zimbelkraut sind nur einige der seltenen Pflanzen, die an einer solchen Mauer gedeihen. «Wichtig ist, so natürlich wie möglich zu bauen», sagt Müller. Dazu gehört unter anderem, dass man kein Wurzelvlies verwendet. Diese Barriere würde die Bewohner der Mauer daran hindern, nach oben durchzusteigen.
Die Arbeiten haben am 7. Juni begonnen und sollen Mitte August abgeschlossen sein.
Stefan Böker