Herr der scharfen Schoten sucht Nachfolger
22.10.2021 Stetten, Region Reusstal«Rüsstal Chili» ist über die Region hinaus bekannt – jetzt will Erich Fischer kürzertreten und den Betrieb in gute Hände geben
Vor zehn Jahren hat Erich Fischer mit einer Chili-Pflanze angefangen. Aus dem Hobby ist längst ein Nebenerwerb geworden: ...
«Rüsstal Chili» ist über die Region hinaus bekannt – jetzt will Erich Fischer kürzertreten und den Betrieb in gute Hände geben
Vor zehn Jahren hat Erich Fischer mit einer Chili-Pflanze angefangen. Aus dem Hobby ist längst ein Nebenerwerb geworden: «Rüsstal Chili» ist für seine Produkte aus exotischen, teils besonders scharfen Chilisorten berühmt. Jetzt möchte der 60-Jährige den Betrieb dennoch abgeben.
Vermutlich ist es die letzte Ernte, die Erich Fischer für «Rüsstal Chili» einholt. Und ausgerechnet dieses Jahr gediehen die Pflanzen nicht so gut, wie erhofft: Von den 400 Pflanzen, die er im Frühjahr gesetzt hat, haben es 100 nicht geschafft. Zuerst sei es sehr heiss und dann zu kalt gewesen, erzählt der Chili-Bauer, der hauptberuflich im Sicherheitsbereich einer Bank arbeitet. Licht und Wärme seien vor allem wichtig für den Anbau der Pflanzen, die schon die Maya vor 5000 Jahren züchteten: «Das Gleichgewicht muss stimmen», erklärt Fischer. 25 bis 28 Grad seien bei der Anzucht ideal. Seine Setzlinge zieht er im heimischen Wintergarten, bis sie im Mai zum Reifen in das Gewächshaus kommen. Eine kritische Zeit, in der die Pflanzen besonders empfindlich sind. «Im August kommt dann die hektische Phase, wo es viel Zeit braucht für die Ernte und die Verarbeitung», berichtet Fischer. 300 Arbeitsstunden steckt er in den Betrieb – am Feierabend, an den Wochenenden und in der Ferienzeit. Das sei im jetzt zu viel, erklärt der 60-Jährige: «Ich mag mich auch nicht mehr so viel bücken und verarbeiten.»
Es begann mit einem Geschenk
Angefangen hat vor zehn Jahren alles mit einer einzigen Staude, die er von seinem Bruder geschenkt bekam. Freunde und Bekannte brachten weitere Samen aus dem Urlaub mit. Bald fiel die Ernte so üppig aus, dass Fischer und seine Frau auf die Idee kamen, Chili-Paste daraus herzustellen. Die kam wiederum so gut an, dass die Idee für einen kommerziellen Betrieb nahelag – mit eigens vom Designer entworfenem Logo und Label. Der «Rüsstal Chili» war geboren.
Schärfster und teuerster Chili
20 reinrassige und teils sehr exotische Sorten aus den USA, Mexiko, der Karibik oder Peru baut Fischer mittlerweile an. Darunter ist auch die schärfste Chili-Züchtung der Welt, die «Carolina Reaper», mit sage und schreibe 1,5 Millionen Scoville. So heisst die Skala, auf welcher der Schärfegrad eines Chili angegeben wird. Zum Vergleich: Herkömmlicher Cayenne mittlerer Schärfe hat etwa 50 000 Scoville.
Auch den teuersten Chili der Welt hat Fischer im Sortiment. «Aji Charapita» heisst dieser und gehört zu den teuersten Gewürzen überhaupt: Im Internet wird das Kilo teils für 20 000 Dollar gehandelt. «Die Ernte ist extrem mühsam», sagt Fischer. Denn die Sorte trägt nur sehr kleine gelbe «Beeren» (Chili gehört eigentlich zu den Beerengewächsen und hat streng genommen keine Schoten). Doch auch mit der «Aji Charapita» hatte Erich Fischer dieses Jahr kein Glück: Von 20 Pflanzen hat nur eine einzige die Zeit bis zur Ernte überlebt.
Nahtlose Übergabe wäre ideal
Trotz der nicht ganz so üppigen Ausbeute reiche der Vorrat aber noch bis zum nächsten Herbst: «Ich ernte jetzt für die Saison 2021/2022», erklärt Fischer, der seine Chili-Produkte auf Märkten und im Online-Shop vertreibt. Von «Flöckli» und Saucen aus den verschiedenen Sorten über Öl mit Chili-Note, bis hin zum Chili-Senf mit Meerrettich reicht das Angebot. Das Abfüllen in Säckli, Gläser oder Chili-Streuer übernimmt Fischer ebenfalls eigenhändig.
Das nötige Equipment, wie Küchenmaschine, Gefrierschrank, Gläser und vieles mehr, würde Fischer einem potenziellen Nachfolger oder einer Nachfolgerin überlassen, ebenso wie die gesamte Infrastruktur. Auch die Anbaufläche selbst sowie das Gewächshaus samt Regenwasser-Bewässerungsanlage könnte man dazu pachten: «Die Idee wäre, dass jemand die Idee übernimmt», erklärt Fischer, der gerne auch noch ab und zu ein bisschen mithelfen würde im Betrieb. Vor allem im Frühjahr bei der Aussaat der nächsten Generation des «Rüsstal Chili».
Für sich selbst will er dagegen künftig nur noch «ein, zwei Stüdeli» im Wintergarten behalten – quasi für den Eigenverbrauch. Und zwar nur vom milden Peperoni und vom ebenfalls eher moderat scharfen «sibirischen Hauspaprika». Die extrascharfen Sorten überlässt Fischer ohnehin lieber seinen Kunden. Die können sich am 23./24. Oktober auf dem Altstadtmarkt in Bremgarten bei einer Degustation an ihre persönliche Schmerzgrenze herantasten und die zahlreichen Produkte von «Rüsstal Chili» kennenlernen. Und wer weiss, vielleicht findet sich ja ganz nebenbei noch eine potenzielle Nachfolgerin oder Nachfolger.
Michael Lux


