«Warum soll man Sie als Ammann wählen?»
05.11.2021 Mellingen, Region ReusstalAm 28. November folgt der zweite Wahlgang für das Amt des Gemeindeammanns: Györgyi Schaeffer und Martin Huber im Gespräch
Unternehmer Martin Huber und Gemeinderätin Györgyi Schaeffer – beide wollen Gemeindeammann werden. Was sie bewegt und was sie im ...
Am 28. November folgt der zweite Wahlgang für das Amt des Gemeindeammanns: Györgyi Schaeffer und Martin Huber im Gespräch
Unternehmer Martin Huber und Gemeinderätin Györgyi Schaeffer – beide wollen Gemeindeammann werden. Was sie bewegt und was sie im Städtli bewegen wollen, erzählen sie im Gespräch.
Am 28. November wird bekannt, wer ab Januar 2022 Gemeindeammann ist: Betriebsökonomin Györgyi Schaeffer, die bereits zwei Jahre im Gemeinderat mitgewirkt hat, oder Unternehmer Martin Huber, der in Mellingen aufgewachsen und verwurzelt ist? Im Gespräch nehmen beide Stellung zur Altstadtentwicklung. Sie äussern sich zum Hallenbad, über die Zusammenarbeit im Gemeinderat oder zum Finanzhaushalt.
◆ Der Gemeinderat hat vier schwierige Jahre hinter sich, gelangte immer wieder in die Schlagzeilen. In der Exekutive ist aber ruhige Zusammenarbeit gefragt. Zwar müssen dazu alle beitragen, besonders aber die Person, die künftig Gemeindeammann sein wird. Wie sehen Sie das?
Györgyi Schaeffer: Ich habe zwei Jahre lang Spannungen im Gemeinderat erlebt, die zuweilen auch nach aussen getragen wurden. Mein grosses Ziel ist, dass der Gemeinderat ruhig und konzentriert arbeiten kann. Meine Energie möchte ich konstruktiv einsetzen, sowohl für die Gemeinde als auch für mich selbst. Ich hoffe sehr auf eine gute Zusammenarbeit.
◆ Wie kann das gelingen?
Schaeffer: Wie auch immer die Wahl ausgeht, das Resultat gilt es zu akzeptieren. Zum Wohl der Bevölkerung und der Gemeinde muss es um die Sache gehen. Mir ist wichtig, dass wir über Geschäfte diskutieren, auch unterschiedliche Meinungen zulassen.
Martin Huber: Auf dem Podium hatten alle signalisiert, dass dieser Aspekt wichtig ist. Der Gemeinderat soll sachlich, kompetent und pragmatisch zusammenarbeiten. Wir müssen auch nach aussen eine Einheit bilden. Ich gehe davon aus, dass Mellingen nach den letzten Jahren genau das will.
◆ Während ihrer Legislatur wird die Umfahrung in Betrieb genommen. Zurzeit wird die Plaza-Umfrage ausgewertet. Diskutiert werden drei Varianten: Vereinbarung, öV-Angebot erhalten oder busfreie Altstadt. Wie soll sich die Altstadt entwickeln?
Huber: Ich begrüsse die Belebung der Altstadt. Eine Begegnungszone in der Hauptgasse ist aus meiner Sicht einzig mit der Variante «busfreie Altstadt» möglich, dabei muss der Zubringerdienst jederzeit gewährleistet sein. Nötig wäre auch die Aufwertung des Parkplatzes an der Birrfeldstrasse. Vielleicht braucht es zuerst, abhängig von den Umfrageergebnissen, einen Umweg über die Variante mit öV ...
◆ Wie wird die Gasse belebt?
Huber: Mit einem Markt, einem Stadtbach, einem Brunnen, eventuell einem Holzdach für die Brücke ... Darin sehe ich Chancen für Erhalt und Ausbau von Gastronomie und Gewerbe.
◆ Das reicht?
Huber: Das wird eine Herkulesaufgabe. Grossverteiler werden ausserhalb der Altstadt bleiben. In der Altstadt hingegen ziehen Spezialitätengeschäfte und Gastronomie Publikum an.
◆ Wie sehen Sie das, Frau Schaeffer?
Schaeffer: Die Altstadt darf nicht isoliert betrachtet werden. Sie ist keine Insel. Diese Entwicklung geht einher mit der gesamten Stadtentwicklung – Altstadt, Zentrum, Mellingen. Dabei stellt sich die Frage, wo soll Infrastruktur entstehen? Ängste müssen ernst genommen werden: Die Bergseite sorgt sich, von der Stadt abgeschnitten zu werden, wenn die Brücke gesperrt wird. Auch die Schule hat Ängste ...
◆ Haben Sie darauf Antworten?
Schaeffer: Inputs und Ideen kommen unter anderem aus der Plaza-Umfrage und den Workshops. öV, Parkplätze, Läden, Gastronomie, Kultur, Freizeit, aber auch die Altstadt als Wohnort sollen ein attraktives Angebot bilden.
◆ Das ist die Herausforderung?
Schaeffer: Ja. Die Birrfeldstrasse wird die nächste Entwicklungszone sein: Die beiden Zonen müssen unterschiedlich belebt werden, damit sie sich nicht konkurrenzieren. Sie sollten sich idealerweise ergänzen.
◆ Hat die Exekutive Einfluss?
Schaeffer: Sie kann eine Entwicklung lenken, die Altstadt verschönern. Dazu tragen Spezialgeschäfte bei, Kulturhäuser, öffentliche Gebäude wie das Gemeindehaus oder die Kirche. Dazu gehört auch die Aufwertung des Reussufers, das man fast nur über die Altstadt erreicht. Die Leute wünschen einen Biergarten, Begegnungszonen, vielleicht einfach eine Parkbank. Das Wasser verbindet ...
◆ Der Fluss trennt nicht, sondern verbindet? Die Reuss ist Mellingens idyllische Mitte?
Schaeffer: Ja. Ohne Reuss wäre das Städtchen sein eigener Schatten. Es wäre Verschwendung, die Reuss nicht für Bevölkerung und für Besucher zu nutzen.
◆ Zählt das zu ihren Entwicklungsschwerpunkten?
Schaeffer: Ja. Weil wir keine finanzstarke Gemeinde sind, muss die Kosten-Nutzen-Rechnung besonders berücksichtigt werden. Das schliesst kleinere Investitionen nicht aus. Dennoch müssen wir die Verschuldung im Griff haben. Hohe Priorität hat für mich auch die Kommunikation: Ich will den Kontakt mit unterschiedlichsten Stakeholdern, mit der Bevölkerung und Interessengruppen stärken.
Huber: Ich freue mich sehr auf die Eröffnung der Umfahrung. Wichtig wird für mich die Aufwertung von Birrfeldund Lenzburgerstrasse als regionales Zentrum, auch die Neuansiedlung von Gewerbe und Gastronomie oder die Erschliessung des Reussufers. Der Bevölkerung ist ein stabiler Steuerfuss wichtig. Mit dem Bevölkerungswachstum wird schliesslich die Weiterentwicklung der Verwaltung ins Blickfeld rücken. Mir persönlich ist mittelfristig auch die Neuansiedlung eines Ärztezentrums ein Anliegen. Die Standortattraktivität muss erhöht werden. Schliesslich möchte ich als Vereinsmensch die Vereine unterstützen.
◆ Ein breites Spektrum.
Huber: Hinzu kommen laufende Projekte, die weitergeführt werden müssen. Der neue Gemeinderat muss sich rasch einarbeiten und die Zusammenarbeit mit der Verwaltung fördern.
◆ Da kommen die Finanzen ins Spiel.
Huber: Mellingens Attraktivität muss mit sinnvollen Investitionen gesichert oder gar gesteigert werden. Es gilt, Kosten und Nutzen einander gegenüberzustellen. Als Unternehmer musste ich mit schmalem Budget immer viel erreichen.
◆ Und im Gemeinderat?
Huber: Mit drei neuen Leuten braucht es eine Auslegeordnung der Gemeindefinanzen, eine präzise Analyse. Wie werden die grossen Investitionen der letzten Jahre refinanziert oder amortisiert? Wie viel Schulgeld nehmen wir ein? Welche Mittel sind nötig, um die Infrastruktur zu unterhalten? Daraus resultiert eine Priorisierungsliste: Müssen zukünftige Investitionen, etwa die Sanierung des Hallenbades sofort in Angriff genommen werden oder können sie um ein oder zwei Jahre verschoben werden? Die Pro-Kopf-Verschuldung muss im Auge behalten werden, damit wir den kantonalen Durchschnitt nicht überschreiten und mittelfristig wieder senken können.
◆ Die Sanierung des Hallenbades wird ein grosses Projekt.
Schaeffer: Eine enorme Investition. Wir möchten der Bevölkerung verschiedene Varianten mit unterschiedlichem finanziellem Aufwand vorstellen, sie fragen: Was wollt ihr mit diesem Hallenbad? Seit Bestehen des Hallenbades, seit 45 Jahren, sind dort zwei Generationen baden gegangen. Das Bad muss nicht geschlossen werden. Weil die Bevölkerung aber zahlt, soll sie mitbestimmen können, was damit geschieht.
Huber: Bei einer so grossen Investition sollen Bevölkerung und Fachspezialisten mitreden. Will man das Gleiche oder etwas Neues? Es stellt sich die Frage nach der Frequenz: Wer nutzt das Bad? Als Jugendliche waren wir jeden Mittwoch und Freitag im Hallenbad, später auch mit meinen Kindern.
◆ Die Finanzen stehen über allem?
Schaeffer: Jeder hat seine Ressorts, kennt die Ausgaben. Für das Budget ist der Gemeinderat gemeinsam verantwortlich. Das kann er nicht delegieren. Sollte ich das Ressort Finanzen übernehmen, würde ich die Finanzen in der Gruppe besprechen, damit alle auf dem Laufenden sind. Grössere Projekte müssen mit der Finanzkommission besprochen werden, im Team angeschaut werden.
Huber: Die grossen Ausgaben belasten die Investitionsrechnung und auch die laufende Rechnung. Der aussagekräftige Finanzplan zeigt aber auf, dass wir die aktuellen und bevorstehenden Aufgaben mit dem Steuerfuss von 110 Prozent bewältigen können.
Schaeffer: ... was das Bewältigen der Ausgaben betrifft: Leider ist es so, dass, sobald etwas erledigt ist, Neues in unser Sichtfeld gelangt. Zum Beispiel die Sanierung der Brücke mit Baujahr 1928. Auch dort stellt sich die Frage: Was wollen wir?
◆ Warum soll man Sie, Herr Huber, als Gemeindeammann wählen?
Huber: Als ehemaliger Unternehmer bin ich führungsstark, bestens vernetzt – lokal, regional, auch kantonal. Ich bin verlässlich, kompetent und unvoreingenommen. Seit jeher pflege ich einen kooperativen Führungsstil: Mitarbeitende sollen Verantwortung und Freiraum erhalten, genau wie auch der Gemeinderat. Der partnerschaftliche Dialog soll gepflegt werden, mit Respekt und Akzeptanz, weil wir zusammen arbeiten und Entscheidungen treffen. Wichtig sind mir die Budgetverantwortlichkeit und auch ein gesunder Menschenverstand. Meine Leidenschaft sieht man und man kennt mich in Mellingen als Macher.
◆ Frau Schaeffer, warum sind Sie die geeignete Frau Gemeindeammann?
Schaeffer: Nachdem ich 2019 im Gemeinderat angefangen habe, habe ich für mich gedacht: Ich bin die geborene Gemeinderätin. Ich habe so viel Spass an diesem Amt. Mir gefällt die Vielseitigkeit, dass ich zum Wohle der Gemeinde mitgestalten kann und die Nähe zu den Menschen. Ich kann gut zuhören, bin vorurteilsfrei – vielleicht gerade, weil ich nicht hier aufgewachsen bin. Das macht mich zu einer offenen Gesprächspartnerin ... Ich kenne die Geschäfte im Gemeinderat und habe in dieser Zeit bereits viel für die Gemeinde erreicht. Meine Ausbildung als studierte Betriebsökonomin mit Arbeitserfahrung in Wirtschaftsprüfung, Analyse und Beratung bieten mir eine ausgezeichnete Qualifikation für das Amt des Ammanns.
Heidi Hess


