Ein wahres Wechselbad der Gefühle

Fr, 26. Nov. 2021

Über Kulturausgaben im Budget 2022 entbrannte an der Gmeind eine lebhafte Debatte. Der Gemeinderat musste sich ausserdem kritischen Fragen zur Verschuldung stellen. Überstrahlt wurde das Ganze jedoch von der Verabschiedung des langjährigen Ammanns Bruno Gretener und seines Vizes René Furter.

Enttäuschung, Ärger, Dankbarkeit und Freude – bei der Gemeindeversammlung in der Mehrzweckhalle der Schulanlage Kleine Kreuzzelg war alles dabei. Doch zunächst ging es um nüchterne Themen, sprich die Finanzen. Es galt mehrere Geschäfte zu verhandeln. Einstimmig genehmigt haben die 120 anwesenden Mellinger sowohl den Kredit von 300 000 Franken für neue Garderoben im Feuerwehrmagazin als auch die knapp 4,8 Millionen für die umfangreichen Strassensanierungen in Trottenstrasse, Grumetweg, Langmattweg und Rigiweg. Die Kosten für Hauszuleitungen seien dabei nicht inbegriffen und müssten mit den Eigentümern individuell angesehen werden, erklärte Ammann Bruno Gretener auf Nachfrage. Den Hinweis von Rico Herzig auf die «völlig unbefriedigende Situation» an der Einmündung Trottenstrasse/Bahnhofstrasse durch eine fehlende Trottoirverbindung nahm der Gemeinderat zur weiteren Prüfung an.

Gerichtsstube auf dem Prüfstand
Zu reden gab schliesslich das Budget 2022. Nicht etwa wegen der Anschlusskosten von 2,2 Millionen Franken für den Neubau des Primarschulhauses Kleine Kreuzzelg oder wegen der zwei Millionen Franken, welche die Gemeinde für die Umfahrung an den Kanton bezahlen muss. Auf dem Prüfstand standen vielmehr diverse Ausgaben für Kultur in Höhe von insgesamt knapp 130 000 Franken.
Martin Rubi zeigte sich in einer Wortmeldung besorgt über die Pro-Kopf-Verschuldung und den hohen Steuerfuss von 110 Prozent. Er stellte den Antrag, die Kosten für die Umgestaltung des Ortsmuseums inklusive Kurator und Internetauftritt, die Möblierung der Gerichtsstube, den Ersatz der Bronzetafeln in der Altstadt sowie einen externen Kulturberater aus dem Budget zu streichen: «Ich bin nicht grundsätzlich gegen die Ausgaben, ich frage mich nur, ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist», ergänzte Rubi. Er wünsche sich ein Gesamtkonzept für die Aufwertung der Altstadt, das an der nächsten Gemeindeversammlung vorgestellt werde.
«Darf ich fragen, wann Sie das letzte Mal im Museum waren», fragte Gemeinderätin und Präsidentin der Kultur- und Museumskommission Györgyi Schaeffer in ihrer Erwiderung leicht provokant ins Publikum. Die Ausstellung sei aus dem Jahr 1995 und veraltet. Die Kulturkommission sei seit zwei Jahren daran, gute Konzepte zu erarbeiten, die auch Auswärtige anzögen. Györgyi Schaeffer verteidigte ausserdem die Ausgaben für die Gerichtsstube und betonte die historische Bedeutung von Mellingen als Gerichtsplatz. «Die Gerichtsstube ist das Herz von Mellingen», sprang ihr Hans-Peter Koch, Mitglied der Museumskommission, bei: «Wir sind alle besorgt, über die finanzielle Situation, aber ich finde es nicht gut, die Diskussion auf dem Rücken der Kultur auszutragen.» Rubis Antrag wurde daraufhin mit grossem Mehr abgelehnt und das Budget 2022 mit einem Minus von rund 566 000 Franken und einem Steuerfuss von 110 Prozent genehmigt.

Stunde der Abschiede
Nachdem Gaby Forss und Christian Buser von der Finanzkommission sowie die Schulpflegemitglieder Giuseppe Aleo, Simon Koller und Theodoor Wijshijer verdankt worden waren, erfolgte die sehr emotionale Verabschiedung von Gemeindeammann Bruno Gretener und Vize René Furter. Gretener würdigte seinen Stellvertreter für dessen Engagement als Sicherheitschef beim Gassenfest und im Schulressort. Furter sei «einer, der gut zuhören kann und nicht gleich mit der Tür ins Schulhaus fällt». Mit seiner unaufgeregten und wertschätzenden Art habe er zu einem konstruktiven und guten Verhältnis zwischen Schulpflege, Schulleitung und Gemeinderat beigetragen. Furter habe zudem das Projekt «Primarschulhaus Kleine Kreuzzelg» erfolgreich umgesetzt. In den letzten acht Jahren sei darüber hinaus eine schöne Freundschaft zwischen ihm, seiner Frau Kathrin sowie Furter und dessen Frau Brigitte entstanden. «Bruno, du bist einfach ein toller Mensch und ich vermisse dich jetzt schon ein bisschen», erwiderte René Furter in seiner Laudatio, nachdem er zuvor klar gemacht hatte, dass er und Gretener gerne noch ein paar Jahre weitergemacht hätten. Das mangelnde Vertrauen im Gemeinderat hätte dies aber nicht zugelassen.
Anschliessend würdigte Furter Bruno Greteners langjährige Verdienste: «21 Jahre im Dienst der Stadt Mellingen, fünf Jahre als Gemeinderat und 16 Jahre als Gemeindeammann». In seiner Zeit im Gemeinderat habe er Gretener als Führungspersönlichkeit kennengelernt: «Er ist gut vorbereitet und dossiersicher und hat sich enormes Wissen angeeignet.» Neben seiner Tätigkeit in diversen Ressorts sowie in verschiedenen Vorständen habe Gretener ausserdem als Grossrat den Belangen von Mellingen über die Stadtgrenzen hinaus Gehör verschafft. Da war es nur folgerichtig, dass Ex-Gemeindeschreiber Ernst Pelloli den Überweisungsantrag stellte, Bruno Gretener und seiner Frau Kathrin an der nächsten Gemeindeversammlung das Ehrenbürgerrecht von Mellingen zu verleihen. Der Antrag wurde von der Gmeind unter grossem Beifall angenommen.

Michael Lux

Ganzer Artikel ist nur für Abonnenten verfügbar.
Kategorie: 

Stellenangebote

Immobilienangebote

Kommende Events

Weitere Angebote