Schulhausprojekt «Jim Knopf» zurückgewiesen
30.11.2021 Niederrohrdorf, Region RohrdorferbergGanze fünf Stunden dauerte die Gemeindeversammlung letzten Freitagabend. Es gab viele Wortmeldungen und Rückweisungen
Der Gemeinderat muss beim neuen Schulhaus Jim Knopf nochmals über die Bücher. Der von den Ortsparteien gestellte Rückweisungsantrag fand letzten ...
Ganze fünf Stunden dauerte die Gemeindeversammlung letzten Freitagabend. Es gab viele Wortmeldungen und Rückweisungen
Der Gemeinderat muss beim neuen Schulhaus Jim Knopf nochmals über die Bücher. Der von den Ortsparteien gestellte Rückweisungsantrag fand letzten Freitag eine Mehrheit. Das überraschte nicht, führte der Standort im Vorfeld zu Diskussionen und Kritik.
Es war bereits nach Mitternacht, als Gemeindeammann Gregor Naef das letzte Traktandum ankündigte. Nicht alle hielten bis dann durch, einige verliessen den Saal nach 23 Uhr, einige gegen Mitternacht. Es war eine Marathonversammlung, wie sie der Schreibende selten erlebt hat. Im Zentrum standen zwei Projektierungskredite für das Schulhaus Jim Knopf. Dieses «vereint» Schulräume für die Primar- und Oberstufe und sollte auf dem roten Platz gebaut werden. Der Standort war einer der Hauptgründe, weshalb das Projekt umstritten war. Dass Niederrohrdorf neuen Schulraum braucht, daran zweifelten die wenigsten.
Hansruedi Vogler vermisste ein Konzept für die Aussenanlagen. «Es kann doch nicht sein, dass für eine so grosse Schule und für so viele Vereine lediglich ein Rasenspielfeld zur Verfügung steht.» Er schlug vor, den Neubau an den Rand des Perimeters zu verschieben um mehr Platz für die Aussenanlagen zu gewinnen. Architekt Daniel Zehnder, der schon viele Schulhausprojekte begleitete, fand, dass das Schulhaus am richtigen Ort stehe. Er warnte davor, das Schulhaus ausserhalb des Perimeters zu planen. Das käme einer Ungleichbehandlung gegenüber den anderen Architekten gleich, die am Wettbewerb teilgenommen hatten. «Werden Grundlagen massiv verändert, so muss der Wettbewerb neu durchgeführt werden», so Zehnder weiter.
Zu grosse Fensterflächen
Das Schulhaus sei am richtigen Standort und eine gute Idee. Hingegen kritisierte er die sehr grossen Fensterfronten und die damit verbundene teure und aufwendige Lüftung und Kühlanlage. Er nannte das Beispiel in Würenlingen mit einer ähnlichen Fassade. Grosse Teile der Verglasungen seien dort hinter Gittersteinen. Das erlaube nachts die Fenster zu kippen und die Räume abzukühlen, so Zehnder. Weiter schlug er vor, im Gebiet Gfeend die Aussenanlagen für Sport und Freizeit zu prüfen. Dort nämlich, habe die Gemeinde ausreichend Landreserven – und das in unmittelbarer Nähe zur Schulanlage. Deshalb stellte er einen Rückweisungsantrag mit dem Auftrag, dass Fassaden und Haustechnik sowie die Aussenflächen im Gfeend überprüft werden sollen. Diese Planänderungen würden rund 250 000 Franken kosten. Bernhard Guhl stellt im Namen der Ortsparteien ebenfalls einen Rückweisungsantrag. Der Standort soll, im Gegensatz zum Antrag Zehnder, überprüft werden und so zu wählen, dass eine möglichst grosse zusammenhängende Fläche als Sport- und Pausenplatz bestehen bleibt. Zudem sei das Projekt bezüglich energetischer und raumklimatischer Hinsicht zu verbessern, insbesondere ist eine passive Kühlanlage zu prüfen (Nachtkühlung).
Wie wird abgestimmt?
Nachdem zwei Rückweisungsanträge im Raum standen, war bezüglich des Abstimmungsprozedere unklar, wie vorzugehen ist. Gemeindeschreiber Claudio Stierli meinte, dass man die zwei Anträge gegenüberstellen könne und der obsiegende dem Antrag des Gemeinderates gegenüberstelle. Das sei ihm so vom Kanton mitgeteilt worden. Alt Nationalrat Bernhard Guhl wehrte sich dagegen: «Man kann, nach meinem Demokratieverständnis, über beide Anträge abstimmen». Stierli verneinte und wies nochmals auf den Kanton hin. Schliesslich schlug alt Gemeindeammann Christoph Meiler vor, zuerst darüber abzustimmen, ob das Projekt zurückgewiesen wird und dass erst danach darüber abgestimmt wird, ob der Antrag Zehnder oder der Antrag der Ortsparteien angenommen wird. Das wurde denn auch so gemacht. Für die Rückweisung stimmten 161 Personen, dagegen lediglich 15. Danach stimmten 116 Personen für den Rückweisungsantrag der Ortsparteien und 60 für den Antrag Zehnder. Damit war das Projekt zurückgewiesen und der Gemeinderat in neuer Zusammensetzung hat eine herausfordernde Aufgabe gefasst.
Zügig die nächsten Geschäfte abgehandelt
Die folgenden Traktanden wurden zügig behandelt. Keine Wortmeldungen gab es zur Gesamtrevision der BNO, zur Einführung eines Baugebührenreglementes, zur Teilanpassung des Entsorgungsreglementes und zu zwei Kreditabrechnungen. Diese Geschäfte fanden grossmehrheitlich Zustimmung.
Ja zur Pumptrack-Anlage
Wieder lebhaft diskutiert wurde der Kredit von 177 000 Fr. für den Bau einer Pumptrack-Anlage, wobei der Nettoanteil der Gemeinde 55 000 Fr. nicht übersteigen darf. Der fehlende Betrag sei durch Sponsoren abzudecken, so die Vorlage. Bereits an der letzten Gemeindeversammlung äusserten sich die Stimmberechtigten positiv gegenüber diesem Vorhaben, das von privater Seite initiiert wurde. Zu reden gab der geplante Standort auf der Bünt-Wiese. Walter von Aesch stellte den Antrag, das Projekt zurückzustellen und die Alternative «Gfeend» weiter zu bearbeiten. Denn der Souverän soll schlussendlich über den Standort befinden und nicht die Initianten. Im Namen der Mitte-Partei stellte Beat Fus einen weiteren Antrag. Dieser verlangte keine Deckelung der Kostenbeteiligung der Gemeinde. Niederrohrdorf soll den fehlenden Betrag, der nicht durch Sponsorengelder und Eigenleistungen finanziert werde, übernehmen. Der Antrag von Aesch wurde mit 25 zu 136 abgelehnt. Der Antrag der Mitte-Partei obsiegte in der Gegenüberstellung zum Antrag des Gemeinderates mit 128 Ja zu 34 Nein.
Wer nun geglaubt hatte, damit sei ausdiskutiert, der täuschte sich. Bei der Behandlung des Budgets strich der Souverän eine Position. Intensiv wurde über die Vor- und Nachteile einer Unterflursammelstelle beim Werkhof diskutiert. Der Gemeinderat hatte dafür im Budget 107 000 Fr. eingestellt und weitere 68 000 Fr. für Parkplätze. Die Unterflursammelstelle sei nicht notwendig und führe nur zu Problemen. Weshalb denn etwas ändern, das gut funktioniere, fragte sich Heinz Vogler und stellte den Antrag zur Streichung der 107 000 Franken. Dieser Antrag wurde mit 125 Ja zu 5 Nein deutlich angenommen.
Zwei Verabschiedungen
Am Schluss der Versammlung, die Zeiger waren schon weit über Mitternacht gerückt, wurden Martina Egger und Gregor Naef verabschiedet. Beide traten im Herbst nicht mehr zur Wiederwahl an. Egger war zwölf Jahre im Gemeinderat, Naef zwölf Jahre Gemeindeammann. Beide erwähnten, dass sie diese Arbeit mit sehr viel Freude gemacht hätten und es eine lehrreiche, interessante, manchmal auch fordernde, Zeit gewesen sei. Und beide betonten den angenehmen Umgang im Gemeinderat mit der Verwaltung und mit der Bevölkerung. Die Stimmbürger dankten Egger und Naef mit einem grossen Applaus.
Benedikt Nüssli


