Die Brunner-Hüsser-Stiftung nimmt noch bis zum 26. November Bewerbungen an
Vor 123 Jahren stiftete die Mellingerin Maria Magdalena Josepha Brunner, geborene Hüsser, 5000 Franken um «armen braven Knaben und Mädchen die Erlernung eines Berufes oder Handwerks zu ...
Die Brunner-Hüsser-Stiftung nimmt noch bis zum 26. November Bewerbungen an
Vor 123 Jahren stiftete die Mellingerin Maria Magdalena Josepha Brunner, geborene Hüsser, 5000 Franken um «armen braven Knaben und Mädchen die Erlernung eines Berufes oder Handwerks zu ermöglichen». Hunderte Jugendliche profitierten davon. Heute reicht es nur noch für einen kleinen Zustupf.
Die «hochherzige Schenkung», wie es in den Stiftungs-Statuten heisst, war im Jahr 1898 tatsächlich eine stattliche Summe. 5000 Franken entsprachen immerhin einer heutigen Kaufkraft von über 60 000 Franken. Zum Vergleich: Ein Schreiner verdiente um 1900 gerade einmal 39 Rappen die Stunde.
Über die grosszügige Spenderin selbst ist leider nicht mehr viel bekannt. Nur, dass sie ursprünglich aus Zürich kam und 1898 in Mellingen gestorben ist. Gemeindeschreiber und Aktuar Beat Deubelbeiss glaubt ausserdem gehört zu haben, dass die Familie einen handwerklichen Hintergrund hatte und Brunner aus einem Schreinereibetrieb stammte.
Die Erträgnisse des Stiftungkapitals sollten daher Lehrlingen, aber genauso Studenten, während ihrer Ausbildungszeit zugute kommen. Anspruch auf die Stipendien sollten allerdings nur «Söhne und Töchter unbemittelter Einwohner der Gemeinde Mellingen jeder Konfession» erhalten, liess die Stifterin in den Statuten festschreiben. In den Genuss der Zuwendungen müssten seither Hunderte Auszubildende gekommen sein, vermutet Beat Deubelbeiss, der zusammen mit Hans Dietemann sowie Stiftungspräsidentin und Gemeinderätin Györgyi Schaeffer in der Kommission sitzt, die jährlich über die Vergabe der Stipendien entscheidet. Doch obwohl im Laufe der Zeit weitere Spender die Stiftung in ihrem Testament bedacht haben, können die Kandidaten mit den maximal dreistelligen Summen keine allzu grossen Sprünge mehr machen: «Die Stiftung hat keine unbegrenzten Möglichkeiten, aber wenn man kein Geld hat, freut man sich auch darüber», gibt Györgyi Schaeffer zu bedenken. Die Präsidentin würde sich ihrerseits freuen, wenn die Stiftung wieder mehr Bekanntheit erlangen und das Kapital sich durch zusätzliche Schenkungen erhöhen würde.
Wie hoch das Stiftungskapital derzeit genau ist, soll nicht veröffentlicht werden. Ebenso wenig werden Namen von Begünstigten herausgegeben. Zwei bis drei Bewerbungen erhält die Stiftung durchschnittlich pro Jahr. Diese würden meist auch berücksichtigt, sofern die Voraussetzungen stimmten, erklärt Deubelbeiss: «In der Regel können sie das Geld bar abholen». Die Frist für die aktuelle Ausschreibung der Stipendien läuft noch bis 26. November. Bewerbungen, inklusive Studiennachweis oder Lehrvertrag, sind schriftlich an die Gemeindekanzlei zu richten. Die Redaktion würde sich hingegen über Zuschriften von Leserinnen und Lesern freuen, die mehr zu Leben und Person von Maria Magdalena Josepha Brunner erzählen können.
Michael Lux