Wie weiter mit Plaza, Hallenbad und Reussbeiz?
12.11.2021 Mellingen, Region ReusstalAm 28. November entscheiden die Mellingerinnen und Mellinger, ob Beat Gomes oder Evelyne Wernli Vizeammann wird
Es ist Wahlkampf. Das wird schnell klar beim Gespräch mit den beiden Kandidierenden für das Amt des Vizeammanns. Gomes und Wernli äussern sich zum Hallenbad, zur ...
Am 28. November entscheiden die Mellingerinnen und Mellinger, ob Beat Gomes oder Evelyne Wernli Vizeammann wird
Es ist Wahlkampf. Das wird schnell klar beim Gespräch mit den beiden Kandidierenden für das Amt des Vizeammanns. Gomes und Wernli äussern sich zum Hallenbad, zur Reussbeiz und zum Zweierticket.
Ist «Plaza gestorben» oder ist es einfach «entwicklungsfähig»? Beat Gomes und Evelyne Wernli nehmen Stellung zu wichtigen Themen in Mellingen. Dabei zeigen sich nicht nur Unterschiede, sondern auch Gemeinsamkeiten.
◆ Sie wollen beide Vizeammann werden? Was ist Ihre Motivation?
Evelyne Wernli: Aufgrund meiner Qualifikation als Geschäftsführerin, ehemalige Präsidentin der CVP-Frauen Aargau, sowie diversen Einsitzen in Vorständen und als Kirchenrätin der römisch-katholischen Landeskirche Aargau mit Exekutiverfahrung, kann ich dieses Amt ausüben und traue es mir auch zu. Mir ist bewusst, dass das Amt des Vizeammanns nicht überschätzt werden soll. Ich stehe der Person, welche als Ammann gewählt wird, zur Seite, wenn Fragen gemeinsam gelöst werden sollen.
Beat Gomes: Als Frauenförderer stehe ich vor allem hinter Györgyi Schaeffer. Ich ging davon aus, dass mit Schaeffer und Wernli zwei Frauen an der Spitze stehen könnten. Zwar bin ich der Meinung, dass die Besetzung Frau und Mann ideal wäre für diese Ämter: Wird Schaeffer Gemeindeammann, sollte der Vizeammann männlich sein. Und umgekehrt. Ich hatte mir sogar überlegt, Evelyne Wernli den Vortritt zu lassen. Dann aber drehte der Wind, Wernli setzte auf ein Zweierticket mit Martin Huber. Das hat mich irritiert: Warum dieses parteipolitische Vorgehen? Warum macht nicht einfach jeder sein Ding?
◆ Evelyne Wernli?
Wernli: Ich hätte mir ein Frauenticket gewünscht, weil ich es als grosse Chance für Mellingen gesehen hätte. Dies ist nicht zustande gekommen. Aus Loyalität ihrem Gemeinderatskollegen gegenüber hat Györgyi Schaeffer mir im ersten und zweiten Wahlgang abgesagt, was ich sehr gut verstehen kann. Schaeffer war zudem in der Presse zitiert worden («Aargauer Zeitung», 8.10., Anm. d. Red.), Mellingen sei möglicherweise nicht bereit für zwei Frauen an der Spitze ... Beat Gomes zusammen mit ihr werde gewählt, falls die Mehrheit die Erfahrung als wichtig einschätze, wenn die Mehrheit fände, dass Einsteiger diese Ämter gleich gut ausüben wie Erfahrene, könnte Martin Huber zusammen mit mir gewählt werden.
◆ Sie haben sich neu orientiert?
Wernli: Das führte letztlich zu meiner persönlichen Auslegeordnung: Entweder kandidiere ich alleine oder gemeinsam mit Martin Huber.
◆ Was bedeutet das jetzt für die Zusammenarbeit in der Exekutive?
Gomes: Es ist Wahlkampf. In Mellingen sind wir uns das nicht gewohnt. Möglicherweise habe ich das politische Klima leicht aufgerauht. Durch meine Art, meine Sprache. Ich halte Gegenwind aus. Und ich werde die Neuen so oder so unterstützen. Als Vizeammann oder als Gemeinderat ...
◆ Die Frage bleibt: Wie wird die Zusammenarbeit im Gemeinderat?
Gomes: Hervorragend ...
Wernli: ... ja, das glaube ich auch.
◆ Dann also zur Umfahrung. Freuen Sie sich auf die Eröffnung?
Wernli: Auf jeden Fall.
◆ Danach geht es mit der Altstadt weiter. Wo liegen die Schwerpunkte?
Wernli: Der Individualverkehr muss raus, die Seitengassen von den Parkplätzen befreit werden, Zubringer muss möglich bleiben. Ich wünsche mir, dass wir es schaffen, die Altstadt in ein paar Jahren vom öV zu befreien. Ohne Parkhäuser wird das aber nicht bis 2023 gelingen.
Gomes: Die öffentliche Diskussion läuft zurzeit falsch. Plaza tönt chic, wurde aber durch Covid behindert. Es fand keine freie Diskussion statt. Die Diskussion wurde orchestriert. Als Gemeinderat hatte ich mich heraus gehalten, muss mich jetzt aber äussern. Der neue Gemeinderat muss nochmals über die Bücher. Die Anzahl Busse in der Altstadt ist unwichtig. Aber als Brückenstadt verbinden wir die beiden Ortshälften seit 700, 800 Jahren. Wir müssen gut überlegen, ob wir die Löcher einfach schliessen können ...
◆ Plaza muss neu aufgerollt werden?
Gomes: Plaza ist gestorben.
◆ Workshops, Umfrage, Auswertung? Da wurde viel Geld reingesteckt ...
Gomes: Nein. Das war nicht so teuer. Das war politisch unreif, weil früh Möglichkeiten eingeschränkt wurden. Etwa beim Parkhaus. Wie aber unter diesen Voraussetzungen Visionen entwickeln? Wir müssen grösser denken!
◆ Die Zeit drängt.
Gomes: Nein, eben nicht. Das ist der grosse Irrglaube. Wir geben nicht 2,5 Millionen Franken aus, ohne die grossen Zusammenhänge zu verstehen.
Wernli: Für mich ist Plaza entwicklungsfähig. Ich erlebte das als sehr gutes Tool, ich habe auch an beiden Workshops teilgenommen. Tatsächlich sah man sich zu Beginn einer gewissen Starre ausgesetzt, arbeitete mit vorgespurten Projekten. Dennoch entstand eine dritte Verkehrsvariante für die Umfrage, welche nun der Bevölkerung vorgelegt werden konnte. Mir stellt sich die Frage, muss die Hauptgasse sofort in Angriff genommen werden?
Gomes: Viel wichtiger ist: Was passiert um die Stadt herum? Bahnhofstrasse, Zentralplatz, Birrfeld, vor dem Törli. Wir müssen jetzt die Weichen stellen, fantasieren und träumen. Nachfolgende Generationen sollen uns keine Vorwürfe machen.
◆ Was uns zu den Finanzen bringt. In Mellingen stehen Sanierungen an, das Hallenbad, auch die Brücke ... Wie bleibt der Finanzhaushalt im Lot?
Gomes: Der bleibt nicht im Lot. Der neue Gemeinderat steht vor einer Herkulesaufgabe. Wir müssen die Gemeindefinanzen komplett durchleuchten. Wo sparen? Wie kommen wir zu Geld? Weil wir am Limit sind – 85 Prozent sind gebundene Ausgaben – sparen wir und quälen einander.
Wernli: Tatsächlich haben wir eine hohe Pro-Kopf-Verschuldung, die laut Finanzplan 2025 den Peak erreichen wird, mit etwas mehr als 4000 Franken Nettoschuld. Der Steuerfuss soll dennoch bei 110 Prozent bleiben. Daher wird es kein Wunschkonzert geben. Letztlich führen grosse Investitionen – etwa das Schulhaus – einfach zu hoher Pro-Kopf-Verschuldung. Rückstellungen werden nötig sein. Gleichzeitig müssen Sanierungen ausgeführt werden. Als Neue kann ich mich zurzeit nur auf Rechnung und Budget verlassen. Ich habe durchaus Vertrauen in den bisherigen Gemeinderat. Ich gehe davon aus, dass wir hart am Limit sind, die Finanzen sollen nicht aus dem Ruder laufen.
Gomes: Vernachlässigt wurde das Standortmarketing. Wir brauchen neue Einnahmen. Wir haben Industrieland und hätten längst mehr machen können für Firmen.
Wernli: Auch ich möchte eine attraktive BNO-Umsetzung: Mellingen soll unter anderem dadurch Gewerbe und Geschäfte anziehen.
◆ Was ist mit dem Hallenbad?
Wernli: Es ist rund 50-jährig. Mit Renovation und Sanierung gibt es vielleicht Möglichkeiten, den Aussenbereich attraktiver zu gestalten. Das Hallenbad wird wohl ein Defizitgeschäft bleiben, selbst wenn wir es an Aussengemeinden vermieten. Es soll aber zumindest ein attraktives Defizitgeschäft bleiben.
Gomes: Ich war in der Hallenbadkommission. Der Gemeinderat hatte die Sanierung zehn Jahre lang vor sich her geschoben ... Dank der Hallenbadkommission, die ehrenamtlich arbeitet, also für wenig Geld, konnte das Defizit klein gehalten werden. Jahr für Jahr aber stiegen die Kosten. Das Bad lottert und rinnt, schifft wirklich aus jeder Ritze.
◆ Das heisst?
Gomes: Von mir aus kann man das Bad sprengen, weil es eine Fehlplanung war. Man wusste es damals nicht besser und das Geld fehlte – obwohl die umliegenden Gemeinden mitfinanzierten. Das Bad war als Schulbad konzipiert. Es existierten Abkommen. Heute kommen noch 2400 Franken pro Jahr von aussen rein. Jedes Billett subventioniert Mellingen mit 2 oder 3 Franken, auch für Mägenwil oder Oberrohrdorf. Niemand wollte das ändern. Heute beträgt das Defizit zwischen 100 000 bis 200 000 Franken.
◆ Was ist die Option?
Gomes: Der Gemeinderat soll machen, wofür ich immer eingestanden bin, Transparenz schaffen, ehrlich sein und Varianten vorlegen. – Übrigens habe ich im alten Gemeinderat soeben den Projektierungskredit zur Sanierung des Hallenbades für rund 250 000 Franken gebodigt: Er hätte den Stimmberechtigten an der kommenden Gemeindeversammlung vorgelegt werden sollen. Dieses Geschäft aber soll der neue Gemeinderat bearbeiten. Er muss die Bevölkerung fragen: Wollt ihr noch ein Hallenbad? Eines für 6, 10 oder eines für 15 Millionen Franken mit Freibad? Es wird ein Ideenwettbewerb nötig sein.
Wernli: Ich frage mich, inwieweit kann die Bevölkerung befragt werden? Ein Wunschkonzert kann es nicht sein. Ein Wettbewerb, aus dem drei gute Projekte hervorgehen, welche dann dem Volk vorgeschlagen werden, könnte aber sinnvoll sein.
◆ Wie sollen Besucher das Städtli künftig wahrnehmen?
Wernli: Mir ist das Zusammenwachsen des Gemeinderates und die Nähe zur Bevölkerung wichtig. Der Zugang von den Aussenquartieren muss attraktiver werden, vom Quartier Gheid ins Städtli. Die Birrfeld-, Lenzburgerund Bahnhofstrasse sollen miteinbezogen werden. 2020 haben wir auch gesehen wie beliebt eine Beiz am Reussufer ist. Mellingen besitzt eine tolle Liegenschaft am Reussweg 1. So wird zwar nicht gespart ...
Gomes: ... Investoren stehen bereit ...
Wernli: ... aber dort könnte man umbauen, eine Sommerbeiz einrichten. Vielleicht sogar mit Steg? Das würde das Städtli aufwerten. Im oberen Bereich wäre vielleicht Platz für einen Jugendraum? Auch die Ecke an der Bruggerstrasse, beim Hexenturm ist grossartig. Warum das Städtchen nicht von aussen nach innen entwickeln, alle schönen Plätze berücksichtigen ... und die Hauptgasse später.
◆ Beat Gomes?
Gomes: Die Blumen- und Gartenstadt Mellingen, in die man aus der ganzen Schweiz strömt. Man will sie sehen und erleben. Dabei fragt man sich, wie machen die das bloss in Mellingen?
Heidi Hess


