Heizung runterdrehen «ja», kalt duschen «nein»
21.10.2022 Serie im ReussboteRegion: Eine Strassenumfrage der «Reussbote»-Redaktorin Debora Gattlen: Drohende Energiekrise, wo können wir sparen, was gönnen wir uns?
Der Bund hat zum Energiesparen aufgerufen. Noch gibt es keine konkreten Vorgaben durch den Kanton. Trotzdem geht die Bevölkerung ...
Region: Eine Strassenumfrage der «Reussbote»-Redaktorin Debora Gattlen: Drohende Energiekrise, wo können wir sparen, was gönnen wir uns?
Der Bund hat zum Energiesparen aufgerufen. Noch gibt es keine konkreten Vorgaben durch den Kanton. Trotzdem geht die Bevölkerung mit gutem Beispiel voran.
Spare in der Zeit, dann hast du in der Not. Nach diesem Sprichwort handeln die Befragten in der Region. Aktuell liegen nur Empfehlungen zum Energiesparen vom Bund vor. Mit der Kampagne «Jede Kilowattstunde zählt» stimmt er die Bevölkerung auf einen energiearmen Winter ein. Die Schweizer Bevölkerung soll frühzeitig Strom sparen, damit auch im Winterhalbjahr genügend vorhanden ist. Der bundesrätliche Appell verhallte in unserer Region nicht ungehört. Die Befragten haben bereits auf LED umgerüstet, duschen weniger warm und senkten die Raumtemperatur ab.
Debora Gattlen
Alice Meier (70) Starretschwil
Ich und meine Familie haben immer sehr umweltbewusst gelebt. Heute schaue ich, dass ich am Morgen und am Abend weniger rasch das Licht einschalte. Wir haben bereits unsere Glühbirnen gegen LED-Leuchten ausgetauscht. Das habe ich auch als Hüttenwartin in der Waldhütte gemacht. Das trägt schon sehr viel zum Energiesparen bei. Ich benutze grundsätzlich nicht so viele Elektrogeräte. So raffle und verquirle ich von Hand. Zudem kocht mein Mann das Wasser für den Tee mit dem Wasserkocher statt mit der Pfanne auf. Im Wohnwagen benutzen wir einen Gaskocher. Um Gas zu sparen, wird er nur kurz eingestellt. Bis jetzt habe ich vor der Energiekrise keine Angst. Wir werden uns trotzdem drei Wochen Ferien mit dem Wohnwagen pro Jahr gönnen.
Germanus Rippstein (75) Tägerig
Ich habe bei mir zu Hause schon alles auf LED umgerüstet. Die Heizung habe ich bereits leicht, auf 21 Grad, abgesenkt. Wir haben bereits früher in der Übergangszeit mit Holz geheizt. Mit dem Tibi-Herd können wir nicht nur mit Holz kochen, sondern auch zur Not heizen. Wir haben genügend Holz zu Hause. Zudem füllen wir die Waschmaschine mehr. Ich habe aber wenig Angst, dass wir im Winter keinen Strom haben. Ich denke, dass viel auf Angst gemacht wird.
Marlené Gasche mit Hund Ena, Trudy Blatter und Heidi Fallegger, Oberrohrdorf
Marlené Gasche sagt: «Zu Hause habe ich die Beleuchtung auf LED umgestellt. In der Zukunft werde ich schauen, dass ich die Waschmaschine und den Geschirrspüler mehr fülle. Im Frühjahr werde ich die Ölheizung durch eine Pelletheizung mit Feinstaubfilter ersetzen. Wegen der langen Lieferfristen ging das leider nicht früher.» Trudy Blatter sagt: «Sparpotenzial sehe ich in den Fitnesszentren. Dort müsste nicht alles beleuchtet sein. Zu Hause heize ich nicht alle Räume und zudem werde ich die Beleuchtung auf LED umstellen.» Heidi Fallegger sagt: «Wir haben schon als Kinder gelehrt, das Licht auszuschalten, wenn man den Raum verlässt. Das ist bei mir immer noch drin.» Alle drei sagen: «Auf das elektrische Zähneputzen verzichten wir im Moment noch nicht. Trotz der Putin-Krise wollen wir aber definitiv im Winter nicht in unseren eigenen vier Wänden frieren müssen.
Danny Jeker (59) und Denise Jeker (44) Mellingen
Wir essen seit dem Sommer mehr kalte Sachen, statt immer zu kochen. Zudem nutzen wir einen Wasserkocher. Damit kann man Energiefresser umgehen. Energie sparen kann man aber auch im kleineren Rahmen. Wir haben alle Glühbirnen auf LED umgerüstet und im Wohnzimmer auch Lampen mit Solarmodulen installiert. Wir haben auch eine leistungsstarke Powerbank, die mit Solarzellen aufgeladen wird. Damit laden wir unsere Handys und andere Kleingeräte. Die Heizung werden wir auch noch runterschalten und dafür auf dem Sofa eine Wohndecke benutzen. Was wir nicht machen, ist kalt duschen. Wir sind zufrieden, wenn wir mit den Sparmassnahmen die Teuerung ausgleichen und erst noch etwas für die Umwelt machen können.
Lara Lüthi (18) Wohlen
Ich gehe schon immer sehr bewusst mit Ressourcen um. Zu Hause haben wir die Heizung auf 22 Grad runtergestellt. Ich habe nicht gross Angst vor einer möglichen Energiekrise im Winter. Ich denke, dass der Strom für alle reicht. Unser Wirtschaftslehrer von der Berufsschule hat uns gesagt, dass wenn die Schweiz zu wenig Strom hätte, das jetzt schon der Fall wäre.
Gabriel Cina (42) Niederwil
Ich habe keine Angst vor der Energiekrise. Wir sparen schon lange Energie und haben bereits auf LED umgerüstet. Zudem achten wir darauf, dass die Waschmaschine immer gut gefüllt ist. Da wir bereits die Raumtemperatur auf 20 Grad eingestellt haben, brauchen wir diese zurzeit nicht zu senken. Wir werden die Situation beobachten und die Raumtemperatur allenfalls anpassen. In der Übergangszeit heizen wir jeweils das Cheminée ein. Allenfalls nutzen wir dieses mehr.
Max Herzog (75) Mellingen
Alles aufgeben muss man nicht. Trotzdem kann man Strom sparen. Ich habe die Bodenheizung auf 20/21 Grad eingestellt. Zudem heize ich die Räume mit Bad und WC nicht. Da die Räume dazwischen liegen, werden sie auch so beheizt. Die Vermieterin hat einen Brief geschrieben und Tipps gegeben, wie man Strom sparen kann. So zum Beispiel mit Stosslüften. Wenn alle etwas machen, kommt es im Winter gut und es gibt keine Energiekrise. Hoffe, dass sich alle ein wenig daranhalten.
Josef Müller (81) Tägerig
Ich versuche, möglichst wenig Energie zu verbrauchen. Ich heize nur noch in der Nacht. Zudem schaue ich darauf, möglichst wenig Licht anzuzünden. Als Rentner muss man schon sparen, wenn man nur die AHV-Rente hat. Alles ist teurer geworden. Trotzdem bin froh, dass ich nicht mehr arbeite. Ich konnte noch in den guten Jahren unter anderem das Restaurant Adler in Tägerig führen. Heute ist nicht nur Energie knapp, sondern auch die Kultur der Menschen hat sich verändert.
Gabriela Meier (58) Mägenwil
Ich habe vor, im Winter den Kühlraum im Blumenladen in Fislisbach nicht zu kühlen, sondern mit dem Fenster die Temperatur zu regulieren. Die Blumen bleiben so auch frisch. Da der Laden mit einer Gasheizung beheizt wird, habe ich vorgesorgt, dass ich und meine Angestellten bei einem Engpass nicht frieren müssen. Ich habe einen Holzofen bestellt. Da ich das Ausstellungsstück kaufen konnte, wird der Ofen ohne lange Lieferfrist demnächst installiert. Holz kann ich von zu Hause mitnehmen. Daher muss ich auch nicht fürchten, dass ich kein Holz bekomme. Zu Hause werde ich weniger das Licht einschalten. Ich hatte schon immer die Einstellung, dass man sich auf das Wesentliche besinnen soll. Diese Einstellung vertrete ich auch noch heute. Man weiss nie, wie sich die Situation entwickelt. Trotzdem kann man sich selbst zwischendurch auch etwas Gutes tun. Das haben wir auch in unserem Blumengeschäft gespürt. Viele Menschen gönnten sich während der Corona-Zeit Blumen für ihr Zuhause.
Peter Lutz (77) Widen
Ich bin viel als Fahrer für das Rote Kreuz unterwegs. Ich sehe nicht, dass wegen des hohen Benzinpreises Leute auf das Autofahren verzichten. Der monetäre Druck ist zu gering. Ich hatte ein gutes Leben und bin in einem privilegierten Land zur Welt gekommen. Daher engagiere ich mich ehrenamtlich beim Fahr- und Begleitdienst. Es schadet nicht, wenn wegen der Energiekrise Menschen sparen oder auch auf Sachen verzichten müssen. Ich persönlich benutze zum Energiesparen den Tumbler nicht mehr. Das ist reiner Luxus. Auch die Heizung habe ich bereits um zwei Grad runtergedreht. Eine etwas tiefere Raumtemperatur tut nicht nur der Umwelt gut, sondern ist erst noch für die Menschen gesünder. Auf unserem Betrieb in Widen stellen wir zudem dem AEW unser Dach für eine Photovoltaik-Anlage zur Verfügung. Demnächst werde ich auf ein E-Auto wechseln. Das ist vor allem sinnvoll, wenn diese in der Zukunft als Zwischenspeicher für EWs genutzt werden können.










