«Wärme in die Herzen der Menschen bringen»
22.11.2022 Mellingen, Region ReusstalMellingen: Bei der Gmeind am Donnerstagabend wurde rege diskutiert – dabei ging es jedoch nicht nur um die traktandierten Geschäfte
Kreditabrechnungen und Budget genehmigten die Stimmbürger mit grossem Mehr. Emotional wurde es beim Thema Weihnachtsbeleuchtung. Auch die ...
Mellingen: Bei der Gmeind am Donnerstagabend wurde rege diskutiert – dabei ging es jedoch nicht nur um die traktandierten Geschäfte
Kreditabrechnungen und Budget genehmigten die Stimmbürger mit grossem Mehr. Emotional wurde es beim Thema Weihnachtsbeleuchtung. Auch die Schliessung der Hallenbad-Sauna sowie der Sammelstelle im Werkhof gaben zu reden.
Doch zunächst ging es um nüchterne Geschäfte. Die Kreditabrechnungen für die Sanierung von Mattenstrasse, Feldstrasse und Farnstrasse sowie die Erschliessung Grossmatt segneten die Stimmbürger ebenso eindeutig ab, wie das Protokoll der letzten Gemeindeversammlung. Zumal die bewilligten Kredite aufgrund günstiger Vergaben unterschritten werden konnten. Dies werde bei den kommenden Strassenbauprojekten wohl nicht der Fall sein, warnte Gemeinderat Martin Huber: «Es ist davon auszugehen, dass die Teuerungen im Strassenbau zwischen acht und 12 Prozent sein werden», sagte er, betonte jedoch auf Nachfrage, dass es sich dabei um eine Annahme handle.
Reibungslos aus Sicht des Gemeinderates verliefen die Abstimmungen über die beiden Teiländerungen der Nutzungsplanung Siedlung und Kulturland. Dabei ging es um eine Restfläche von 1474 m2 östlich der Umfahrung in der Landwirtschaftszone, auf der die Gemeinde einen neuen Kugelstossplatz sowie ein Beachvolleyballfeld realisieren will. Ausserdem soll die heute unbebaute Parzelle 141 über die Industriestrasse erschlossen werden («Reussbote», 4. November). Alt Ammann Paul Zürcher sprach in diesem Zusammenhang mahnende Worte. Er wies darauf hin, dass die Fortsetzung der Umfahrung ursprünglich auch über die Industriestrasse bis zur Bremgartenstrasse geplant gewesen sei. Daher solle man künftig nur noch von der «Teilumfahrung Mellingen» sprechen: «Helfen wir einander, dass der Kanton überzeugt werden kann, die Umfahrung fertig zu bauen», lautete sein Appell, der grossen Applaus erntete.
Keine Wortmeldungen gab es zum ebenfalls grossmehrheitlich bewilligten Budget 2023, das bei einem unveränderten Steuerfuss von 110 Prozent ein Minus von rund 638 000 Franken aufweist. «Zusammenfassend können wir feststellen, dass die Generationenprojekte abgeschlossen sind», sagte Frau Gemeindeammann Györgyi Schaeffer mit Blick auf die zukünftig zu erwartenden, geringeren Investitionen. Mit der Hallenbadsanierung steht aber in den nächsten Jahren noch ein grösserer Brocken an. Für einen Landentschädigungsfall hat die Gemeinde ausserdem Rückstellungen in Höhe von 1,08 Millionen Fr. getätigt.
Beleuchtung ja, Sauna nein
Mehre Wortmeldungen und Anträge gab es unter dem Traktandum «Verschiedenes»: «Ich bin der Meinung, dass unsere Mellinger Weihnachtsbeleuchtung gerade in diesem speziellen Jahr unser Städtli in ein stimmungsvolles und vorweihnachtliches Licht hüllen sollte», fand Trudi Rubi. Sie stellte den Antrag, die Weihnachtsbeleuchtung, entgegen den Plänen des Gemeinderates, auch in diesem Jahr leuchten zu lassen. So solle man etwas Wärme in die Herzen der Menschen bringen. Sie wies ausserdem darauf hin, dass in den vier Seitenstrassen der Altstadt die normalen Strassenlaternen abgeschaltet würden, solange die Weihnachtskerzen brennen. Unter anderem sprang ihr Stefan Florjanˇciˇc bei: «Auf die paar Kilowattstunden zu verzichten wäre völliger Mumpitz», sagte er. Der zuständige Gemeinderat Beat Gomes nahm die Entscheidung des Gemeinderats auf sich: «Wir haben gedacht, es ist ein grossartiges Signal.» Man habe die Entscheidung rein rational getroffen, dabei aber nicht die emotionale Seite bedacht, bedauerte er: «Ich glaube aber, wir können es noch kehren.» Nach einer entsprechenden Konsultativabstimmung versprach der Gemeinderat am Montagabend in seiner Sitzung noch einmal über das Thema zu beraten und signalisierte, dass die Chance auf eine Rücknahme der Massnahme gut stände. Keine Mehrheit fand hingegen die anschliessende Konsultativabstimmung auf Initiative von Michael Lüthi. Er hatte die Schliessung der Hallenbadsauna kritisiert und eine Rücknahme gefordert.
Emotional wurde es auch bei der Wortmeldung von Moritz Hufschmid. Er zeigte sich empört über die geplante Schliessung der Sammelstelle beim Werkhof in der Bahnhofstrasse zum Beginn des kommenden Jahres, von der er nur zufällig erfahren habe. Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, erklärte Martin Huber. «Der Aufwand und der Ertrag stimmen nicht mehr überein», sagte er. Die Sammelstelle werde immer weniger genutzt, da die Leute ihren Abfall zu den grossen Recyclingzentren der Region brächten. Die beengten Gegebenheiten vor Ort seien ohnehin nicht optimal. Auch habe man für die beiden pensionierten Herren vor Ort keine Nachfolge gefunden. Florjanˇciˇc stellte darauf hin einen Überweisungsantrag, der mit 34 Ja- und 38 Nein-Stimmen knapp abgelehnt wurde.
Michael Lux


