Nicht alle halten sich an die neuen Regeln
04.11.2022Die Umfahrung ist offen. Weiterhin wird die Durchfahrt durch die Altstadt aber rege benutzt. Im Städtli ist man enttäuscht. Der Kanton spricht von einer Gewöhnungsphase.
Vor dem Restaurant Löwen stehen am Montag Tische und Bänke auf dem Trottoir. Tag eins: Die ...
Die Umfahrung ist offen. Weiterhin wird die Durchfahrt durch die Altstadt aber rege benutzt. Im Städtli ist man enttäuscht. Der Kanton spricht von einer Gewöhnungsphase.
Vor dem Restaurant Löwen stehen am Montag Tische und Bänke auf dem Trottoir. Tag eins: Die Umfahrung ist in Betrieb und in der Altstadt gilt das neue Verkehrsregime mit Sperrzeiten und Lastwagenfahrverbot. Am letzten Tag im Oktober ist es warm, in die Hauptgasse scheint während einigen Stunden die Sonne. Martina Wagen, Wirtin im «Löwen», hat zur Eröffnung der Umfahrung Tische in die Gasse gestellt. Sie bietet Kaffee und Kuchen an. «Jeden Tag etwas Besonderes», sagt sie. In dieser Woche heisst es beim «Löwen» «Flanieren und Dinieren: Wir feiern die fast autofreie Hauptgasse mit einem Umfahrungsmenü.» Sie wolle Leben in die Altstadt bringen mit speziellen Angeboten, sagt Wagen – Metzgete, Currytage oder ein Adventsbrunch werden folgen. Dass immer noch so viel Verkehr durch die Altstadt fährt, enttäuscht sie. Auch andere Gewerbetreibende setzen in der Altstadt Zeichen, etwa mit Plakaten und Aktionen.
Allzu lauschig ist es in der Altstadt weder am Tag eins, noch am Tag zwei und auch nicht am Tag drei nach Inbetriebnahme der Eröffnung. Weiterhin fahren jederzeit viele Autos durch die Altstadt, auch Lastwagen – oft haben letztere ausserkantonale Nummernschilder, kommen zum Beispiel aus Luzern oder Zürich. – Immerhin nutzen auch viele die Umfahrung.
Die neuen Regeln und die Signale
Seit dem 31. Oktober gilt in der Altstadt das neue Verkehrsregime. Für Lastwagen ist die Durchfahrt durch die Hauptgasse komplett gesperrt. Auch für Autos gilt während Hauptverkehrszeiten, also von 6 bis 8 Uhr morgens, über Mittag von 11 bis 13 Uhr und abends von 16.30 bis 18.30 Uhr Durchfahrtsverbot. Nicht alle halten sich daran. Liegt es an der Signalisation vor den Toren, an den Fahrverbotstafeln, auf welchen in kleiner Schrift die Sperrzeiten angegeben sind, beim Vorbeifahren nicht erkennbar? Am Tag zwei zückt eine Fussgängerin ihr Handy und fotografiert die Sperrzeiten.
«Wir sammeln noch Erfahrungen mit dem neuen Verkehrsregime», sagt Györgyi Schaeffer, Gemeindeammann in Mellingen. Sie hatte gehofft, dass nach der Eröffnung der Umfahrung weniger Verkehr durch die Altstadt rolle. Eigentümerin von Hauptgasse und Brücke ist indes der Kanton und damit auch zuständig für die Durchsetzung des neuen Regimes. Laut Schaeffer wäre «eine bessere Signalisierung wünschenswert».
Allenfalls nachjustieren
Beim Kanton sieht man am Tag drei noch keinen Handlungsbedarf. Die Anzahl Durchfahrten durch die Altstadt würde sich erfahrungsgemäss mit jedem Tag verringern, sagt auf Anfrage Marius Büttiker, Sektionsleiter Strassen: «Das wird sich einspielen, eine Frage der Zeit – rund zwei Wochen.» Beim neuen Verkehrsregime handle es sich um eine beträchtliche Änderung, die erst seit wenigen Tagen gelte. Die Verkehrsteilnehmenden müssten sich an die Änderungen gewöhnen. Mit jedem Tag werde es besser, meint er. So sei es in Brugg gewesen, das hätten sie auch in anderen Städten erlebt. «Wir beobachten, was aktuell in Mellingen passiert. Sollte es nicht besser werden, werden wir nachjustieren», verspricht Büttiker.
Nachjustieren heisst zunächst die Signalisierung vergrössern. Zwar entsprechen die jetzigen Verbotstafeln der Norm. Sollte das gewünschte Ziel aber nicht erreicht werden, werde angepasst, die Signalisierung und die Schrift vergrössert.
«Der Einsatz von Ampeln ist laut Büttiker nicht sinnvoll, weil die Zugänglichkeit für Anwohnerinnen und Anwohner, Gewerbetreibende und Zubringer gewährleistet werden muss. Und auch Bussen sollen voraussichtlich noch keine verteilt werden. (hhs)



