Der schöne St. Niklaus-Brauch wird weiterleben
02.12.2022 Mellingen, Region ReusstalDieses Jahr konnte die St. Niklaus Gesellschaft Mellingen ihr 40-Jahr-Jubiläum feiern. Auch 2022 ist der Brauch gefragter denn je
Seine Stiefel sind geputzt. Sie waren bereits vor zwei Wochen im Einsatz beim Waldanlass. Michael Wolf war einer der Samichläuse, der die Kinder ...
Dieses Jahr konnte die St. Niklaus Gesellschaft Mellingen ihr 40-Jahr-Jubiläum feiern. Auch 2022 ist der Brauch gefragter denn je
Seine Stiefel sind geputzt. Sie waren bereits vor zwei Wochen im Einsatz beim Waldanlass. Michael Wolf war einer der Samichläuse, der die Kinder draussen im Wald begrüsste. Zudem ist er seit zwei Jahren Präsident der St. Niklaus Gesellschaft Mellingen.
Der Waldanlass ist jeweils der Auftakt und ein erster Höhepunkt für die St. Niklaus Gesellschaft Mellingen. «Dieses Jahr waren am Samstag und Sonntag rund 1000 Besucher beim St. Niklaus im Wald», sagt Michael Wolf (30, Präsident der St. Niklaus Gesellschaft Mellingen). «Es war wieder ein sehr schöner Anlass.» Wolf besuchte früher als Kind ebenfalls mit seinen Eltern den Samichlaus im Mellinger Wald. Das blieb ihm bis heute in bester Erinnerung. Er freut sich, dass die Tradition sich auch heute noch grosser Beliebtheit erfreut. Am Anlass hat sich seitdem nicht viel geändert. Die Schmutzli basteln immer noch mit den Kindern und der Samichlaus erzählt Geschichten. Ein Highlight für viele Kinder ist die Eseldame Linda. «Es ist tatsächlich immer noch der gleiche Esel, wie bei mir als Kind» sagt Wolf. «Sie ist lieb und lässt sich gerne streicheln.»
St. Niklaus besucht die Kinder
«Ein guter Freund fragte mich, ob ich nicht wieder bei der St. Niklaus Gesellschaft mitmachen wolle», sagt Wolf. Sein Debut als Schmutzli hatte er bereits als 13-Jähriger. Heute ist er als Samichlaus unterwegs. Vor zwei Jahren, mitten in der Pandemie, wurde er zudem zum Präsidenten gewählt. Damit tritt er in die Fussstapfen seines Vaters Markus Wolf, der ebenfalls Samichlaus und Präsident war. Bereits bei der Gründung der Gesellschaft vor 40 Jahren wurde viel Wert auf schöne Kostüme und hochwertiges Material gelegt. Das hat sich bis heute nicht geändert. Die kostbaren Gewänder, Perücken und Bärte werden sorgfältig gepflegt und in Schuss gehalten. Zu Beginn waren noch bedeutend weniger Leute im Einsatz. «Heute sind mit allen Helferinnen und Helfern knapp 100 Personen involviert», sagt Wolf. «Ohne ihren grossen Einsatz könnten wir den Waldanlass und die Besuche bei den Familien nicht stemmen.» Dazu kommen Besuche in Krippen, Kindergärten, Schulen, Firmen- und Vereinsanlässe. Zusätzlich werden der Chlausmarkt in Mellingen und der Birreter Weihnachtsmarkt besucht. «Beim Birreter Weihnachtsmarkt wird der Samichlaus jeweils wie ein Superstar à la Roger Federer empfangen. Die Freude der Kinder ist unbeschreiblich.» Welche Anlässe die schönsten sind, kann Wolf nicht sagen. Für ihn bereitet es Freude, wenn er das Strahlen in den Augen der Menschen sieht.
Goldenes Buch oder I-Pad
Gut kann sich Wolf daran erinnern, als er zum ersten Mal als Samichlaus an eine Haustüre klopfte. «Ich war sehr nervös. Dies legte sich, sobald die Kinder ihre Versli aufsagten», erinnert er sich. Je nach Kind, ist es eher aufgedreht oder zurückhaltend, passen die Samichläuse ihr Programm an. Manchmal werde auch nicht die ganze «Unartig-und Artigliste verlesen. Die Samichläuse haben ein gutes Gespür, was passend ist», so Wolf. Es gebe auch viele Momente, die zu einem Schmunzeln Anlass geben. Als er einmal ein Mädchen ermahnte, mit ihrem Bruder weniger zu streiten, antwortete sie: «Dann solltest du aber erstmal hören, wie die Mama jeweils mit dem Papa schimpft.» Der Besuch des Samichlaus soll aber in erster Linie nicht dazu da sein, um zu tadeln, sondern um den Kindern Freude zu bereiten. «Es ist eindrücklich, wie die Tradition auch in einer modernen Zeit noch lebt. Sicherlich ist heute der Samichlaus auch moderner als vor 40 Jahren geworden», sagt Wolf. «So sind wir auf Instragram vertreten, Anmeldungen können online vorgenommen und Spenden konnten am Waldanlass das erste Mal per Twint überwiesen werden.» Trotzdem bestätigt Wolf mit einem Schmunzeln, dass der St. Niklaus auch in der Zukunft aus dem goldenen Buch und nicht aus einem I-Pad den Kindern vorlesen wird. «Es stellt sich die Frage, wie modern der Samichlaus sein muss, damit er zwar zeitgemäss ist, aber immer noch authentisch bleibt.»
Was bei der Vereinsgründung noch schwer denkbar war, ist heute möglich. Während das Amt des St. Niklaus Männern vorbehalten ist, sind als Schmutzli heute auch Frauen unterwegs. «Bei uns sind rund die Hälfte der Schmutzlis Frauen», verrät Wolf.
Samichlaus geht zu den Familien
«Samichlaus du liebe Ma, ich wett dech das Johr au uf Bsuech ha!» Vom 3. bis 6. Dezember besuchen die 15 Samichläuse mit ihren Schmutzli Mellinger Familien. «Dieses Jahr können wir nach zwei Jahren Corona-Zeit wieder aus dem Vollen schöpfen», freut sich Wolf.
Debora Gattlen





