Statt einer Nachtschicht viel Vertrauen
02.12.2022 Mägenwil, Region ReusstalZügig behandelt die Winter-Gmeind eine lange Traktandenliste und lehnt nur die neuen Wasserzähler ab
Die vielen Geschäfte liessen einen langen Abend befürchten. Nach 22 Uhr aber waren alle Traktanden besprochen.
Am Schluss der Mägenwiler Winter-Gmeind blieb ...
Zügig behandelt die Winter-Gmeind eine lange Traktandenliste und lehnt nur die neuen Wasserzähler ab
Die vielen Geschäfte liessen einen langen Abend befürchten. Nach 22 Uhr aber waren alle Traktanden besprochen.
Am Schluss der Mägenwiler Winter-Gmeind blieb Ammann Peter Wiederkehr einzig ein «Danke für Ihr Vertrauen». Es klang fast ein bisschen überrascht. Die Gemeindeversammlung hatte zahlreiche gewichtige Geschäfte zu behandeln, die Stimmberechtigten sollten rund drei Millionen Franken genehmigen, hinzu kam das Budget 2023 mit einem Aufwandüberschuss bei gleichbleibendem Steuerfuss. Aber von der langen Traktandenliste liess sich Wiederkehr an seiner ersten Winter-Gmeind nicht beirren. Unaufgeregt brachte er am Dienstagabend Geschäft um Geschäft zur Debatte, beantwortete Voten aus der Versammlung und konnte letztlich fast alle Anträge des Gemeinderates als genehmigt abhaken.
Die Wasserzähler gehen bachab
Einzig die Beschaffung der neuen digitalen Wasserzähler für knapp 200 000 Franken fand keine Mehrheit in der Aula Oberfeld. Die Summe wäre aus der steuerunabhängigen, vollen Wasserkasse bezahlt worden. Die Mägenwilerinnen und Mägenwiler aber wollten lieber weiterhin einmal jährlich in ihre Keller steigen, die mechanischen Zähler selbst ablesen und auf diese Weise Geld sparen. Mit 64 Nein gegenüber 33 Ja (bei 101 Anwesenden) wurde der Antrag abgelehnt. Es blieb an diesem Abend allerdings der Einzige.
Mit grossem Mehr sagte die Gmeind Ja zur Belagssanierung des östlichen Teils der Kantonsstrasse mit einem neuen Kreisel, mit Schikanen beim Dorfeingang und Bushäuschen. 1,905 Millionen beträgt die kommunale Kostenbeteiligung. Marcel Canonica hatte gefragt, ob mit einer Steuererhöhung zu rechnen sei. Worauf ihm Wiederkehr antwortete, sie hätten vor, diese Beträge ohne Steuererhöhung zu stemmen. Das Wort ergriff auch alt Gemeindeammann Daniel Pfyl. Ihn interessierte im Zusammenhang mit der Kostenteilung zwischen Kanton und Gemeinde, eine in früheren Jahren vereinbarte zusätzliche Reduktion zu Gunsten von Mägenwil. Die Gemeinde hatte damals Entgegenkommen bei der Unterführung Büntli gezeigt. «Aus meiner Sicht müssten wir deshalb 260 000 Franken weniger bezahlen», meinte Pfyl. Ob sich die Reduktion in diesem Rahmen bewege, lautete seine Frage. Alles in allem komme man auf diesen Betrag, antwortete man von Seiten des Gemeinderates. Bei vier Gegenstimmen wurde die Strassensanierung deutlich gutgeheissen, genauso wie die damit verbundenen Arbeiten an Werkleitungen und Kanalisation.
Als wichtigstes Traktandum bezeichnete Peter Wiederkehr Traktandum 5, einen Verpflichtungskredit über 198 500 Franken für die Gesamtrevision der Bau- und Nutzungsordnung. «Es geht um die Zukunft unseres schönen Mägenwil», begründete der Gemeindeammann und zeigte anhand von Dias, wie sich die Orte Mägenwil und Eckwil seit 1880 bis heute entwickelt hatten. Die letzte Gesamtrevision sei mehr als 15 Jahre alt, Handlungsbedarf sei vor allem auch wegen des kantonalen Raumplanungsgesetzes gegeben. Hans Spinnler hätte eine Teilrevision begrüsst. In der Aula aber bewilligte man den Kredit mit 60 Ja-Stimmen gegenüber 22 Nein.
Tempi passati für Grüngutmulden
Unbestritten das neue Baugebührenreglement, das bei Baueingaben eine höhere Kostendeckung durch die Bauherrschaft einfordert. Bislang blieben bis zu 40 Prozent des Aufwandes am Steuerzahler hängen. «Das muss sich ändern», sagte Peter Wiederkehr. Dieser Betrag soll bei maximal 20 Prozent liegen. So sahen es auch die Stimmberechtigten und genehmigten mit deutlichem Mehr das neue Reglement.
Deutlich angenommen wurde das neue Abfallreglement: Die offenen Grüngutmulden bei der Schulanlage verschwinden, künftig entsorgt auch Mägenwil sein Grüngut kostendeckend und nach dem Verursacherprinzip.
Und als zum Schluss Traktandum 8, das Budget 2023 mit einem Steuerfuss von 113 Prozent, nach verschiedenen Fragen ebenfalls ohne Gegenstimme angenommen wurde, führte dies zum eingangs erwähnten Kommentar von Wiederkehr: «Danke für Ihr Vertrauen.»
Unter Verschiedenes wurden die Kündigungen vom Leiter des Steueramtes Benjamin Rüegger und Schulleiter Fabian Stebler bekannt gegeben. Christof Nietlispach und Andreas Fischer verlassen aufgrund eines Wohnortswechsels die Finanzkommission. SBB-Mitarbeiter Fischer schenkte der Gemeinde eine ausgediente Zug-Plakette mit dem Wappen von Mägenwil: Sie hatte in der Schweiz rund drei Millionen Bahnkilometer zurückgelegt.
Heidi Hess


