«Man muss die Musik zuerst einmal spüren»
24.01.2023 Region RohrdorferbergDie Blockflötenklasse von Isaac Makhdoomi sahnt seit Jahren bei Wettbewerben ab. Was ist sein Geheimnis?
Der Musiker aus einer indischschweizerischen Familie bedient alle Genres – von Klassik über Jazz bis hin zu Rock und Pop und schaffte es ins Halbfinale der TV-Sendung ...
Die Blockflötenklasse von Isaac Makhdoomi sahnt seit Jahren bei Wettbewerben ab. Was ist sein Geheimnis?
Der Musiker aus einer indischschweizerischen Familie bedient alle Genres – von Klassik über Jazz bis hin zu Rock und Pop und schaffte es ins Halbfinale der TV-Sendung «Die grössten Schweizer Talente». Im Februar startet er eine Tour und veröffentlicht eine CD mit Vivaldi-Stücken.
Als Kind wollte Isaac Makhdoomi unbedingt Geige lernen. Doch mit den damaligen Lehrern harmonierte es nicht – zum Glück für die Schülerinnen und Schüler der Musikschule Rohrdorferberg. Dort unterrichtet Makhdoomi seit zehn Jahren mit grossem Erfolg die Blockflötenklasse. Dass das Holzblasinstrument bei manchem Erwachsenen bis heute keinen besonders guten Leumund besitzt, führt der 38-Jährige auf die früher beliebte Praxis des Gruppenunterrichts zurück: «Das finde ich ganz schlimm. Das schrillt dann eher, als dass es tönt, das wird der Einzigartigkeit des Instruments nicht gerecht», findet er. Makhdoomi selbst gibt daher ausschliesslich Einzelunterricht. So könne er die Kinder und Jugendlichen zwischen 6 und 16 Jahren dort abholen, wo sie stünden. Und dann muss es nicht immer klassische Musik sein. Oftmals wünschen sich seine Eleven auch Hits aus dem Radio, die er dann für die Blockflöte adaptiert: «Man kann eigentlich alles spielen auf der Blockflöte, sobald es eine Melodie hat», lobt der Musiklehrer aus Leidenschaft sein Instrument. Er sei ausserdem ein grosser Freund von Wettbewerben, so Makhdoomi: «Dann muss man sich in der Schaffensphase ein Ziel setzen. Das gibt zusätzlichen Rückenwind», sagt er. Kein Wunder also, dass seine Schülerinnen und Schüler bei Wettbewerben regelmässig abräumen. Vielleicht liegt es aber auch an dem gewissen Spirit, den Makhdoomi ihnen mit auf den Weg gibt. Denn nur die Noten sauber vom Blatt zu spielen, damit sei es nicht getan. «Ich sage meinen Schülern immer: Musik muss ergreifen und bewegen. Man muss sie zuerst einmal spüren und dann versuchen, das emotional rüberzubringen», erklärt er. Das Fundament dafür sei aber, neben einem gewissen Talent und viel Hartnäckigkeit, dennoch das technische Knowhow. «Man braucht nicht nur schnelle Finger, es braucht auch ein grosses Lungenvolumen und eine gut funktionierende Zunge», erklärt Makhdoomi, was einen guten Flötist ausmacht. Denn die Blockflöte sei sehr nahe am Gesang, was Ausdruck und Artikulation angeht. Makhdoomi selbst hat sein Instrument sieben Jahre lang an der Zürcher Hochschule der Künste in den Meisterklassen von Kees Boeke und Maurice Steger studiert. Letzterer war es auch, der in dem Musiker einst das Feuer für die Blockflöte entfachte: Die coole und zeitgemässe Art, wie der Zürcher Virtuose sein Instrument gespielt habe, habe ihm enorm imponiert, so Makhdoomi. Schon als Teenager habe er bei seinem späteren Mentor angeklopft und daraufhin bei diesem Stunden nehmen dürfen: «Von ihm habe ich auch die Freude am Menschen mitbekommen, das Philanthropische», so Makhdoomi. Das versuche er als Lehrer selbst zu leben und an seine Schüler weiterzugeben. Heute reicht Makhdoomis Repertoire von klassischen Stücken aus Barock, Renaissance und Mittelalter über Jazz bis hin zu Rock und Pop. Darüber hinaus finden sich in seinen Programmen auch orientalische Einflüsse.
Temperament stammt vom Vater
Diese kommen nicht von Ungefähr – Makhdoomi kommt aus einer indischschweizerischen Familie: «Mein Vater kommt aus dem indischen Teil von Kaschmir», berichtet der Sohn einer Schweizer Pianistin, der in Dornach bei Basel aufwuchs. Geprägt sei er jedoch überwiegend von der abendländischen Kultur. Kaschmiri, die Muttersprache seines Vaters könne er nicht, bedauert er. Dass er sein Temperament von der väterlichen Seite geerbt hat, merkte er spätestens, als er mit 18 Jahren erstmals in die Heimat des Vaters reiste: «Das war ein Aha-Erlebnis, zu sehen, die sind da alle ein bisschen wie ich: extrovertiert und lebendig.» Sein Temperament komme ihm auch bei seinen Auftritten zugute, findet der begeisterte Improvisator, der es 2015 mit dem Jazzpianisten Andreas Svarc sogar bis ins Halbfinale der TV-Sendung «Die grössten Schweizer Talente» schaffte. Mit seiner Interpretation von Michael Jacksons «Human Nature» entlockte er Juror DJ Bobo Begeisterungsstürme – und die Äusserung, Blockflöte sei ab jetzt sein neues Lieblingsinstrument. Auch in der Klassikwelt findet das Können Makhdoomis, der schon mehrere CDs veröffentlicht hat, Anerkennung. Im vergangenen Jahr war er beim renommierten Deutschen Musikpreis für einen Opus Klassik als «Künstler des Jahres» nominiert. Dass es mit dem Preis am Ende doch nicht geklappt hat, entmutigt ihn jedoch nicht. «Wenn etwas nicht klappt, muss man dranbleiben», so Makhdoomi. Das gelte nicht nur beim Erlernen eines Instruments, das für ihn gleichzeitig auch eine Lebensschule ist. 2023 will Makhdoomi durchstarten: Am 3. Februar erscheint seine neue CD, auf der er zusammen mit dem von ihm gegründeten Barock-Ensemble «Piccante» Blockflöten-Konzerte von Vivaldi spielt – eine besondere Herausforderung für Flötisten: «Damit habe ich mir einen Kindheitstraum erfüllt, da kann man sich auf’s Feinste ausdrücken», schwärmt er. Ab 17. Februar kann man sich davon persönlich überzeugen. Dann geht es auf Tour durch die Deutschschweiz: «Ein hochvirtuoses Klangfest.»
Michael Lux
Infos: isaacmakhdoomi.ch


