Ein Schriftsetzerlehrling wurde zum Stifter
03.02.2023 Region ReusstalStiftungen in der Region: Die «Albert und Ida Nüssli-Stutz-Stiftung» unterstützt zahlreiche gemeinnützige, soziale und kulturelle Zwecke
Am 24. Juni 1991 wurde die «Albert und Ida Nüssli-Stutz-Stiftung» ins Leben gerufen. Stifter war der Sohn der ...
Stiftungen in der Region: Die «Albert und Ida Nüssli-Stutz-Stiftung» unterstützt zahlreiche gemeinnützige, soziale und kulturelle Zwecke
Am 24. Juni 1991 wurde die «Albert und Ida Nüssli-Stutz-Stiftung» ins Leben gerufen. Stifter war der Sohn der beiden Namensgeber, der ehemalige Verleger und Mitinhaber der «Zuger Nachrichten». Er hiess ebenfalls Albert Nüssli.
Albert Nüssli junior war ausserdem der Onkel des heutigen «Reussbote»-Verlegers Benedikt Nüssli. Wie dessen Vater Adolf sowie weitere Brüder war auch Albert Nüssli Zeitungsverleger – jedoch nicht in Mellingen, sondern in Zug. Das Berufsleben des 1915 geborenen Albert begann allerdings zunächst alles andere als rosig. Aufgrund der wirtschaftlich schwierigen Lage in den 1930er-Jahren fand der gelernte Schriftsetzer nur schwer Arbeit und musste sich über Jahre emporarbeiten. Schliesslich wurde er jedoch Mitinhaber des Verlags sowie der Druckerei der 1886 gegründeten «Zuger Nachrichten», die später an das Zürcher Medienunternehmen «Ringier» verkauft wurde. Aus dem Erlös eben jenes Verkaufs stammt auch grösstenteils das Grundkapital der «Albert und Ida Nüssli-Stutz Stiftung». Der kinderlose Albert Nüssli, der über 90 Jahre alt wurde, machte sich gegen Ende seines Lebens Gedanken, wie er dieses Kapital sinnvoll einsetzen könne: «Albert Nüssli hat gesagt, die Stiftung sei ein Dank an seine Eltern für seine gute Erziehung und einen guten Start ins Leben», erinnert sich Neffe Benedikt Nüssli, der seit 2001 mit Bruder Dieter einen Sitz im Stiftungsrat innehat. Sein Onkel Albert habe damals seinen Vater Adolf und einen weiteren Bruder, Ulrich, ebenfalls Verleger, angesprochen. Diese hätten daraufhin als Mitstifter firmiert und einen Beitrag zum Stiftungskapital geleistet. Nach dem Tod von Alberts Frau Marcelle ging darüber hinaus das gesamte verbliebene Erbe in das Stiftungsvermögen über. Einzige Einnahmequelle der Stiftung sind seither die Zinsen und Erträge aus dieser Kapitalanlage.
Zahlreiche unterschiedliche Projekte
Ein guter Grundstock für die umfangreichen Aktivitäten der Stiftung, die seit Gründung vor gut 30 Jahren rund 3 Millionen Franken an Fördergeldern vergeben hat. Als Zweck der Stiftung gibt die Gründungsurkunde aus dem Jahr 1991 Folgendes an: «Förderung gemeinnütziger, wohltätiger, sozialer, erzieherischer, bildender, kultureller und künstlerischer Werke». «Die Stiftung ist sehr wichtig, weil sie dort aushilft, wo das Geld der öffentlichen Hand nicht reicht oder nicht eingesetzt wird», fasst Christine Egerszegi-Obrist, ehemalige Gross-, National- und Ständerätin zusammen. Egerszegi war einst auch Stadträtin in Mellingen und hatte dort das soziale und kulturelle Ressort inne. Wohl auch aus diesem Grund sei sie 2001 gefragt worden, ob sie Teil des Stiftungsrats werden wolle, meint die heutige Präsidentin des sechsköpfigen Stiftungsrats. Dieser ist ehrenamtlich tätig und besteht mittlerweile nicht mehr ausschliesslich aus Mitgliedern der Familie Nüssli. Die Liste der Institutionen und Projekte, welche die Stiftung über die Jahre gefördert hat, ist lang: So sorgte die Stiftung beispielsweise für die Neuuniformierung der Stadtmusik Mellingen oder liess das historische Juliusbanner im Ortsmuseum aufwendig restaurieren. Auch zur Restauration der Alten Kirche in Wohlenschwil oder des Renaissance-Zimmers im Iberg leistete sie einen Beitrag, ebenso wie für die Erhaltung des Klosters Fahr oder für den Bau des Spazierwegs im Reusspark. Lokale Künstler konnten ebenfalls von Fördergeldern profitieren.
Zwar konzentrieren sich die Aktivitäten der Stiftung hauptsächlich auf den Aargau, in ausgewählten Fällen engagiert sie sich aber auch international: «Wir unterstützen die Glückskette mit grösseren Beträgen, wenn es eine besondere Notlage gibt», berichtet Christine Egerszegi-Obrist. Egal ob Unwetter in der Schweiz, Erdbeben in Haiti oder zuletzt Hilfe für die Notleidenden des Ukraine-Kriegs: Die «Albert und Ida Nüssli-Stutz-Stiftung» leistet ihren Beitrag und wirkt so – wie viele Stiftungen – über die Region hinaus.
Michael Lux
Serie: Stiftungen in der Region
Sie sind wichtige Institutionen für die Gemeinden und wirken oft über die Region hinaus. Wir widmen diese Serie bekannten und weniger bekannten Stiftungen in der Region. Bisher erschienen: «Pro Diamantina», Remetschwil «Fischerhaus-Reuss-Stiftung», Mellingen
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