«Man braucht Geduld und Liebe zum Instrument»
10.03.2023 Region ReusstalPavlos Kanellakis ist ein international ausgezeichneter Gitarrist. Heute unterrichtet er an der Musikschule Rohrdorferberg und in Basel
Der in Athen geborene Musiker hat einen Doktortitel und zahlreiche Preise gewonnen. Geprägt haben ihn immer wieder Begegnungen mit herausragenden ...
Pavlos Kanellakis ist ein international ausgezeichneter Gitarrist. Heute unterrichtet er an der Musikschule Rohrdorferberg und in Basel
Der in Athen geborene Musiker hat einen Doktortitel und zahlreiche Preise gewonnen. Geprägt haben ihn immer wieder Begegnungen mit herausragenden Musikern und Komponisten. Die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler hält er für besonders wichtig.
Es sind oftmals Zufälle, die unser Leben prägen. Pavlos Kanellakis’ Traumberuf war früher einmal Pilot. Doch er sei zu gross gewesen, daher habe er nicht zur Armee gekonnt, erzählt der 45-jährige Grieche, der heute in Basel lebt. Doch die Weichen für seine Karriere als international renommierter klassischer Gitarrist wurden schon viel früher gestellt: «Meine Mutter hat mich motiviert, Gitarre zu lernen», antwortet er auf die Frage, wie er zu seinem Instrument kam. Und so begann er schliesslich auf Wunsch der Mutter mit sieben Jahren klassische Gitarre zu lernen – jedoch zunächst mit nur mässigem Erfolg: «Mein erster Lehrer, war kein toller Lehrer. Die ersten 5 Jahre konnte ich keine Noten lesen. Ich wusste, wie man eine Gitarre hält, das war alles», sagt der heutige Star-Gitarrist, der zahlreiche internationale Preise gewonnen hat. Dieser Lehrer habe zwar wenig Ahnung vom Instrument gehabt, sei aber dennoch wichtig für seine weitere musikalische Entwicklung gewesen. So sang Kanellakis mehrere Jahre in dessen Chor, beispielsweise Stücke von Vivaldi, die der Lehrer arrangiert hatte. 1990 nahm der Chor sogar eine eigene LP auf. Die Liebe zur Musik wuchs so mit der Zeit immer mehr. Eine seiner wichtigsten Begegnungen sei jedoch die mit Elena Papandreou, der damals bekanntesten Gitarristin Griechenlands, gewesen, sagt Kanellakis.
Brief an den Fernsehstar
Auch hier war es die Familie, die den angehenden Musiker sanft in die richtige Richtung schubste: «Mein Grossvater hat sie im Fernsehen gesehen und hatte die Idee, ihre Meinung einzuholen», erzählt er. Denn zwar hiess es allgemein, der Junge habe Talent, der Grossvater wollte dies aber von einer Koryphäe bestätigt wissen: «Meine Mutter hat Elena dann geschrieben und seitdem sind wir eine Familie», fasst Kanellakis kurz zusammen. Bei Elena Papandreou studierte er fortan klassische Gitarre und legte bei ihr auch sein Gitarrenlehrerdiplom ab. Der Weg war nun vorgezeichnet. Im Jahr 2000 erhielt Kanellakis dann ein Stipendium für die Musik-Akademie der Stadt Basel, wo er 2003 mit den besten Noten seines Jahrgangs sein Solistendiplom abschloss. Ein weiteres Stipendium führte den Virtuosen als Doktoranden nach Irland an die Universität Dublin, wo er 2012 doktorierte und anschliessend acht Jahre unterrichtete.
Das Wetter war zu schlecht
«Obwohl ich eine gute Stelle in Dublin hatte, brauchte ich eine Veränderung», erzählt Pavlos Kanellakis. Er habe ausserdem genug vom irischen Wetter gehabt. «Meine Schwester wohnt in der Schweiz und ich habe noch viele Freunde hier», begründet er, wieso es ihn wieder zurück in die Schweiz zog. Vor drei Jahren – ausgerechnet kurz vor Corona – kam er nach Basel. Zuvor habe er auch häufiger Konzerte gegeben, berichtet Kanellakis, der im Laufe seiner Karriere zahlreiche CDs veröffentlichte und darüber hinaus ein Standard-Lehrbuch für fortgeschrittene Gitarrenschüler geschrieben hat, das in mehreren Ländern für den Unterricht verwendet wird.
Eine mehr als 20-jährige Freundschaft verband ihn ausserdem mit dem mittlerweile verstorbenen Komponisten Nikos Mamangakis. Dieser komponierte neben Film- und Folkmusik auch klassische Gitarrenkonzerte, die Pavlos Kanellakis für ihn vertonte. Eine weitere prägende Figur in seinem Leben.
Lehrer aus Leidenschaft
«Alles hat mit der Beziehung zwischen Lehrer und Schüler zu tun», sagt der Gitarrenlehrer auch in Bezug auf seine Tätigkeit an der Musikschule Rohrdorferberg, wo er Schülerinnen und Schüler zwischen 6 und 15 Jahren unterrichtet. Ein strenger Lehrer sei er nicht, findet er: «Mein Ziel ist es, die Schüler zu motivieren», so Kanellakis. Mit seinen Eleven zusammen spielt er Duette und neben klassischer Gitarrenmusik, beispielsweise von Bach, darf es zwischendurch auch mal ein Song von den Beatles oder R.E.M sein. Musik kenne keine Grenzen, findet er. Es gebe nur gute und weniger gute Musik: «Der Begriff classico kommt aus dem Griechischen und bedeutet einfach «gut», erklärt er. Er schätze die Vielseitigkeit an seinem Instrument. Kein Wunder, gehören zu seinen Gitarren-Helden neben Julian Bream auch der Jazzgitarrist Django Reinhardt und Jimi Hendrix.
Egal, welche Musikrichtung, ohne Fleiss geht es seiner Meinung nach allerdings nicht: «Talent besteht aus Arbeit, Arbeit, Arbeit», stellt er klar. Um ein guter Gitarrenspieler zu werden, brauche es vor allem Geduld – und Liebe zum Instrument. Letztere möchte er auch seinen Schülerinnen und Schülern vermitteln. Die Ergebnisse seines Unterrichts kann man beim Jahreskonzert der Musikschule am Samstag in der Turnhalle Hinterbächli hören. Und auch Pavlos Kanellakis selbst gibt nach langer Corona-Pause bald sein erstes Konzert mit klassischer Musik und Liedern aus der ganzen Welt.
Michael Lux
Solokonzert Pavlos Kanellakis: Samstag, 18. März, 19.30 Uhr, Aula Villa Burghalde, Musikschule Region Baden

