Vor allem Familien machen mit
17.03.2023 Region ReusstalDas Nachhaltigkeitsprojekt «Saatgutbibliothek» geht nach erfolgreichem Start bereits in die zweite Saison
Vor einem Jahr starteten die Bibliotheken von Niederwil und Mellingen mit der Saatgutbibliothek, bei der Sämereien getauscht werden können. Mittlerweile hat das ...
Das Nachhaltigkeitsprojekt «Saatgutbibliothek» geht nach erfolgreichem Start bereits in die zweite Saison
Vor einem Jahr starteten die Bibliotheken von Niederwil und Mellingen mit der Saatgutbibliothek, bei der Sämereien getauscht werden können. Mittlerweile hat das Projekt im Kanton bereits Nachahmer gefunden.
Der Frühling naht und damit auch die Zeit, die ersten Gemüsesorten zu säen. Gleichzeitig geht die Saatgutbibliothek in die neue Saison. Bibliothekskunden – aber nicht nur diese – dürfen seit dem «Kickoff» im letzten Jahr Saatgut von Gemüse, Blumen und Kräutern in den Bibliotheken von Mellingen und Niederwil kostenlos mitnehmen und auch deponieren («Reussbote» 4. März 2022). Das Ziel: ein unentgeltliches Tauschsystem von selbstgewonnenem Saatgut aus biologischem Anbau. Dadurch sollen die Menschen für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisiert und gleichzeitig regionale Pflanzenvielfalt und Biodiversität gefördert werden, wie Andrea Wagenhofer von der Bibliothek Niederwil und Edith Schwarz von der Bibliothek Mellingen zum Auftakt des Projekts erklärten. Die beiden haben die Saatgutbibliothek im vergangenen Jahr gemeinsam ins Leben gerufen und tauschen bei Bedarf auch Saatgut untereinander aus.
Gemüse geht gut weg
«Das Interesse ist gross, das Gemüse ist fast weg», sagt Andrea Wagenhofer mit Blick auf ihr Saatgutkörbchen. Sie zieht für das erste Jahr des Projekts eine positive Bilanz. Für eine kleine Bibliothek wie Niederwil laufe es sehr gut, findet sie. «Es sind hauptsächlich Bibliothekskunden und Familien mit Kindern», antwortet sie auf die Frage, wer denn so alles bei der Saatgutbibliothek vorbeischaut. Mehrheitlich seien es aber doch die Frauen, die mitmachten: «die Herren weniger», sagt sie. Trotz reger Teilnahme reicht es aber auch in diesem Fühjahr noch nicht ganz für einen echten Tauschkreislauf: «Bei den Blumen haben wir einen guten Rücklauf, beim Gemüse ist es etwas schwieriger», so Wagenhofer. «Mohn, Sonnenblumen, Malven, Stockrosen oder Eibisch», liest sie von den Tütchen ab, die sich im Saatgutregal finden. Dass weniger Gemüse deponiert werde, liege vor allem daran, dass es bei diesem aufwendiger sei, die Samen zu gewinnen: «Bei Tomaten muss man die Samen zum Beispiel zuerst in Wasser einlegen, damit sich die Haut ablöst», sagt sie. Auch Edith Schwarz von der Bibliothek Mellingen freut sich über das grosse Interesse im letzten Frühjahr zu Beginn des Projektes. Auch sie hätte sich aber etwas mehr Rücklauf im Herbst gewünscht: «Im letzten Jahr ist es auch ziemlich schwierig gewesen mit dem Wetter», gibt sie zu bedenken. Nicht immer sei aus der Aussaat etwas geworden. Schwarz wirbt jedoch dafür, in diesem Jahr einen neuen Anlauf zu wagen, selbst wenn es in der letzten Saison vielleicht noch nicht perfekt geklappt haben sollte: «Es gibt doch nichts Schöneres, als den eigenen Pflanzen beim Wachsen zuzusehen und die Samen im nächsten Jahr wiederzuverwenden», findet sie. In der Bibliothek Mellingen habe es ausserdem genug Saatgut auf Vorrat, so Schwarz.
Einfach ausprobieren
Wagenhofer will dagegen auch in diesem Jahr erneut Samen bei einem speziellen Bio-Anbieter zukaufen. Denn beim Projekt Saatgutbibliothek ist ausschliesslich Biosaatgut erlaubt, keine Hybridsorten, wie sie im Handel oft angeboten werden. Doch auch wer selbst keine Samen vorbeibringt, noch keine Erfahrung mit dem Säen und der Samengewinnung hat – oder vielleicht nicht einmal über einen eigenen Garten verfügt – darf mitmachen: «Die Idee ist, dass man auch Samen ausprobieren kann», sagt Wagenhofer. Man könne selbst auf dem Balkon und im Topf starten. Alle passenden Bücher, wie das «Handbuch der Samengärtnerei» von Pro Specie Rara, gibt es natürlich bei den beiden Bibliotheken. In Niederwil, wo samstags die Bibliothek normalerweise geschlossen ist, kann man übrigens am 25. März beim Biblioweekend auch am Samstagvormittag vorbeischauen.
Michael Lux


