«Wir sind sehr dankbar für jede Hilfe»
26.05.2023 Niederrohrdorf, Region RohrdorferbergUkrainische Botschafterin bedankt sich bei Rohrdorfer Startup Swiss Pharma Can AG für humanitäre Lieferung
Dr. Iryna Venediktova ist ukrainische Botschafterin in Bern. Sie bedankt sich persönlich bei Michel Fässler, Chef der in Rohrdorf gegründeten Firma «Swiss ...
Ukrainische Botschafterin bedankt sich bei Rohrdorfer Startup Swiss Pharma Can AG für humanitäre Lieferung
Dr. Iryna Venediktova ist ukrainische Botschafterin in Bern. Sie bedankt sich persönlich bei Michel Fässler, Chef der in Rohrdorf gegründeten Firma «Swiss Pharma Can AG» (SPC), für die besondere humanitäre Hilfe.
Beim Handschlag für den Fotografen huscht Dr. Prof. Iryna Venediktova (45) ein Anflug eines Lächelns übers Gesicht. Das gehört zur Professionalität einer Botschafterin. Lächeln. Auch in Kriegszeiten. Die Juristin, die vor ihrer Zeit als Botschafterin in Bern als erste Frau im Amt einer Generalstaatsanwältin weltweite Berühmtheit erlangte, ist auf einer Mission. Ihr Land befindet sich im Krieg. Angegriffen vom russischen Aggressor. Diplomatisches Gesülze ist in solchen Zeiten, in der ihr Land ums nackte Überleben kämpft, nicht angebracht. Sie wahrt zwar die Etikette und bedankt sich höflich im Namen der ukrainischen Regierung «für das bedeutungsvolle Treffen in unserer Botschaft.» Und die sagt: «Wir wissen Ihre Bemühungen, unser Land und seine Menschen in solch schwierigen Zeiten zu unterstützen, sehr zu schätzen. Gleichzeitig möchten wir erwähnen, dass jede weitere humanitäre Unterstützung Ihrerseits für uns sehr wichtig ist.»
Der Dank aus Kiew, der via Botschafterin in Bern anfangs Mai ausgerichtet wurde, ist auf eine humanitäre Aktion zurückzuführen. Eine Stiftung in Österreich, die sich in beträchtlichem Umfang mit Hilfsleistungen für die Ukraine einsetzt, fragte das einstige Rohrdorfer Startup an, ob es das vom Krieg geplagte Land mit ihren «Immuntropfen» beliefern könne. Dazu muss man wissen, dass die SPC, die ihr Domizil mittlerweile in Frauenfeld hat, auf die Verkapselung von Wirkstoffen spezialisiert ist. Sie produziert und vertreibt mit Hilfe selbst entwickelter Bioreaktoren unter anderen, das Produkt «Artemic», das im Auftrag der in London angesiedelten «MGC Pharma» hergestellt wird. «Artemic» ist gemäss Studienergebnissen äusserst wirksam gegen jede Form von Entzündungen und wird in verschiedenen Ländern auch gegen die Folgen von Long Covid eingesetzt.
Hilfe ist angekommen
Michel Fässler (58), Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident der SPC in Personalunion: «Wir haben dem Wunsch entsprochen und überstellten eine grössere Charge des gewünschten Produkts nach Kiew.» Damit hätten einige tausend Menschen zur Stärkung des Immunsystems behandelt werden können, sagt Fässler. Das Präsidialbüro in Kiew jedenfalls habe sich von der Wirkung beeindruckt gezeigt und die Botschaft in Bern angewiesen, sich offiziell bei der Firma SPC zu bedanken.
«Für uns ist das die Bestätigung für unsere harte Arbeit», sagt Fässler. Er war es, der mit einigen Getreuen vor bald sechs Jahren in Niederrohrdorf die Firma mit einer speziellen Idee gegründet hatte. Es ging darum, mittels «Mizellen-Technologie» natürliche Wirkstoffe so zu verkapseln, dass die Bioverfügbarkeit bei der oralen Einnahme höher ist, als alles was bisher auf dem Markt war (Der «Reussbote» berichtete).
Nach einigen Rückschlägen ist es, zusammen mit Professor Dr. Matevz Pompe von der Universität in Ljubljana (Slowenien), tatsächlich gelungen, Formeln zu entwickeln, die zum Beispiel Kurkuma oder Weihrauch (Boswellia Serrata) über 95 Prozent bioverfügbar machen. Mittlerweile produziert das einstige Startup rund zwanzig verschiedene Produkte, darunter alle gängigen Vitamine, mit solch hoher Bioverfügbarkeit. Herkömmliche produzierte Wirkstoffe, die zum Beispiel in Kapseln eingenommen werden, verlieren den grössten Teil der Wirkung, weil sie von den Magensäften zerstört werden.
Es fehlt an allem
Fässler erhielt von Iryna Venediktova zum Abschied eine Liste von Dingen, die in der Ukraine dringend benötigt werden. Vor allem fehlt es an Schmerzmitteln, Desinfektions- und Verbandsmaterial und chirurgischen Instrumenten. «Wir sind dankbar für jede Hilfe», sagte die Botschafterin zum Abschied.
Beat Gomes


