So geht Bohnenpflücken in der Luxusvariante
01.09.2023 Mägenwil, Region ReusstalSeit fast 30 Jahren kann man auf dem Zelglihof an einzelnen Tagen Bohnen pflücken – ganz bequem, in fröhlicher Runde
Erdbeeren kann man überall pflücken. Aber Bohnen? Im Zelglihof pflückt man auch bei grösster Hitze, auf Bänken gemütlich im ...
Seit fast 30 Jahren kann man auf dem Zelglihof an einzelnen Tagen Bohnen pflücken – ganz bequem, in fröhlicher Runde
Erdbeeren kann man überall pflücken. Aber Bohnen? Im Zelglihof pflückt man auch bei grösster Hitze, auf Bänken gemütlich im Schatten sitzend.
Das hier sei die Luxusvariante, meint eine Frau aus Wettingen, die an diesem Morgen auf dem Zelglihof Bohnen pflückt. Luxus, weil hier niemand in brütender Hitze auf dem Boden kauern und das Gemüse zwischen den Blättern suchen muss. Stattdessen hat Landwirt Daniel Habegger in Mägenwil die Stauden in seinem Bohnenfeld ausgerissen und in die Scheune transportiert. Hier sitzen Frauen und Männer auf Bänken, vor ihnen, auf Holzpalette gehäuft, die Bohnenbüsche – noch hängen die Bohnen an den Stauden. Es wird fleissig gezupft und eine Tasche nach der anderen gefüllt. Die Pflückerinnen und Pflücker haben offensichtlich Grösseres vor. Einfrieren, Dörren oder Verschenken wollen sie ihre Bohnen, hört man in der Scheune. Nur die Journalistin, die zwar auch Bohnen pflückt – aber kaum mehr als ein Häufchen für eine einzelne «Chochete» in ihre Tasche füllt –, tanzt aus der Reihe. Dass am Schluss immerhin ein Kilo Bohnen im Kochtopf landet, war das Pflücken wert: Die Bohnen sind ein Gedicht.
1995 aus einem «Jux» entstanden
Daniel und Silvia Habegger laden seit fast 30 Jahren zum «Bohnen pflücken» auf ihren Hof. Damals war ihre Idee innovativ. Erdbeeren konnte man überall pflücken. Aber Bohnen? Auch sie hätten sich nicht auf diese «Marktlücke» gestürzt, sagt lachend Daniel Habegger. Das Angebot sei eher aus einem «Jux» heraus entstanden. Freunde hätten im Jahr 1995 bei einem Sommerfest geklagt, dass die Bohnen in ihren Gärten nicht gedeihen. Überall leere Stauden. «Ich habe Bohnen», habe er daraufhin geantwortet und alle auf seinen Hof eingeladen. Manche brachten Kuchen mit, andere ein Bier, auch eine Flasche Wein wurde nach getaner Arbeit kredenzt und der Pflücktag wurde nochmals zum Festtag. Schon damals geschah das auf den Bänken in der Scheune. 30 Jahre später sind private Gemüsegärten mit Bohnenbeeten seltener geworden; die Bohnen-Pflück-Tradition aber lebt weiter.
Die luxuriösen Bedingungen auf dem Zelglihof verlangen von der Familie Habegger allerdings einiges an Koordination. Die Scheune wird vorbereitet, damit der Pflück-Spass im Schatten an zwei aufeinanderfolgenden Tagen möglich ist. Auf den Bänken entwickeln sich Gespräche: Zupftipps, Dörrtricks oder Bohnenrezepte machen die Runde. Für Daniel und Silvia Habegger ist dieses gesellige Zusammensitzen Teil ihrer Einladung. «Die Pflücktage sind kein kommerzieller Anlass», meint Habegger – drei Franken kostet ein Kilo Bohnen. Das deckt gerade mal die Unkosten. Vielmehr gehe es ihnen darum, den Menschen die Landwirtschaft näher zu bringen, so der Landwirt. Kinder können zudem die Kühe besuchen und auch mal ein Kälbchen streicheln.
Markus Jost gewinnt eine Wette
Im Juni, vor zweieinhalb Monaten hat Daniel Habegger die Bohnen in einen nährstoffarmen Boden gesät. Das Beachten der Fruchtfolgen ist Teil des landwirtschaftlichen Managements, um erfolgreich Gemüse zu produzieren. «Vor den Bohnen war das Feld eine Wiese, nach den Bohnen wird hier Winterspinat gesät», sagt Habegger. Er zeigt auf die kleinen, filigranen Knöllchen (Knöllchenbakterien), die an den Bohnenwurzeln hängen. Sie liefern Stickstoff, die die Bohnen grün und aromatisch machen. Denn Bohnen sind ihr eigener Nahrungslieferant, geben dem Boden sogar Nahrung ab, was dem Spinat gefällt.
Der Wohlenschwiler alt Gemeindeschreiber Markus Jost und seine Frau haben derweil genug gepflückt. «18 Kilo dürften es sein», schätzt sie. «15 Kilo», meint er. Sie wetten und er gewinnt ein Nachtessen, denn Habeggers Waage zeigt 13 Kilo Bohnen an. Andere pflücken 15 oder 20 Kilo. Alle freuen sich auf Bohnen mit Speck, «Bohnenbündeli», Bohnen mit Tomaten oder auf Bohnensalat.
Heidi Hess
Auf Facebook oder auf Schildern beim Mägenwiler Ortseingang erfährt man von Pflücktagen in der Bohnensaison.


