Vor 500 Jahren wurde die Jahreszahl am Kirchturm angebracht. Es ist die älteste Zahl im Städtchen
Im Städtchen Mellingen sind an einigen Gebäuden Jahreszahlen aus früheren Jahrhunderten zu sehen. Die allerälteste Zahl – nämlich 1523 – wurde ...
Vor 500 Jahren wurde die Jahreszahl am Kirchturm angebracht. Es ist die älteste Zahl im Städtchen
Im Städtchen Mellingen sind an einigen Gebäuden Jahreszahlen aus früheren Jahrhunderten zu sehen. Die allerälteste Zahl – nämlich 1523 – wurde also vor genau 500 Jahren am Kirchturm auf dem Wulst zwischen Ziegeldach und Gemäuer gegen die Grosse Kirchgasse hin aufgemalt. Diese Zahl legte man erst 2002, als der Turm einer umfassenden Renovation unterzogen wurde, wieder frei. Da diese in eigenwilliger altertümlicher Schrift aufgemalte Ziffer in einer Höhe von rund 30 Metern angebracht wurde, ist diese fast nur mittels eines Feldstechers deutlich erkennbar. Tatsächlich ist urkundlich bezeugt, dass in den 1520er-Jahren und auch etwas später verschiedene Bauarbeiten am Turm vorgenommen wurden. Schon 1538 ist auch eine Turmuhr mit Schlagwerk erstmals erwähnt. So beschaffte man Baumöl zur Pflege der Uhr und ein Seil für den Hammer, welche die Glocke zum Klingen brachte und somit angab, wie spät es war. Wann man
die Kirchenuhr an der Front des 1675 neu erbauten frühbarocken Kirchenschiffs anbrachte, muss noch abgeklärt werden.
Der Kirchturm der St. Johannes Kirche ist von der Bausubstanz her eines der ältesten Gebäude der Stadt. Er ist neben dem ehemaligen Rathaus mit Brückentor sowie dem Iberg das kunsthistorisch wertvollste Bauwerk der Stadt, denken wir nur an die Fresken aus der Zeit um 1370 im Erdgeschoss oder an das Sakramentshäuschen, das die Mellinger Bildhauer Beye 1583 schufen. Möglicherweise ist dieser monumentale und wehrhaft anmutende Turm an der Reuss fast so alt wie die Stadt und hat alle Höhen und Tiefen der Geschichte Mellingens miterlebt.
Rainer Stöckli