Am «Treffpunkt International» der reformierten Kirchgemeinde finden Menschen aus unterschiedlichsten Ländern zusammen
Einmal in der Woche können sich Menschen verschiedenster Herkunft am Treffpunkt International austauschen und Deutsch lernen. Für viele Teilnehmende ...
Am «Treffpunkt International» der reformierten Kirchgemeinde finden Menschen aus unterschiedlichsten Ländern zusammen
Einmal in der Woche können sich Menschen verschiedenster Herkunft am Treffpunkt International austauschen und Deutsch lernen. Für viele Teilnehmende ist der Anlass weit mehr als bloss ein Kaffeekränzchen.
Es ist Freitagmorgen, kurz nach neun Uhr: Wie jede Woche um diese Zeit, herrscht im Gemeindehaus der reformierten Kirche ein reger Austausch. An einem grossen Tisch versammelt, unterhalten sich Menschen aus Marokko, Brasilien, Mosambik, Tschechien und der Ukraine bei Kaffee und Kuchen.
Eine von ihnen ist Ludmila. Sie kommt jede Woche hierher, wie sie auf Ukrainisch erklärt. Eine Dolmetscherin übersetzt. Ludmila berichtet von ihrer jüngsten Vergangenheit. Wie viele ihrer Landsleute hat auch sie einen langen Leidensweg hinter sich. Vor über einem Jahr musste sie wegen der russischen Angriffe mit ihrer erwachsenen Tochter aus der Heimatstadt Charkiw fliehen. Ihren Mann musste sie im kriegsversehrten Land zurücklassen. Die Tochter fand in Polen Arbeit, während Ludmila in Mellingen landete.
«Nun wohne ich im katholischen Pfarrhaus und hoffe auf Arbeit», sagt die Buchhalterin. Sie sei sehr dankbar für den wöchentlichen Treffpunkt, wie sie mehrfach betont. Sie fühle sich an diesem Ort zu Hause, und man würde sich umeinander kümmern. «Es ist wie eine Familie für mich.»
Eine Mutter aus Marokko
Neben ihr sitzt Leila mit ihrer kleinen Tochter Amira. Die Hausfrau stammt aus Marokko und kam mit der Familie vor acht Jahren in die Schweiz. Auch sie komme jede Woche ins Kirchgemeindehaus, erzählt Leila. «Ich bin hier, um die Sprache zu lernen», sagt sie in fast schon fliessendem Deutsch. «Und es ist schön, sich mit anderen Menschen bei Kaffee, Kuchen und Spielen zu unterhalten.»
Das Gefühl von Zugehörigkeit
Den Treffpunkt International gibt es in dieser Form seit Ende 2021, wie Michaela Flückiger erläutert. Sie ist die Leiterin des Angebots. «Es geht um die Erlernung der deutschen Sprache, vor allem aber auch um niederschwellige zwischenmenschliche Begegnungen, die das Gefühl von Akzeptanz und Zugehörigkeit ermöglichen», sagt die Sozialdiakonin. Wichtig sei dabei, dass auch Schweizerinnen und Schweizer mit von der Partie sind. «Die meisten von ihnen arbeiten als Freiwillige mit. Das ist essenziell, weil nur so eine echte Integration stattfinden kann und die Sprachkenntnisse der Besuchenden sich auch wirklich verbessern.»
Teil des Angebots sei ausserdem eine gelegentliche materielle Unterstützung der Anwesenden mit Spenden wie Kleider, Hygieneartikel oder Lebensmittel. «Dies war vor allem im ersten Jahr nach dem Kriegsausbruch in der Ukraine ein zentrales Anliegen», erzählt Flückiger.
Spiele und Deutschunterricht
Nach der gemütlichen Kaffeerunde geht es an diesem Freitag in zwei Gruppen ans Deutschlernen. Die einen, welche die Sprache schon besser beherrschen, tun dies anhand von Gesellschaftsspielen. Die andere Gruppe übt in einem anderen Raum im klassischen Frontalunterricht.
Ludmila ist in der Gruppe der Fortgeschrittenen. «Ich finde den Kurs sehr wichtig», sagt sie. «Wenn ich erst einmal richtig Deutsch kann, finde ich in der Schweiz sicher auch eine Arbeit.»
Marko Lehtinen