Mit 55 km/h durch den Rohrdorfer Luftraum
19.03.2024 Niederrohrdorf, Region RohrdorferbergIm Auftrag der Gemeinde war vergangene Woche eine Kamera-Drohne über Niederrohrdorf im Einsatz
Das Ingenieurbüro Koch & Partner erstellt im Auftrag der Abteilung Planung und Bau sogenannte Orthofotos. Die Drohnenaufnahmen sind deutlich genauer als die Luftbilder des ...
Im Auftrag der Gemeinde war vergangene Woche eine Kamera-Drohne über Niederrohrdorf im Einsatz
Das Ingenieurbüro Koch & Partner erstellt im Auftrag der Abteilung Planung und Bau sogenannte Orthofotos. Die Drohnenaufnahmen sind deutlich genauer als die Luftbilder des Kantons.
Wusch und weg. Kaum hat Noel Droll die 1,2 Kilogramm schwere Drohne gestartet, schon ist sie im strahlend blauen Himmel verschwunden. In einer Flughöhe von 120 Metern überfliegt sie nun auf einer vorprogrammierten Route das gesamte Gemeindegebiet von Niederrohrdorf, inklusive Kultur- und Landwirtschaftsgebiet. «Wir definieren vorher das Gebiet und geben gewisse Werte an», erklärt Droll, während er auf seiner Fernbedienung den Weg der Drohne verfolgt, die nun selbstständig und unbeirrt ihren Flug fortsetzt. Die wichtigsten Parameter: Flughöhe, Geschwindigkeit und Überlappung.
Mit 15 Metern pro Sekunden, also rund 55 km/h, düst die Drohne durch den Rohrdorfer Luftraum. Ist das überhaupt erlaubt? «Wir sind über den Drohnenverein Geomatik Schweiz angemeldet. Dieser hat die Genehmigung vom Bundesamt für Zivile Luftfahrt», sagt Droll. Der Flug über Niederrohrdorf sei vorab gemeldet worden. Prinzipiell sei bei Drohnen über 250 Gramm eine Flughöhe von 120 Meter über Baugebiet und 250 Metern ausserhalb des Baugebiets erlaubt.
Der Drohnenpilot hat heute aber die Flughöhe auf maximal 120 Meter voreingestellt: «Je höher man fliegt, desto schlechter wird die Qualität», sagt er. Dank einer Auflösung von 48 Megapixeln macht seine Kamera extrem scharfe Aufnahmen: «Man kann einen Schachtdeckel auf 2,5 Zentimeter genau bestimmen auf Lage und Höhe», erklärt Droll. Zum Vergleich: die jährlich erstellten Luftbilder des Kantons, die mit Flugzeugen gemacht werden, sind nur auf 20 bis 25 Zentimeter genau. Und selbst die alle drei Jahre erstellen Bilder von Swisstopo zoomen nur bis auf zehn Zentimeter.
Bausündern auf der Spur?
«Wir haben gesagt, wir wollen ein genaueres Foto», erklärt Susann Hunziker, Bereichsleiterin Tiefbau und Umwelt. Die Fotos seien aber nur für den internen Gebrauch und der Datenschutz sei gewährleistet, betont sie. Die genaueren Bilder hätten verschiedene Vorteile, zum Beispiel für die Nachführung und Kontrolle von Infrastrukturbauten, etwa im Strassen- und Abwasserbereich. Nutzen erhoffe man sich auch für die Zustandsanalyse von Strassen und Plätzen, ergänzt Andreas Ritter, Leiter Abteilung Planung und Bau. Man dokumentiere so zudem den Wandel der Gemeinde. Darüber hinaus eigneten sich die Aufnahmen für die Planung eigener Projekte. Stichwort: Schulraumplanung.
Im Gegensatz zum Kanton, der seine Daten auch zum Aufspüren von Bausündern nutzt, sei dies nicht das Ziel der aktuellen Aufnahmen: «Wir machen keine systematische Kontrolle von privaten Grundeigentümern», versichert Ritter auf Nachfrage. Ergänzend zu den Luftaufnahmen sollen im Sommer Strassenbefahrungen, ähnlich wie bei Google-Street-View, durchgeführt werden, mit deren Hilfe beispielsweise Strassenschäden ausfindig gemacht werden können. Dies diene der Werterhaltungsplanung, so Susann Hunziker.
Der Spuk ist schnell vorbei
Noel Droll ist unterdessen wieder in sein Auto gesprungen. Denn die Drohne fliegt zwar allein, der Akku hat aber nur eine Laufzeit von 20 bis 30 Minuten, dann muss er den Flugplan unterbrechen. Sofern das Wetter hält, ist seine Aufgabe in nur einem Tag erledigt. Das gesamte Gemeindegebiet zu fotografieren dauert nur 2,5 Stunden. Danach ist seine Arbeit aber noch nicht getan. Im Anschluss werden die Daten «georeferenziert», also mit vorhandenen Geodaten in Einklang gebracht und nachbearbeitet. Einzelne Menschen sind aus dieser Grossen Höhe nicht zu erkennen. «Autos und bewegliche Verkehrsmttel werden von Hand herausgefiltert», erklärt Droll. Ob sich der Aufwand lohnt, soll die Praxis zeigen. Wenn sich die Aufnahmen bewähren, kann sich Ritter im Fünf-Jahres-Zyklus solche Drohnenaufnahmen vorstellen.
Michael Lux


