Finnische Birken für Forschungsprojekte
09.04.2024 Birrhard, Region ReusstalTraian Tudor pflanzte Karelische Birken im Forstbetrieb Birretholz und im Rebgut Märxli
Sie sind Tiefwurzler. Tröckne stecken daher ausgewachsene Karelische Birken gut weg. In Zeiten der Klimaerwärmung gewinnt dieser Aspekt an Bedeutung. Im Forstbetrieb Birretholz und im ...
Traian Tudor pflanzte Karelische Birken im Forstbetrieb Birretholz und im Rebgut Märxli
Sie sind Tiefwurzler. Tröckne stecken daher ausgewachsene Karelische Birken gut weg. In Zeiten der Klimaerwärmung gewinnt dieser Aspekt an Bedeutung. Im Forstbetrieb Birretholz und im Rebgut Märxli wurden als Versuchsprojekte 25 Karelische Birken gepflanzt.
Noch sehen sie mit ihren dünnen Stämmen unscheinbar aus. Sie werden aber in wenigen Jahren zu stattlichen Karelischen Birken heranwachsen. Traian Tudor, Züchter Karelischer Birken und IT-Projektleiter, ist überzeugt, finnische Birken sind die Bäume der Zukunft. Mit viel Leidenschaft importiert er seit 2014 Setzlinge direkt aus Finnland und zieht sie bei sich zu Hause in Wohlenschwil zu pflanzfertigen Bäumchen heran. Nun stiftete er für den Forstbetrieb Birretholz 20 und für das Rebgut Märxli fünf Bäume. Während im Forstbetrieb Birretholz vor allem die Aufforstung und die Nutzung des Holzes der Bäume im Vordergrund stehen, sollen die Birken im Rebgut Märxli für die Beschattung der Reben in den immer heisser werdenden Sommermonaten sorgen.
20 Karelische Birken im Wald
Traian Tudor liess es sich nicht nehmen Ende März die 20 Jungbäume gleich selber auf der Waldlichtung des Forstbetriebs Birretholz zu pflanzen. Die Waldlichtung ist noch ein Überbleibsel aus früheren Zeiten, wo nicht einzelne, sondern flächig Bäume abgeholzt wurden. Auf diesen Flächen setzt nicht nur die Hitze im Sommer dem Waldboden zu, sondern auch wuchernde Brombeeren bremsen die natürliche Waldverjüngung aus. Der Forstbetrieb Birretholz forstet daher solche Flächen mit zusätzlichen Jungbäumen auf – die 20 Karelischen Birken ein willkommenes Geschenk. «Man muss ausprobieren, ob sich diese Baumart im Wald gut entwickeln kann. Da spielen Wasser, Boden und Licht eine grosse Rolle», sagt Markus Lüthy, Betriebsleiter Forstbetrieb Birretholz.
Sollte sich die Karelische Birke in den nächsten Jahren gut entwickeln, könne er sich durchaus vorstellen, weitere Bäume im Forstrevier zu pflanzen. «Es ist ein Versuch», so Lüthy. Er ist nicht ganz überzeugt von der Baumart aus dem Norden. Das kommt nicht von ungefähr. Die Karelischen Birken, die unter seinem Vorgänger gepflanzt wurden, waren grösstenteils im Folgesommer abgedorrt. «Wir pflanzen zudem verschiedene Baumarten, wie Douglasien, Eichen oder Vogelbeeren», führt er aus. Interessant sei die Karelische Birke, da sie durch ihre spezielle Maserung in circa fünf Jahrzehnten wertvolles Holz liefert. «Das erste Jahr bei der Pflanzung ist kritisch. Danach ist es für die Karelische Birke kein Problem Trockenperioden zu überstehen, da sie Tiefwurzler sind», so Tudor.
Für eine gute Starthilfe, setzte er die Jungbäume in aufgelockerte Erde, goss sie an und legte eine Hirschschutzmanschette an. Tudor wird auch in der nächsten Zeit die Entwicklung der Bäume verfolgen und zu ihnen schauen.
Mikroklima durch Birken im Märxli
Bereits anfangs Januar wurden fünf Karelische Birken durch das Team des Märxli Rebgutes und Traian Tudor gepflanzt. Zwei Bäume stehen nun direkt in den Reihen und drei jeweils am Ende der Rebenreihe. Die Mitglieder des Märxli-Teams sind immer offen für neue Ideen, um möglichst im Einklang mit der Natur Bio Wein anzubauen. Eine Herzensangelegenheit ist die Artenförderung im Weinberg. Das Märxli ist Teil des Projektes «Landwirtschaft – Biodiversität – Landschaft (Labiola)» des Kantons Aargau. Ein weiterer Schritt sind nun die Baumpflanzungen im Rebberg. «In der Zukunft ist auch im Rebbau die Beschattung durch Bäume ein wichtiges Thema», sagt Raphael Peterhans, Mitglied des Märxli-Teams. «Es ist bekannt, dass Bäume mit verschiedenen Pflanzen eine Symbiose eingehen. Es werden dabei Mikroorganismen entwickelt, die sich auch positiv auf Reben auswirken.»
Beschattung wird erforscht
Positiv wirkt sich auch die Beschattung durch die Bäume aus. Obwohl Reben es warm mögen, leiden sie vermehrt in den heissen und niederschlagsarmen Sommern unter zu starker Sonneneinstrahlung. Das wurde bereits erkannt. Bei der Informationsstelle für Schweizer Landwirtschaft wird das bei Vitiforst bereits thematisiert. Das Märxli-Team nahm daher das Geschenk mit den Karelischen Birken von Traian Tudor gerne an. Die Pflanzung der Karelischen Birken im Weingut Märxli wird vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) begleitet. Laufend entnommene Bodenproben werden aufzeigen, wie sich durch Birken Mikroorganismen besser entwickeln. «Wenn sich die Pflanzung der Birken positiv auswirkt, werden wir noch mehr pflanzen», so Peterhans. «Baumpflanzungen im Rebberg werden sicherlich in der Zukunft Schule machen.»
Wer sich direkt den Vitiforst Rebberg anschauen will, hat am Rohrdorfer Wiisonntig, am 2.Juni, die Gelegenheit. Bio-Weine können degustiert werden.
Debora Gattlen

