Für jedes neue Baby im Dorf ein neuer Baum?
23.08.2024 Niederrohrdorf, Region RohrdorferbergNach dem erfolgreichen Klimaspaziergang im Juni lud die Gemeinde zum Klimaworkshop und Glace-Plausch
Wo sind die Hitze-Hotspots im Dorf und was kann man gegen sie tun? Darum ging es beim Klimaworkshop «3-2-1-heiss». Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten bei ihren Ideen viel ...
Nach dem erfolgreichen Klimaspaziergang im Juni lud die Gemeinde zum Klimaworkshop und Glace-Plausch
Wo sind die Hitze-Hotspots im Dorf und was kann man gegen sie tun? Darum ging es beim Klimaworkshop «3-2-1-heiss». Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten bei ihren Ideen viel Einfallsreichtum.
Dass der Klimawandel auch an der Schweiz nicht spurlos vorübergeht, sollte jedem klar sein. Im Gegenteil: Mit 2,8 Grad Temperaturanstieg liegt man hierzulande sogar leicht über dem europäischen Durchschnitt. «Seit dem Jahr 2000 haben die Hitzewellen zugenommen. Sie dauern auch länger», bestätigt Nana von Felten von der Klimafachstelle des Kantons, die den Klimaworkshop moderiert.
Die Folgen der Klimaerwärmung sind überall zu spüren, vor allem in der Landwirtschaft, wo Wasserknappheit zunehmend ein Thema ist. Aber auch die Menschen in den Städten und Dörfern – gerade Ältere und Kranke – leiden unter der Hitze.
Das bringt neue Herausforderungen für die Raumentwicklung und Städteplanung. «Niederrohrdorf hat viele Häuser und grosses Bevölkerungswachstum», so von Felten. Das Problem: je höher und verdichteter gebaut wird, desto weniger können die Luftströme die Umgebung abkühlen. Besser sei eine kleinstrukturierte Bebauung. Auch die Oberfläche spielt dabei eine wichtige Rolle: «Auf offener Wiese kühlt sich die Fläche schnell ab», erklärt die Expertin. Versiegelte Asphaltoder Betonflächen heizen sich dagegen schnell auf und speichern noch lange die Wärme.
Birchmeier-Areal bietet Chancen
Einen solchen Hitze-Hotspot machen die rund zwölf Workshop-Teilnehmenden auf dem Platz an der Hofacherstrasse aus. «Wer hält sich dort auf?», will Nana von Felten wissen. Die lapidare Antwort: «niemand». Denn es fehle an Schatten und Begrünung. Dasselbe gilt für den Parkplatz an der Dorfschüür. «Den einen oder anderen Baum mag es dort vertragen», findet eine Teilnehmerin. Diskutiert wird als Lösung auch eine schattenspendende Überdachung – am besten gleich mit Solarpanels. Und wieso braucht es so viele Parkplätze? Könnte man Neuzuzüger nicht auf den öV umleiten?
Über dieses Thema liesse sich trefflich streiten. Einig ist man sich jedoch, dass aktuell auch der Platz rund um den VOI-Supermarkt ein echter Hotspot ist, ebenso wie das angrenzende Irniger-Areal. Letzteres habe immerhin die grösste Photovoltaik-Anlage der Gemeinde auf dem Dach, wirft Andreas Ritter, Leiter Bau und Planung, ein. Für das Birchmeier-Areal, auf dem temporär der VOI untergebracht ist, laufe ausserdem noch die Überarbeitung des Gestaltungsplans sowie eine Teiländerung der Nutzungsplanung. Möglicherweise eine Chance für die Gemeinde, dort Einfluss zu nehmen. Vielleicht braucht es aber auch fantasievollere Ansätze: «Für jedes neugeborene Kind in der Gemeinde einen Baum pflanzen», lautet ein Vorschlag. Oder man könnte zu jeder Bank am Niederrohrdorfer Bänkliweg einen Baum setzen – durch Spenden finanziert.
Jeder kann etwas beitragen
Selbst wenn die öffentliche Hand, den grösseren Hebel besitzt, jeder kann im Kleinen etwas gegen die Erwärmung tun, weiss Nana von Felten. «Man kann den eigenen Parkplatz entsiegeln. Es muss kein Asphalt sein», nennt sie als Beispiel. Fassaden- und Dachbegrünung würden ebenfalls helfen. Und wer keinen Garten besitzt, könne zumindest den Balkon bepflanzen oder Regenwasser speichern.
Die gute Nachricht zum Schluss: Mindestens einen echten Coolspot im Dorf gibt es: die Büntwiese. «Sie spielt eine wichtige Rolle bei der Durchlüftung des Dorfes», erklärt Susann Hunziker, die den Anlass in der Umweltschutzkommission angeregt hat. Diese wird nun die Ergebnisse des Workshops auswerten und dem Gemeinderat mögliche Massnahmen vorschlagen.
Michael Lux





