In der Stadtscheune feiert Freddy Air Röthlisberger mit «Eiszeit» Vernissage und schenkt der Stadt Mellingen drei Bronzeskulpturen
Drei Bronzeskulpturen als reiches Geschenk und eine Ausstellung mit Mammut und Säbelzahntiger. Das gibt zu reden an einer Vernissage in der ...
In der Stadtscheune feiert Freddy Air Röthlisberger mit «Eiszeit» Vernissage und schenkt der Stadt Mellingen drei Bronzeskulpturen
Drei Bronzeskulpturen als reiches Geschenk und eine Ausstellung mit Mammut und Säbelzahntiger. Das gibt zu reden an einer Vernissage in der Mellinger Stadtscheune.
Den Skulpturen, unter einer Hülle vor der Stadtscheune verborgen, kann der Regen wenig anhaben. Aus Bronze halten sie Wind und Wetter aus. Die Menschen aber, die zahlreich an die Vernissage von «Eiszeit», der jüngsten Ausstellung von Freddy Air Röthlisberger gekommen waren, waren froh, am Samstagnachmittag im Foyer der Stadtscheune einen Platz zu ergattern.
Dort dankte Stadtpräsidentin Györgyi Schaeffer dem 87-jährigen Künstler für die drei grossen Bronzeskulpturen, die er der Stadt Mellingen vermacht. Sie erzählte von der Suche nach geeigneten Standorten und von Madlen Zimmermmanns Vorschlag, «Tschätt» vor der Bibliothek zu positionieren, «wo so viele Kinder und Jugendliche in ähnlicher Situation ein und aus gehen»; «Handy» hingegen soll bald beim Iberg ein Plätzchen erhalten. Mehr Geduld braucht es für die dritte Bronze «Ikara». Für diese Frauenskulptur, deren Arme in Flügeln enden, muss zunächst ein Betonsockel geschaffen werden, um diese Davonfliegende auf dem Boden zu halten.
Kein zweites Liebespärchen
Der Künstler erklärte, warum gerade «Tschätt» einen Platz in Mellingen erhalten sollte. Die beiden Älteren, verstrickt in ein geheimnisvolles Gespräch, seien noch kein Liebespaar. Ein solches brauche das Städtli auch nicht. «Mellingen hat schon ein Liebespärchen», spielte Röthlisberger auf Eduard Spörris Brunnenfigur auf dem Kirchplatz an. «Tschätt» aber sei in jenen Atelierjahren in Mellingen entstanden, in welchen er nach schwierigen Jahren zurück zum naturalistischen Schaffen gefunden habe. Nun soll das Fahrrad-Trio hierher zurückkommen. Györgyi Schaeffer darf gleich drei Schenkungsurkunden aus den Händen von Freddy Air Röthlisberger entgegennehmen: Seit Samstag gehören «Tschätt», «Handy» und «Ikara» offiziell der Stadt Mellingen.
Aus der Höhle zur dritten Dimension
Gemeinderat Beat Gomes leitete zur Ausstellung «Eiszeit» über, informierte zuvor aber über den neu gegründeten Verein «Kunst und Kultur Mellingen» (KKM) als Impulsgeber für künftiges Kultur-Schaffen. Dann kam er auf die Urzeit-Tiere einen Stock höher zu sprechen. «Eiszeit», meinte der Politiker augenzwinkernd, passe auch deshalb gut zu Mellingen, weil das Städtli, gelegen am Rande einer Gletschermoräne, sogar seine Pläne für die Umfahrung ändern und an die Überbleibsel aus der Eiszeit anpassen musste.
Röthlisberger indes bezeichnete sich als leidenschaftlichen Forscher, der mit dieser Ausstellung einen Einblick in die Geschichte der Evolution geben möchte. Höhlenmalereien, entstanden vor rund 40 000 Jahren, dienten ihm als Ausgangslage. «Was sah der Maler? Was erkenne ich?» Der heute 87-Jährige begann einen imaginären Dialog mit den Urzeit-Künstlern, und gestaltete ein Relief, das er schliesslich mit dem fiktiven Einverständnis dieser Ahnen in die dritte Dimension überführte. Mammuts oder Säbelzahntiger, hergestellt aus heiklem Material, das der Künstler als «Acrylmaché» (Farbreste, Kreidemehl, Papiermaché und Verdickungsmittel) bezeichnet, sind bis Ende März in der Stadtscheune zu sehen.
Heidi Hess