«Möglichst lange Freude an Liegenschaften haben»
01.11.2024 Mellingen, Region ReusstalDie Bänziger + Zollinger GmbH setzt auch bei den eigenen Liegenschaften auf Energieeffizienz, Sicherheit und Nachhaltigkeit
Bänziger + Zollinger will seine Liegenschaften in Mellingen schrittweise energieoptimieren. Alle Gebäude wurden mit einer modernen Photovoltaik-Anlage ...
Die Bänziger + Zollinger GmbH setzt auch bei den eigenen Liegenschaften auf Energieeffizienz, Sicherheit und Nachhaltigkeit
Bänziger + Zollinger will seine Liegenschaften in Mellingen schrittweise energieoptimieren. Alle Gebäude wurden mit einer modernen Photovoltaik-Anlage ausgestattet und am Wohnhaus eine Wärmepumpe installiert. Dabei arbeitet das Unternehmen eng mit dem lokalen Gewerbe zusammen.
Die Firma Bänziger + Zollinger ist schweizweit ein Begriff, wenn es um Sicherheitskontrollen und Beratungen bei Elektroinstallationen geht – sei es bei Grossprojekten oder Privathaushalten. Aber nicht nur die Sicherheit, sondern auch Nachhaltigkeit und Energieeffizienz spielen im Familienbetrieb eine wichtige Rolle. Daher will Geschäftsführer Martin Zollinger in einem dreijährigen Prozess seine Liegenschaften in Mellingen energietechnisch optimieren. Das hat auch private Gründe: Zollinger ist dieses Jahr 65 Jahre alt geworden. Ans Aufhören denkt er aktuell noch nicht, trotzdem will er für die Zukunft vorsorgen. Denn er möchte möglichst bis ins Alter in seinem ehemaligen Elternhaus, einem Einfamilienhaus im Langmattweg aus den 1960er-Jahren, wohnen bleiben: «Ich finde es wichtig, dass man Freude an den Liegenschaften hat», sagt er auf dem Weg zu seinem Wohnhaus. Dazu gehöre es auch, die Häuser energietechnisch auf den neusten Stand zu bringen und zu optimieren. Dafür arbeitet man möglichst mit regionalen Unternehmen zusammen: «Es sind alles Mellinger Handwerker oder Kunden, mit denen wir seit Jahren zusammenarbeiten», betont er. Die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Gewerken sei ausgezeichnet, lobt Zollinger. So wie mit der Gartenbaufirma Jenni und Partner aus Mellingen, die den Garten rund um das Wohnhaus umgestaltet hat: weg vom englischen Rasen, hin zu naturnaher Bepflanzung, die gleichzeitig weniger pflegeintensiv ist. Die Natursteinmauer, welche die Firma Hubschmid AG aus Nesselnbach gebaut hat, sorgt nicht nur für einen speziellen Look, sondern kaschiert gleichzeitig die Wärmepumpe vor dem Haus.
Sie ist ein Kernelement der Energie-Optimierung und ersetzte im vergangenen Jahr die rund 35-jährige Ölheizung aus den 1990er-Jahren. Viele störe eine Wärmepumpe draussen, weiss Zollinger. Entscheidend sei daher die richtige Dimensionierung: «Wichtig ist bei der Leistung der Wärmepumpe nicht auf das Minimum zu gehen und lieber etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen», rät Zollinger. Denn nur, wenn die Wärmepumpe immer unter Volllast laufe, sei sie zu laut.
Für alle Eventualitäten vorgesorgt
Entschieden hat sich Zollinger schliesslich für eine Luft-/Wasser-Wärmepumpe. Diese sei rund 30 Prozent billiger als eine Wärmepumpe mit Kernbohrung. Der Clou: Die Heizanlage verfügt neben einem Warmwasserspeicher noch über einen zusätzlichen Pufferspeicher für das Heizwasser, der über die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach betrieben wird. Die Installationsanpassungen habe die Firma S. Weber Sanitär Heizung GmbH aus Nesselnbach durchgeführt, so Zollinger. Verantwortlich für die Steuerung der Wärmepumpe sowie die Montage der Solaranlage war die Elektro Zollinger AG aus Mellingen.
Die Photovoltaik-Anlage mit 29 Modulen auf der einen Dachseite und 37 Modulen auf der anderen sowie zwei Wechselrichtern ist das zweite Herzstück des Energie-Optimierungs-Prozesses. Die PV-Anlage kann im Peak bis zu 28 kW Leistung erzeugen, die für den Eigenverbrauch genutzt oder bei Überschuss ins Netz gespeist werden kann. Es geht aber noch weiter: «Wir haben eine Speichereinheit mit Notbetrieb», erklärt Zollinger. Die 12 kWh-Batterie reiche – sofern sie voll geladen sei – für einen Betrieb von mehreren Stunden. «Wenn alle Stricke reissen haben wir in jeder Liegenschaft noch ein Notstromaggregat, das für das Nötigste reicht», so Zollinger. Dessen Gesamtleistung von 7,5 kW sei ausreichend für den Lichtbetrieb im Haus sowie eine Platte eines Induktionsherds. «Wenn es gut läuft, kann auch der Nachbar profitieren», so Zollinger. Er befürwortet jedoch, dass jeder Haushalt zur Notversorgung über ein solches Gerät verfügt. Bänziger + Zollinger selbst vertreibt ebenfalls Notstromaggregate. Gute Geräte sind ab 6000 Franken erhältlich. Von Billigangeboten rät Zollinger ausdrücklich ab. Denn bei Geräten ohne sogenannte Schräglastoptimierung könne es bei asymmetrischer Belastung zu Schäden an Geräten kommen.
Sicherheitstandards beachten
Alle Photovoltaik-Anlagen seien mit einem Überspannungsschutz ausgestattet, erklärt der Sicherheitsexperte. Dieser schützt im Falle eines Blitzschlags. Wichtig sei dabei eine saubere Verkabelung und Beschriftung, so Zollinger. Wer Anlagen mit Wechselrichtern oder Notstromaggregate im Haus habe, brauche ausserdem zwingend Brandmelder und spezielle Brandschutztüren. Letztere installierte in Zollingers Wohnhaus Hüsser Holzbau aus Bremgarten. Die Malerarbeiten im Kellergeschoss übernahm die Keller AG aus Stetten. Zur Energie-Optimierung gehören aber auch immer die entsprechenden Geräte. So ersetzte Zollinger im Zuge der Anpassungen auch die in die Jahre gekommene Küche im Obergeschoss durch moderne Geräte, welche die neuesten Energienormen erfüllen. Den Einbau übernahm die Tomann E-AG – natürlich aus Mellingen.
Prozess über mehrere Jahre
Neben der Liegenschaft am Langmattweg wurde auch damit begonnen, ein Einfamilienhaus in der Trottackerstrasse in Mellingen zu sanieren. Dort wurde die Fassade neu gestrichen und das Unterdach renoviert sowie das gesamte Holz in Eigenleistung abgeschliffen. Die Spenglerarbeiten übernahm Patrick Vogt von der gleichnamigen Spenglerei. Beat E. Solèr besorgte die Malerarbeiten. «Dort haben wir ebenfalls eine Energie-Optimierung mit PV-Anlage auf beiden Dachseiten durchgeführt», berichtet Martin Zollinger. Die Solaranlage auf dem Hausdach leiste insgesamt rund 25 Kilowatt. Eine Wärmepumpe soll schliesslich in einer zweiten Phase nachgerüstet werden. Selbstredend durfte auch hier der Überspannungsschutz nicht fehlen. Genauso wenig wie beim Firmensitz an der Bahnhofstrasse 8, wo eine Dachhälfte ebenfalls mit einer Photovoltaik-Anlage bestückt wurde. «Mit der Anlage decken wir vom Sommer bis Anfang Oktober unsere gesamte Kühlleistung und Beleuchtung ab», so Zollinger. Im Sommer könne man ausserdem durch den Überschuss noch etwas Geld generieren. Als weitere Massnahme zur Energie-Einsparung wurden im Gewerbebau 85 Prozent aller Leuchtkörper auf LED umgestellt, bei der Liegenschaft an der Trottackerstrasse sogar 100 Prozent. LED-Lampen sparen gegenüber herkömmlicher Beleuchtung laut Zollinger rund 75 bis 85 Prozent Strom. Auch der Elektromobilität gegenüber ist Zollinger aufgeschlossen. Die aktuell angebotenen Fahrzeuge verfügten aber nicht über die Zuglast von bis zu 3,5 Tonnen, welche man beispielsweise für den Noteinsatz im Unternehmen benötige. Noch laufen die Fahrzeuge, die teilweise schon seit 17 Jahren im Einsatz sind aber tadellos und werden daher nicht ersetzt. Auch das ist Nachhaltigkeit.
Michael Lux







